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TEST: Selber blasen, damit man nicht muss

Alkoholtester werden vielleicht Pflicht. Wir haben es ohne Not schon mal versucht.
Hans Graber
So soll es doch sein: exakt 0,0 Promille, gemessen mit dem neuen ACE Metro. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

So soll es doch sein: exakt 0,0 Promille, gemessen mit dem neuen ACE Metro. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ich setze mich grundsätzlich nie hinters Steuer, wenn ich etwas getrunken habe. Das fällt mir insofern leicht, da ich mich überhaupt nie hinter ein Steuer setze, in Ermangelung einer entsprechenden Befähigung und Bescheinigung. Ich hatte nie eine, und das ist gut so. Obwohl von etwas trägem und überaus versöhnlichem Gemüt, neige ich zu cholerischen Anfällen, insbesondere im Strassenverkehr. Ich kann mir vorstellen, dass ich als Autolenker einen Hang zur Selbstjustiz hätte und missliebige andere Lenker wie einst auf dem Autoscooter ein wenig rammen oder sonstwie piesacken und drangsalieren würde. Doch, das kann ich mir leider vorstellen.

Schlechte Erfahrungen

Dass ich schon betrunken Velo gefahren bin, stelle ich nicht in Abrede. Entsinnen kann ich mich an die Meisterfeier des FC Luzern, als ich schon Richtung Morgengrauen von der Allmend heimfuhr, ziemlich gut bedient, nach 200, 300 Metern aber noch geistesgegenwärtig genug, um sehr erschreckt festzustellen, dass ich mich auf der falschen Strassenseite bewegte. Meine Geisterfahrt, vermutlich auch zickzack, blieb folgenlos, was möglicherweise dem Umstand zuzuschreiben ist, dass alle andern, die um dieselbe Zeit heimgingen, auch geisterfahrermässig unterwegs waren. Wenn alle neben den Schuhen stehen, gleicht es sich wieder aus.

Zu behaupten, seit 1989 sei es nie mehr zu einem gröberen Rausch gekommen, wäre etwas unpräzis. Eine damit verbundene spektakuläre Velofahrt hat es seither aber nie mehr gegeben. Ehrenwort. Der einzige gravierendere Sturz, den ich mit dem Fahrrad erlitten habe, geschah mit 0,0 Promille, und hätte ich mir dabei nicht ein paar Rippen gequetscht, hätte ich die (meines Erachtens) daran schuldige Automobilistin gerammt. Wie auch immer.

Dennoch kann es nicht schaden, jederzeit zu wissen, wo man steht, promillemässig. Frankreich hat zwar die Vorschrift, dass alle Automobilisten immer ein Pusteröhrchen mit sich führen müssen, vor zwei Wochen ausser Kraft gesetzt, also quasi abgeblasen. Aber nur vorläufig. Vorsorge heisst das Gebot der Zeit, und diesbezüglich wird, wetten, noch so einiges auf uns zukommen.

Brav, einigermassen

Freilich kann man sich fragen, ob ein Alkoholtestgerät effektiv ausschliesslich der Vorsorge dient. Erfahrungen mit einem Testmodell haben gezeigt, dass einen schon auch ein wenig der Gwunder sticht, wie viel man trinken kann, bis man über 0,5 kommt. Oder über 0,8. Oder über 1,0. Zur Beruhigung besorgter Leser: Am ersten Testabend vor zwei Wochen war ich in einem Portugiesen-Lokal, wo traditionell fleissig nachgeschenkt wird – ich kam auch nach dem finalen Schnaps nicht über 0,6 Promille. Und auch am Schmutzigen Donnerstag ging es nach etwelchen Bieren nur ganz knapp über diese Marke hinaus.

Ein einigermassen braver Bursche – oder ist das Gerät ungenau? Das ist nicht zu vermuten. Der brandneue Alkoholtester ACE Metro ist das Nachfolgemodell des ACE Alcoscan II, der in Vergleichstests mehrfach Bestnoten erreichte und gegenüber Geräten, die von der Polizei verwendet werden und um ein Mehrfaches teurer sind, nur geringfügige Abweichungen zeigte. Mit 199 Franken hat auch der ACE Metro seinen Preis, aber auch das haben Tests gezeigt: Billig- und Billigstgerät sind nichts wert.

Der ACE Metro ähnelt von der Form her meinem alten Nokia-Handy. Telefonieren mit ihm kann man nicht, aber reinblasen. Vier Sekunden lang, dann ertönt zum Piepsen ein Klacken, und Sekunden später wird die via Atemluft berechnete Blutalkoholkonzentration in Promille angezeigt, digital und mit zwei Stellen nach dem Komma. Bei Werten über 1,0 Promille benötigt der Sensor des Gerätes eine längere Erholungszeit. Drei Minuten. Beim Bläser dürften es etwas mehr sein.

Der ACE Metro ist leicht zu bedienen. Einschaltknopf drücken – und nach einer kurzen Aufwärmphase kann man mit Testen beginnen. Mitgeliefert werden fünf hygienisch verpackte Mundstücke, damit auch die Kollegen getrost blasen können. Weitere Mundstücke kann man bestellen, zudem bietet der Hersteller an, nach 12 Monaten das Gerät neu zu kalibrieren. Ungenauer kann es auch zuvor werden, wenn man sich nicht an die Anweisungen hält. Empfohlen wird, nach dem letzten Schluck Alkohol bis zur Messung eine Viertelstunde zu warten, ohne zu essen und zu rauchen. Beim Portugiesen blies ein Freund unmittelbar nach einem grossen Schluck Cognac ins Gerät. Messergebnis da: tödliche 4,0 Promille

Selbstverständlich sind die selber gemessenen Werte nicht rechtsverbindlich. Wenn die Polizei kommt und etwas ganz anders misst, hat die Polizei Recht. «Wir empfehlen deshalb unseren Kunden in jedem Fall, nach dem Genuss von Alkohol kein Fahrzeug mehr zu lenken oder Maschinen zu bedienen», sagt Tobias Studer vom Alkoholtester-Shop in Trübbach SG, der in der Schweiz den ACE Metro und weitere solcher Geräte vertreibt. Diese seien primär für die Prävention gedacht, Kunden seien neben Privatpersonen vorab Firmen, Institutionen für Alkoholkranke, Jugendarbeiter, Ärzte und Spitäler. Ziel sei es, dass Betroffene und involvierte Personen die Eigenverantwortung wahrnehmen und andere davon abhalten, Auto zu fahren.

Blasende Velofahrer

Wie gesagt, in die Auto-Versuchung komme ich eh nicht, und mit dem Velo bin ich seit den Allmend-Abwegen vorsichtig. Velofahrer werden eher wenig kontrolliert, wie alle Verkehrsteilnehmer müssen sie aber blasen, wenn sie in einen Unfall verwickelt sind. Eine Blutprobe ist ab 1,1 Promille Pflicht (bei Autolenkern ab 0,8). Selbstverständlich setzt es für alkoholisiertes Fahren Bussen ab. Und wie ist das nun, wenn der Velofahrer einen Führerausweis besitzt? Laut dem Strassenverkehrsamt Luzern, Abteilung Administrativmassnahmen, kann eine alkoholische Verfehlung mit dem Fahrrad zum Entzug des Billetts führen. Es kann, aber es muss nicht. Jeder Fall wird individuell abgeklärt. Bei Werten über 2,5 Promille und gleichzeitiger Benutzung des Velos wird aber davon ausgegangen, dass ein chronisches Problem vorliegt. Dann ist der Fall klar und das Billett weg.

Irgendwie fällt mir nun keine Schlusspointe ein. Aber nüchtern betrachtet: Hauptsache, man kriegt im richtigen Leben die Kurve. Morgen, übermorgen, spätestens aber ab Aschermittwoch.

Mehr zum Gerät: www.alkoholtester-shop.ch

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