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TRADITION: Der Täufer und die Sonnenwende

Heute ist Johannisnacht. Der Täufer Jesu findet im Volksglauben besonders starken Niederschlag. Und sein Gedenktag ist mit Naturereignissen verknüpft.
Andreas Faessler
Johannes der Täufer, ein grosser Heiliger des Christentums, der mit seinem Namen im Volksglauben und in der Natur reichen Niederschlag findet. Barocke Marmorfigur von Franchesco Mochi in der Hofkirche zu Dresden. (Bild: Andreas Faessler (25. Mai 2016))

Johannes der Täufer, ein grosser Heiliger des Christentums, der mit seinem Namen im Volksglauben und in der Natur reichen Niederschlag findet. Barocke Marmorfigur von Franchesco Mochi in der Hofkirche zu Dresden. (Bild: Andreas Faessler (25. Mai 2016))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Der Mann, der Jesus eigenhändig im Jordan getauft hat, ist als «Grösster unter allen Menschen» (nach Lukas) seit jeher einer der besonders verehrten Heiligen des Christentums. Das zeigt sich allein schon an der Vielzahl ihm geweihter Kirchen und Kapellen – er ist Patron der ranghöchsten Papstbasilika Roms – sowie an der Tatsache, dass er neben Jesus und Maria der einzige Heilige ist, dessen Geburt gefeiert wird und nicht dessen Todestag. Man erkennt ihn an seinem Gewand aus Fell, dem Kreuzstab und dem Lämmchen, das ihn begleitet.

Der im Lukasevangelium bestimmte Geburtstag Johannes des Täufers – der 24. Juni, gemäss Überlieferung exakt sechs Monate vor Christi Geburt – galt im julianischen Kalender in den ersten Jahrhunderten als Tag der eigentlichen Sommersonnenwende. Und in der engen Verknüpfung mit dieser astronomischen Situation liegt auch die besondere Bedeutung von Johannes Gedenktag, dem sogenannten Johannistag, dem entsprechend die Johannisnacht vorausgeht.

Johannisfeuer und brennende Räder

Dieser Tag hat im Laufe der Zeit eine erstaunliche Fülle an Brauchtümern hervorgebracht, denen der Name des Täufers Pate steht – auch wenn der Johan­nistag im Volksmund gelegentlich auch als «Spargelsilvester» oder «Sommerweihnachten» bezeichnet wird. Der Grund für diese Brauchtumsbildung war freilich weniger die Person des Heiligen als vielmehr die Sommersonnenwende selbst. Viele Bräuche sind mittlerweile in Vergessenheit geraten oder werden nur noch von wenigen Menschen in vereinzelten Regionen ausgeübt. Überdauert hat jedenfalls das seit dem 12. Jahrhundert bekannte «Johannisfeuer», von denen man heute Abend vor allem in Österreich und in den katholischen Regionen Süddeutschlands das eine oder andere brennen sehen kann. Symbolisch steht dieses Feuer für die Sonne am Himmel und damit gleichzeitig für Christus. Gelegentlich werden Räder angezündet und gedreht oder brennend den Abhang hinuntergerollt – eine weitere Symbolik für die Sonne an den längsten Tagen des Jahres. Zuweilen trinkt man zu diesen Spektakeln geweihten Wein.

Von Eheglück und bösem Blick

Wie so viele andere Volksbräuche soll das Johannisfeuer böse Geister und allerlei sonstige Unbill von den Menschen fernhalten. Denselben Effekt erhofft man sich beim Sprung über das Johannisfeuer. Dies sollte gar Eheglück bringen, wenn ein Paar gemeinsam über die Flammen hüpft. Mancherorts pflegten junge Mädchen einst am Tag des Johannes aus sieben oder auch neun unterschiedlichen Kräutern einen «Johanniskranz» zu flechten, in der Hoffnung auf eine glückliche Ehe. Dieser Kranz sollte – vor die Tür gehängt – wiederum Unglück abwenden. Schutzwirkung schrieb man auch einem nächtlichen «Johannisbad» in einem offenen Gewässer zu.

Der Täufer in Flora und Fauna

Der Name des mächtigen Heiligen findet sich in der Natur auffallend oft wieder. Es dürfte auf der Hand liegen, dass auch hier die astronomische Situation der Sommersonnenwende ausschlaggebender ist als der Baptist selbst. Das Johanniskraut etwa blüht jeweils um den längsten Tag im Jahr. Überall sind die leuchtend gelben Blumen dann zu sehen. Als Heilpflanze wird das Kraut hauptsächlich bei depressivem Gemütszustand eingesetzt. Es soll das Licht der hoch am Himmel stehenden Sommersonne ins Herz und ins Dunkel der Seele bringen. Für die bei uns oft als «Trübeli» bezeichneten Johannisbeeren gilt bezüglich Blütezeit Ähnliches. Die Früchte sind um den 24. Juni reif zum Verzehr.

Auch Glühwürmchen respektive Leuchtkäfer sind zur Sommersonnenwende am aktivsten und schimmern besonders intensiv, weshalb sie im Volksmund auch liebevoll «Johanniskäferchen» und «Johanniswürmchen» genannt werden.

Nichts mit dem Datum des Johannistages zu tun hat hingegen der Johannisbrotbaum. Seine Bezeichnung steht offenbar in direktem Zusammenhang mit dem Heiligen. Zumindest besagt eine entsprechend interpretierte Passage im Matthäusevangelium, dass Johannes der Täufer sich in der Wüste von den Schoten und Samen dieses Baumes ernährt haben soll, der vor allem in Nahost und im mediterranen Raum vorkommt.

Regeln und Sprichwörter

Es haben sich um den Johannistag auch allerlei Empfehlungen und Ratschläge gebildet. So solle man beten, dass Regen vor dem Gedenktag reichlich falle und nicht danach. Denn dann würde er mehr schaden als nützen. Auch die Johanniskäferchen wurden als Wetterindikatoren gesehen. Leuchten sie zu Johanni schön hell, so wird das weitere Wetter gut. Bleiben die «Lämpchen» aus, bleibt’s kühl und trüb.

Geradezu absurd ist der Aberglaube, dass Kinder, welche am Johannistag gezeugt werden, später den «bösen Blick» haben sollen. Diese Regel machte sich früher in einigen Regionen breit, und man übte vorsichtshalber Enthaltsamkeit.

Sankt Johannes und die Freimaurer

Eine Bedeutung ganz anderer Art kommt dem Johannistag in einem besonderen Bund zu: Er ist höchster Feiertag der Freimaurer, die sich am 24. Juni 1717 – also auf den Tag genau morgen vor 300 Jahren – erstmals zu einer Grossloge vereint haben. Dieses Ereignis wird weltweit als Gründung der Freimaurerei im heutigen Sinne angesehen. Johannes der Täufer ist der Schutzpatron der sogenannten «Johannis­loge», in der die freimaurerischen Lehren der «Johannis­grade» – Lehrling, Geselle und Meister – vermittelt werden.

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