Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TOKIO: Zug liefert «skandalösen» Frühstart

Eine japanische Eisenbahngesellschaft entschuldigt sich für ihre kuriose Unpünktlichkeit: In der Rush Hour verliess ein Zug den Bahnhof 20 Sekunden zu früh.
Angela Köhler, Tokio
Japanische Bahngesellschaft entschuldigte sich, weil der Zug 20 Sekunden zu früh abfuhr. (Bild: Diego Azubel/EPA)

Japanische Bahngesellschaft entschuldigte sich, weil der Zug 20 Sekunden zu früh abfuhr. (Bild: Diego Azubel/EPA)

Angela Köhler

«Gomen nasai! Wir bitten zutiefst um Entschuldigung!» Mit maximaler japanischer Höflichkeit bat eine japanische Bahn­gesellschaft ihre Passagiere um Verzeihung für eine winzige Unpünktlichkeit. Der Zug hatte jedoch keine Verspätung, sondern fuhr zu früh ab – um ge- nau 20 Sekunden. Statt Punkt 9.44 Uhr verliess der Tsukuba Express am Dienstag das Gleis bereits um 9.43 und 40 Sekunden.

Obwohl sich kein Kunde beschwert hat, entschuldigte sich der Betreiber auf seiner Website und per Pressemitteilung postwendend für die «schlimmen Unannehmlichkeiten», die Passagieren mit dieser Panne zugemutet wurde. Die Zugführer, so liess die Bahngesellschaft verlauten, hätten das Versehen verursacht. Sie hätten Fehler dabei gemacht, die «Abfahrtszeit und den Abfahrvorgang genau zu prüfen und durchzuführen». Man habe die Crew getadelt und angewiesen, die vorgeschriebenen Aktionen genau einzuhalten, damit sich so etwas nicht wiederholt. Der Tsukuba Express TX, vergleichbar mit einer deutschen S-Bahn, verbindet den Bahnhof Akihabara in Tokio-City in 45 Minuten und 20 Stationen mit der Wissenschaftsstadt Tsukuba.

Die meisten Leute würden einen 20-Sekunden-Unterschied nicht wahrnehmen, heisst es in der offiziellen Stellungnahme weiter. Weil aber japanische Züge normalerweise so pünktlich kommen, planen Reisende und Pendler ihre Abfahrt minutiös. Daher hätten Passagiere möglicherweise den Zug verpasst und mussten auf den nächsten warten, so Tsukuba Express. Witzig für Normaleuropäer: der kam planmässig genau vier Minuten später.

Weltberühmte Pünktlichkeit

Japans Züge – vom schnellen Shinkansen-Express bis zu den U-Bahnen – sind weltberühmt für ihre Genauigkeit. Die durchschnittliche Verspätung im Fernverkehr beträgt gerade einmal 36 Sekunden. Zum Vergleich: In Deutschland gilt ein ICE als pünktlich, wenn sich die planmässige Ankunftszeit nur um rund fünf Minuten verzögert.

Im japanischen Personennahverkehr sieht die Statistik allerdings nicht so glänzend aus. Taifune, Erdbeben und gelegentlich auch Pannen haben die amtlich erfassten Verspätungen leicht erhöht. Eine häufige Ursache sind auch Selbstmorde, zu denen es trotz zunehmender Verhinderungsmassnahmen wie automatischen Sperren an den Gleisen immer noch kommt.

Aber auch im Nahverkehr funktioniert das «System Japan» überdurchschnittlich und imponiert dabei mit der schieren Masse, einem engen Verkehrsnetz und unglaublich engen Taktungen in der Rush Hour. Der Grossraum Tokio besitzt das umfangreichste Nahverkehrsnetz der Welt mit 158 U- und S-BahnLinien, die von 48 Firmen betrieben werden. Dieser gewaltige Wirtschaftsraum der Metropole mit seinen mehr als 37 Millionen Bewohnern ist mit 4700 Streckenkilometern und 2200 Stationen verbunden. Jeden Tag werden mehr als 20 Millionen Passagiere auf 40 Millionen Fahrten transportiert.

Die meistbefahrene Linie ist die Yamanote-Linie. Diese umrundet alle Zentren der Tokioter Innenstadt auf einem grossen Ring und verkehrt im 3-Minuten-Takt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.