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TIGER WOODS: Freier Fall des Wunderkinds

Er war der Golfstar einer Generation – gefürchtet und verehrt. Heute wird Woods nur noch Mitleid zuteil. Das einstige Idol steht an einem Scheideweg.
Golf-Star Tiger Woods (41). (Bild: Francois Nel/Getty)

Golf-Star Tiger Woods (41). (Bild: Francois Nel/Getty)

Der Mugshot, also das Foto eines Straftäters, das in den USA nach einer Verhaftung aufgenommen wird, gibt meist einen Blick frei auf den wirklichen Zustand der – bisweilen prominenten – verhafteten Person. Unvergessen bleibt der Mugshot von Schauspieler Nick Nolte im Hawaii-Hemd und mit völlig zerzaustem Haar. Er war 2002 in Los Angeles auf Drogen Auto gefahren. Ebenfalls noch im Gedächtnis sein dürfte vielen das Polizeibild des verstört dreinblickenden britischen Filmstars Hugh Grant, der 1995 beim Oralsex mit einer Prostituierten im Auto aufflog und eine Nacht in der Polizeikaserne von L. A. verbringen musste. Und nun also Tiger Woods.

Am frühen Montagmorgen weckte die Polizei den wohl bekanntesten und erfolgreichsten Golfer seiner Generation in der Nähe seines Wohnortes im Süden Floridas, weil er am Steuer seines Mercedes, auf einer Seitenstrasse stehend, eingeschlafen war. Das Delikt: DUI – Driving under the influence (Fahren unter Einfluss).Normalerweise heisst das, der Sünder war mit zu viel Alkohol im Blut oder auf Drogen Auto gefahren. Tiger Woods aber bestreitet dies. Es sei kein Alkohol im Spiel gewesen. Seine Benebeltheit habe vielmehr von einem Medikamentenmix hergerührt, schrieb der 41-Jährige in einem Statement. Laut US-Medien gibt ein erster Blutalkoholtest Woods Recht. Bleibt die Frage, warum ein Multimillionär nach der Einnahme eines Medikamenten-Cocktails, anstatt ein Taxi zu nehmen, lieber selbst heimfahren will.

Es war nicht die einzige fragwürdige Entscheidung von Woods in den vergangenen Jahren. Ende 2009 enthüllte ein US-Boulevardblatt, Woods habe seine damalige Ehefrau Elin Nordegren mit über 100 Frauen betrogen. Eine absurde Szene ereignete sich zwei Tage nach den Enthüllungen, als Woods in der Nähe seines Hauses einen Hydranten überfuhr und einen Baum rammte. Nordegren hatte die Rückscheibe des Geländewagens mit einem Golfschläger eingeschlagen. Bis heute ist nicht klar, ob sie dies aus Rache tat oder ob sie ihren Ehemann aus dem Fahrzeug retten wollte. Kurze Zeit später liess sich das schwedische Model jedenfalls scheiden. Er räumte ein, sexsüchtig zu sein, und begab sich in Therapie.

Diese Vorfälle liegen acht Jahre zurück und sollten Woods nicht ewig angelastet werden. Doch sie sind Teil des öffentlichen Abstiegs des einstigen Golf-Wunderkindes, welches von seinem Vater, einem ehemaligen Oberstleutnant der US Army, bereits im zarten Alter von sechs Monaten den ersten abgesägten Schläger in die Hand gedrückt bekam. Eldrick Tont Woods, wie der «Tiger» richtig heisst, gewann in seiner Kindheit und Jugend alle Juniorenturniere mehrfach und wurde 1997 mit 21 Jahren der jüngste Masters-Sieger aller Zeiten. In den folgenden zehn Jahren dominierte Woods den Golfsport – auf und neben den Fairways. Die Werbemillionen machten ihn zum ersten Sportmilliardär, die Einschaltquoten schossen in nie da gewesene Höhen.

Und nun dieser Mugshot. Er zeigt ein klägliches Bild des ehemaligen Weltranglistenersten und 14-fachen Major-Gewinners. Woods sieht zugedröhnt aus: Augenringe, unrasiert und ein schwammiger Blick. Der einstmalige Vor­zeigeathlet wirkt geknickt. Angesichts der physischen Probleme, zu welchen inzwischen chronische Rückenbeschwerden gehö­ren, ist dies verständlich. Dass zu den körperlichen Defiziten regelmässig mentale Aussetzer kommen, ist hingegen vor allem traurig. Er wolle «zweifelsfrei» wieder in den professionellen Golfsport zurückkehren, teilte Woods letzte Woche mit. Es ist zu hoffen, dass er diesen Cut schafft.

Livio Brandenberg

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