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TOKIO: Japans «Club der Hundertjährigen» feiert neuen Rekord

Die fast 68000 Hundertjährigen im Inselreich werden speziell verehrt. Es gibt sogar einen nationalen Feiertag für sie. Doch die Altersstruktur wird auch in Japan immer mehr zum Problem.
Angela Köhler, Tokio

Angela Köhler, Tokio

Sie sind der Stolz der Nation und werden immer mehr. Japans «Club der Hundertjährigen» feiert einen neuen Rekord. Auf dem fernöstlichen Inselreich haben 67 824 Menschen die magische Grenze erreicht, leben 100 oder mehr Jahre. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 1546 Menschen. Den Senioren Nippons ist sogar ein gesetzlicher Feiertag gewidmet, am 18. September begeht das Land den «Tag des Respekts für die Alten». Dabei stehen die Greise wie Stars im Mittelpunkt.

Im Jahr 1963, als man mit der Statistik begann, wurden 153 Hundertjährige gezählt. Dann kam der enorme wirtschaftliche Aufschwung der Babyboom-Jahre und mit dem Wohlstand eine überdurchschnittlich gute Gesundheitsbetreuung. Die ältere Generation fällt auch durch ihr gesundes Essen und Fitness-Bewusstsein bis ins hohe Alter auf.

88 Prozent sind Frauen

So wird von Jahr zu Jahr ein neuer Rekord aufgestellt. Diesmal sind es 2132 Frauen und Männer, die in den zurückliegenden zwölf Monaten den Sprung ins dreistellige Alter geschafft haben. Spitze sind vor allem die Frauen. Rund 88 Prozent der Hundertjährigen sind Frauen, exakt beläuft sich ihre Zahl auf 59627. Auffällig auch, dass mit Shimane, Tottori und Kochi drei eher ländliche Präfekturen im Südwesten des Landes vorn liegen. Beeindruckend hält Japan am Konfuzianismus fest, der den Respekt vor dem Alter lehrt. Während im Westen Greise im Prinzip und quer durch alle Generationen eher als Last gesehen werden, gilt Betagtheit in Asien als wohlverdiente Ehre. Ein älterer Mensch hat seinen Teil für die Gesellschaft getan, Lebensweisheit erworben und Menschenkenntnis. Er prägte die gegenwärtige Gesellschaft mit, aber machte zu seiner Zeit eben auch Platz für die jüngere Generation.

Und deswegen obliegt es dann auch den «Gesellschaftserben», ihre Älteren zu ehren und ihnen Respekt zu zollen. Der Tag zur Ehrung des Alters (Keiro no hi), der von Japans Regierung 1966 eingeführt wurde, war ursprünglich eine Würdigung derjenigen, die Japan nach der schweren Niederlage im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut hatten. Heute ist die Party der Hundertjährigen aber immer mehr auch zu einem Schaufenster für die hohe Qualität des Lebens und die gesunde Ernährung der Bevölkerung geworden. Japanische Frauen haben mit durchschnittlich 87,05 Jahren die zweithöchste Lebenserwartung der Welt. Nur Hongkongs Frauen leben länger. Bei den Herren belegen Japaner mit 80,79 Jahren Rang vier.

Kinderanteil historisch tief

Bei aller Freude über diese Zahlen werden die Alten aber immer mehr auch zum Problem. Über 27 Prozent aller Japaner sind bereits über 65 Jahre alt, auch das ein historischer Höchstwert. Bis Mitte des Jahrhunderts wird der Seniorenanteil sogar auf 40 Prozent steigen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Kinder stetig ab. Nach jüngsten Angaben sind nur 16,2 Millionen oder 13 Prozent der Gesamtbevölkerung jünger als 14 Jahre. Auch das ist ein historischer Tiefstwert. Damit ist die Gruppe der Rentner erstmals in der Geschichte mehr als doppelt so stark wie die Kindergeneration.

Hält der Trend an, wird das fernöstliche Inselreich 2048 weniger als 100 Millionen Einwohner haben. Auf dem Höhepunkt des Wachstums 2010 waren es 128 Millionen. Im internationalen Vergleich ist Japan heute schon das Land mit der ältesten Bevölkerung. Theoretisch müssen jeweils zwei erwerbstätige Japaner einen Rentner ernähren.

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