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TEXTILIEN: Jeans sollen «grün» werden

Der synthetisch hergestellte Jeans-Farbstoff Indigo ist in mehrerer Hinsicht hochproblematisch. Mit Bakterien und Gentechnik wird nun eine umweltfreundliche Form angestrebt.
Roland Knauer
In Zug geht ein Jeans-Laden zu - wegen fehlender Kundschaft. (Symbolbild Neue ZZ)

In Zug geht ein Jeans-Laden zu - wegen fehlender Kundschaft. (Symbolbild Neue ZZ)

Roland Knauer

«Blaumachen» ist ein Synonym für Nichtstun. Das hat einen direkten Zusammenhang mit Indigo. Menschen verwenden diesen tiefblauen Farbstoff bereits seit mindestens 6000 Jahren. Bis ins 17. Jahrhundert bauten zum Beispiel Bauern in Thüringen die Pflanze Färberwaid an, weil sie daraus Indigo herstellen und gutes Geld verdienen konnten. Kügelchen aus getrocknetem Pflanzenbrei weichten die Färber in Urin und der aus Holz gewonnenen Pottasche ein und gewannen so zunächst Indigoweiss.

Diese Substanz heftet sich gut an Stoffe, die anschliessend auf einer Wiese ausgelegt und dort vom Sonnenlicht oxidiert wurden. Erst dabei entsteht Indigo und seine tiefblaue, ins Violette spielende Farbe. Weil der Färber diesen Job der Sonne überlassen und er selbst die Hände in den Schoss legen konnte, entstand der Begriff «blaumachen».

Giftig und krebserregend

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieser aus verschiedenen Pflanzen hergestellte Naturfarbstoff zunehmend von synthetischem ­Indigo abgelöst, den die chemische Grossindus­trie bis heute aus Erdöl herstellt. Und das in einem Verfahren, das nicht gerade umweltverträglich ist: Grundstoff ist das aus Erdöl hergestellte Anilin, das nicht nur ein starkes Gift ist, sondern auch Blasenkrebs verursachen kann.

Mit Hilfe von ebenfalls eher kritisch betrachteten Chemikalien wie dem giftigen und krebserregenden Formaldehyd, der hochgiftigen Blausäure und dem leicht entzündlichen, ätzenden und für Gewässer ­gefährlichen Natriumamid wird ­daraus Indigo hergestellt. Um diesen Farbstoff an Fasern anzuheften, wird er zunächst mit der reizenden und entzündlichen Chemikalie Natriumdithonit reduziert, die Abbauprodukte dieser Substanz greifen Geräte und Rohre der Färbereien sowie die Anlagen zur Abwasserbehandlung an. Angesichts dieser Liste verwundert es nicht, dass längst andere blaue Farbstoffe entwickelt wurden, die Indigo heute weitgehend ersetzen. Mit einer grossen Ausnahme: Die Hersteller von Jeansstoffen setzen nach wie vor auf Indigo, weil diese Farbe beim Waschen nicht abgeht, aber an besonders beanspruchten Stellen abgerieben wird. Dadurch hellen sich der Gesäss- und Kniebereich sowie die typischen Falten einer Jeanshose nach längerem Gebrauch auf, während der Rest der Hose tiefblau bleibt. Genau solche Muster geben einer Jeans ihre individuelle Note und machen Jeans­stoffe so beliebt. Weltweit und milliardenfach.

Die Zeit scheint nun aber reif für eine erheblich weniger problematische Indigofärbung. Entwickelt haben sie John Dueber und seine Kollegen von der University of California in Berkeley, wie das Fachblatt «Nature Chemical Biology» berichtet: Umweltfreundlich hergestellt werden soll der Farbstoff mit Hilfe von Bakterien. Die Forscher ahmen dabei die Prozesse nach, mit der in Asien und Osteuropa wachsende Färberknöterich-Pflanzen Indigo in ihren Blättern herstellen. Allerdings verlegt Dueber diese Vorgänge mit Methoden der Gentechnologie von Pflanzen in Escherichia-coli-Bakterien.

Zunächst stellen Pflanzen und Bakterien gleichermassen ein «Indol» genanntes Biomolekül her, das im Organismus dann zu einer «Indoxyl» genannten Substanz umgebaut wird. Dieses instabile Indoxyl schützen die Forscher mit einem Zuckermolekül, das sie mit Hilfe eines Enzyms anhängen, das sie vorher in der Pflanze entdeckt hatten.

Im Labor funktioniert es

Dabei entsteht das stabile Indikan, das bis zur Verwendung ohne Probleme gelagert werden kann. Beim Färben heftet sich Indikan an die Textilien, und ein anderes Enzym entfernt den Zucker wieder. Das so erneut gebildete Indoxyl wandelt der Sauerstoff der Luft dann direkt auf den Fasern in Indigo um und färbt die Jeans tiefblau.

Dieses im Labor gut funktionierende Verfahren muss für Industrieprozesse zwar noch kräftig angepasst werden. Zum Beispiel sollten die teuren Enzyme billiger gewonnen werden. Das kann noch einige Jahre dauern, unüberwindlich scheinen die Hürden aber nicht. Der Weg zu «grünen» blauen Jeans scheint also frei zu ­sein.

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