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TRABI-JUBILÄUM: «Sachsenporsche» wird 60

Am 7. November 1957 lief der erste Trabant aus dem Werk im sächsischen Zwickau. Heute hat es der knatternde Zweitakter längst zum Kultobjekt geschafft. Dabei hätte es Pläne für moderne Trabis gegeben.
Christoph Reichmuth, Berlin
Der Präsident des Trabiclubs Berlin, Michael Kaiser, mit seinem Trabant 601, Baujahr 1968. (Bild: Rudi-Renoir Appoldt (Berlin, 6. November 2017 ))

Der Präsident des Trabiclubs Berlin, Michael Kaiser, mit seinem Trabant 601, Baujahr 1968. (Bild: Rudi-Renoir Appoldt (Berlin, 6. November 2017 ))

Christoph Reichmuth, Berlin

20 Minuten vor dem vereinbarten Termin klingelt das Handy. Am anderen Ende ist Michael Kaiser, Präsident des Trabi-Clubs Berlin. «Nehmen Sie sich Zeit, 14 Uhr, das schaff ich nicht. Der Wagen», sagt er etwas hektisch und fügt nach einer Pause mit seinem Seufzer an: «Der springt nicht mehr an.»

Einen besseren Einstieg in eine Geschichte über das DDR-Alltagsauto Trabant hätte man sich nicht vorstellen können. Kaisers Trabi tut nicht mehr. Wir holen ihn beim Pannenort im östlichsten Zipfel Berlins ab, fahren zusammen zu seinem bescheidenen, aber charmanten Einfamilienhäuschen in Berlin-Rahnsdorf. Den Trabi, den er hier in der Garage stehen hat, der sei ohnehin viel interessanter für uns, sagt der 55-Jährige. Kaiser öffnet bedeutungsvoll das Garagentor. Zum Vorschau kommt ein Trabant 601, Baujahr 1968, 23 PS, von 0 auf 100 Stundenkilometer in, wenn es gut geht, 45 Sekunden. Kaisers Laune hebt sich nun beim Anblick des gepflegten Oldtimers. Er steht symbolhaft für die untergegangene DDR-Planwirtschaft – und irgendwie auch für Mauerfall und Wiedervereinigung. Hunderte der knatternden und stinkenden Zweitakter lärmten in der Nacht des Mauerfalls, umjubelt von Zaungästen, über die plötzlich offene Grenze der DDR in den Westen.

Bis 1991 über 3 Millionen Trabis produziert

Am 7. November 1957 verliess der erste Trabant das Autowerk in Zwickau. Das SED-Politbüro verlangte nach einem «Kraftfahrzeug für die Motorisierung der werktätigen Bevölkerung», etwas neidisch blickte die DDR-Führung in die damals boomende BRD, wo VW-Käfer oder Opel Olympia die Gesellschaft mobilisierten. Kosten für den ersten «Trabi»: Knapp 8000 Ost-DM. Die Karosserie des etwa 620 Kilogramm leichten Zweitürers bestand bis zu seinem Ende aus dem Kunststoff «Duroplast» – eine Mischung aus Harzpulver und Baumwollresten, da Blech in der DDR aufgrund eines Wirtschaftsembargos Mangelware war. Seinen Namen erhielt der damals 18 PS starke Kleinwagen nach einem Preisausschreiben. «Trabant» bedeutet «Weggefährte», auf Russisch «Sputnik». Der Name war also auch eine Hommage an das sowjetische «Sputnik»-Satellitenprogramm, das im Oktober 1957 mit «Sputnik 1» erfolgreich gestartet war.

Michael Kaisers Trabant 601 Baujahr 1968 ist eine Weiterentwicklung des ersten Trabis von 1957, 18 Zentimeter länger. Kaiser hat alles im Originalzustand belassen, die bald 50 Jahre alte Radiostation empfängt nur Mittelwelle, die Bordtechnik basiert auf einer 6-Volt-Technik. Der Motor rattert und knattert, eine stinkige blaue Wolke tritt aus. «Ich nenn ihn auch meine ‹Mumie mit Herzschrittmacher›», sagt der gelernte Tischler lachend und legt seine flache Hand fast liebevoll auf die Kunststoff-Kühlerhaube seines 601-ers. Im Laufe der Jahre haben sich viele Kosenamen für den «Trabi» entwickelt, von dem zwischen 1957 und April 1991 über 3 Millionen Stück hergestellt worden sind. «Sachsenporsche» etwa, «Fluchtkoffer» oder «Mercedes-Krenz», in Anspielung an den Nachfolger Erich Honeckers an der Staatsspitze, Egon Krenz. Nur noch knapp 34 000 Trabanten sind heute in Deutschland zugelassen, auch in Berlin werden es wegen der strengen Umweltrichtlinien immer weniger.

1998 hat sich Kaiser seinen ersten Trabi gekauft, seit 2006 ist der ehemalige DDR-Bürger, der 1980 das Land nach einem Fluchtversuch der Eltern verlassen musste und erst nach dem Mauerfall in den Osten zurückgekehrt ist, Vorsitzender des Trabi-Clubs Berlin. Er liebt die ruckelige Fahrt auf schlecht gefederten Achsen. «Das ist, im Gegensatz zu den heutigen Autos, Fahren pur. Du spürst jedes Steinchen auf der Fahrbahn, die ganze Maschine», schwärmt der 55-Jährige.

10000 Euro kostet heute ein Trabi

Der Trabi hat es längst zum Kultobjekt geschafft. Für einen gut erhaltenen Trabant muss man bis zu 10 000 Euro hinblättern. Für seinen zweiten Trabant, Baujahr 1991, damals in schlechtem Zustand, musste Kaiser vor ein paar Jahren gerade einmal 100 Deutsche Mark hinlegen. Der macht bis heute mehr Ärger als das Schmuckstück von 1968. «Die früheren Modelle sind qualitativ besser als die späteren. Umso jünger, umso anfälliger», sagt Kaiser. Den defekten Trabi muss er nun abholen gehen, der steht immer noch defekt am Strassenrand. Für Kaiser kein Problem. Ein paar Griffe und Kniffs, und die Maschine knattert weiter.

Hier das Video zum «Trabi»:

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