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TIERE: Winseln ist «gestörter» als Bellen

Wenn sie alleingelassen werden, machen sich Hunde oft durch Lautäusserungen bemerkbar. Ungarische Forscher haben sie untersucht und typische Unterschiede ausgemacht.
Joachim Czichos
Winselt ein Hund, ist das meist Ausdruck von Frustration und negativen Gefühlen. (Bild: Istock)

Winselt ein Hund, ist das meist Ausdruck von Frustration und negativen Gefühlen. (Bild: Istock)

Joachim Czichos

Es ist eine der häufigsten Verhaltensauffälligkeiten, worunter sowohl Hunde als auch Hundebesitzer und Nachbarn leiden: Alleingelassen von Herrchen oder Frauchen, äussert das Tier seinen Trennungsschmerz unter anderem durch anhaltendes Bellen.

Jetzt hat ein Team um Péter Pongrácz von der Eötvös Loránd Universität in Budapest die Lautäusserungen von Hunden in dieser Stresssituation analysiert. Demnach unterscheiden sich verhaltensgestörte und normale Hunde weniger im Bellen als vielmehr im Winseln, berichten die Forscher im Fachblatt «Applied Animal Behavior Science».

«Für die Untersuchungen gaben 45 Halter Auskunft zum Verhalten ihres Hundes, wenn er ­vorübergehend alleingelassen wird. Die Tiere – Rassehunde und Mischlinge – waren im Schnitt vier Jahre alt. Ein Hund wurde als verhaltensgestört eingestuft, wenn er bei Abwesenheit des Besitzers anhaltend bellt oder jault, an Tür und Wänden kratzt, Gegenstände zerstört, den Boden beschmutzt und den Besitzer bei dessen Rückkehr völlig übermütig begrüsst.

Aufgrund dieser Angaben erfolgte eine Einteilung in zwei Gruppen, die aus Tieren mit normalem oder unnormalem Verhalten bestanden. Für den Verhaltenstest band der Hundebesitzer sein Tier an einem Baum fest, verabschiedete sich von ihm, ging dann auf ein 45 Meter entferntes Haus zu und verschwand dahinter. Drei Minuten nach dem Abschiednehmen kam er wieder.

Die Hunde der beiden Gruppen unterschieden sich kaum in Dauer und Lautstärke des Bellens. Hingegen bellten jüngere Tiere mehr als ältere.

Als deutliches Unterscheidungsmerkmal erwies sich dann allerdings, dass die verhaltensgestörten Hunde mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit winselten, auch früher damit begannen und es länger fortsetzten als die anderen.

Bellen ist die hörbare Form der Kommunikation

Nach Ansicht der Forscher drücken Hunde durch Bellen und Winseln als Reaktion auf das Alleinsein ganz unterschiedliche Befindlichkeiten aus. Mit dem Bellen protestiert demnach das Tier lautstark, vor allem, wenn es sich an einem fremden Ort befindet. Bei diesem Verhalten, so die Forscher, könnte es sich um eine während der Domestikation entstandene Form der Kommunikation mit dem Menschen handeln, denn Wölfe zeigen dieses Verhalten nicht.

Im Gegensatz dazu ist das nur in der Nähe hörbare Winseln ursprünglich eine natürliche Reaktion von Jungtieren, die den Kontakt zu den Artgenossen verloren haben. In den Verhaltensexperimenten drückten die Hunde damit das Gefühl der Verlassenheit aus, ohne es zur Kommunikation nutzen zu können.

Durch Bellen kann der Hund ganz Verschiedenes ausdrücken: Aggression, Angst oder Freude. Winseln ist eindeutiger und meist ein Ausdruck von Frustration und negativen Gefühlen.

Auf diesen Unterschied, so die Forscher, sollten Hundebe­sitzer achten, wenn sie sich um das Wohlergehen ihres Haustiers sorgen.

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