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TREND: Food to go: Bentoboxen aus Japan sind mit Liebe gefüllt

Tupperware war gestern – jetzt kommt Bento. Die kunstvoll arrangierten Lunchboxen aus Japan kombinieren Ästhetik und Genuss auf kleiner Fläche. Das Befüllen folgt aber strengen Regeln und braucht seine Zeit.
Laura Widmer
Bentoboxen machen sich auch auf Fotos richtig gut. (Bild: Cam Tu Nguyen)

Bentoboxen machen sich auch auf Fotos richtig gut. (Bild: Cam Tu Nguyen)

Laura Widmer

Täglich öffnen Millionen Japaner – vom Schulkind zum bis zur ­Geschäftsfrau – am Mittag die Deckel ihrer Bentoboxen und finden ein Gemälde aus Reis, Gemüse, Fisch oder Fleisch vor. Mit den lieblos gefüllten Tupperwaregefässen, in welchen hierzulande Nudelresten transportiert werden, haben Bentoboxen nicht viel gemeinsam. Bento bedeutet im Japanischen so viel wie «Essen zum Mitnehmen» und ist in der japanischen Kultur tief verwurzelt. Zurück bis ins 5. Jahrhundert reichen Aufzeichnungen über ­Essen, das in besonderen Behält­nissen Samurais und Arbeitern mitgegeben wurde. Zuerst in Bambus­röhren, die keimverhin­dernde Wirkung versprachen, später in Jute oder Baumwolle eingenäht.

Gefüllt waren Bentos in erster Linie mit gekochtem Reis, Fisch und in Essig eingelegtem Gemüse. Mit der Zeit wurden Inhalt wie Behältnis immer exquisiter zubereitet. Mit den Zutaten wuchs auch die Anzahl der Fächer in den Kistchen, denn die einzelnen Speisen sollen während Transport und Verzehr nicht miteinander in Berührung kommen. Die Optik zählt bei Bentoboxen ebenso viel wie der Inhalt. Möglichst farbenfroh soll es sein. Weisser Reis neben rosa Lachs und grünen Bohnen, mit gelbem Omelette und violettem Kohl: Das ist Bento. Bei der klassischen Zubereitungsart sollen die Speisen mundgerecht und in Farbe, Textur und Geschmack möglichst unterschiedlich sein.

Mindestens fünf verschiedene Farben

Vom lieblos aufgewärmten Resteessen ist Bento somit meilenweit entfernt. Das bestätigt auch Cam Tu Nguyen, die einen Blog über Bento führt und zum gleichen Thema ein Kochbuch veröffentlicht hat. «Washoku, die traditionelle japanische Esskultur, wurde im Jahr 2013 zum Unesco Weltkulturerbe ernannt», sagt sie. Eine der Grundregeln des Washoku besagt, dass in einer Mahlzeit mindestens fünf verschiedene Farben, fünf verschiedene Geschmacksrichtungen und fünf verschiedene Zubereitungsmethoden enthalten sein sollen. «Viele Japaner glauben, dass erst durch die Aufnahme von möglichst vielen verschiedenen Speisen auch die vollständige Nährstoffaufnahme gesichert ist», sagt Nguyen. Die meisten Gerichte, die als Bento verpackt sind, können warm oder kalt gegessen werden. Der ­verfügbare Platz in den Abteilen muss sorgfältig ausgefüllt sein, und die Speisen sollen so naturbelassen wie möglich und auch möglichst mit Dingen wie Blüten und ­frischen Blättern dekoriert sein.

Eine typische Regel des Bento ­besagt, dass man die Box immer im Verhältnis 4:2:1 befüllen soll. Vier Teile Kohlenhydrate wie Reis, Nudeln oder Brot, zwei Teile Protein wie Fleisch, Fisch oder Tofu und jeweils ein Teil andere ­Zutaten wie Gemüse oder Obst. «Dank dieser Mischung ist Bento trotz kleinerer Portionsgrössen sättigend», sagt Nguyen.

Beim Bento zählt auch der Gedanke, der hinter der Zubereitung steht. In Japan sind es traditionell häufig die Ehefrauen, die das Mittagessen für Kinder und Gatten als Zeichen von Liebe und Wertschätzung zubereiten und dekorieren. So ist es durchaus ­üblich, eine Lunchbox morgens frisch für die Arbeit oder Schule vorzubereiten. Die altbekannten Tupperwares aus Plastik, wie sie wohl jeder Schweizer Haushalt besitzt, sind für das klassische Bento wegen ihrer Form kaum geeignet. Im Vergleich zum japanischen Pendant sind sie zu gross und vor allem zu tief. «Möchte man sein Mittagessen nach dem japanischen Vorbild packen, sollte man eine möglichst flache Box verwenden, die höchstens fünf bis sieben Zentimeter tief ist», sagt Foodbloggerin Nguyen. Dafür wird das Gefäss besonders dicht bepackt und bis zum Deckel gefüllt. Das verhindert auch, dass Essen beim Transport herumrutscht. Zusätzlich werden die Boxen auch von einem Gummiband oder Tuch ­zusammengehalten.

Abwechslung im Alltagstrott

Nun schwappt die Bentokultur auch in den Westen. Statt sich vom Mensa-Koch das Mittagessen diktieren zu lassen, nehmen immer mehr Menschen ihr Essen selbst mit. Sie entscheiden selbst, ob es Reste vom gestrigen Sonntagsbraten, Sandwiches oder vegane Frühlingsrollen gibt. Alternative Ernährungsformen wie Veganismus oder die ketogene Diät befeuern den Trend zum selbstgebrachten Mittagessen. «Mittags ist man geneigt, immer die gleichen Imbisse und Restaurants im Umkreis seines Standortes aufzusuchen», sagt Ngyuen. Bentos bringen Abwechslung in den ­Alltagstrott.

Liebevoll Selbstgemachtes statt Hamburger vom Fastfood-Stand, und das, ohne Abfall zu produzieren. Ein grosser Vorteil, wenn man auf Nachhaltigkeit ­bedacht ist. Bentoboxen zu befüllen braucht aber seine Zeit. «Bei den Bentoboxen ist es wie bei ­japanischen Kirschblüten. Man geniesst den Augenblick, da die Schönheit vergänglich ist», sagt Foodbloggerin Nguyen.

Ein weiterer Grund für den Bentotrend: Die sorgfältig dekorierten Boxen geben auch auf Fotos etwas her. «Viele fotografieren ihre Bentoboxen, um sie für die Nachwelt festzuhalten», sagt Nguyen. Das Auge isst mit, und die schön arrangierten Speisen sorgen auf Blogs und Insta­gram für jede Menge Klicks. Auch in der geselligen Runde am Mittagstisch bekommt man für die Arrangements Komplimente.

Die Auswahl an Behältern wächst

Die Auswahl an Bentoboxen und ähnlichen Behältern ist gross. Nicht nur für den Znüni der Kinder, auch für Erwachsene gibt es Modelle, die sich stapeln lassen, mit Trennwänden oder mit besonders schöner Verzierung überzeugen. Selbst Sigg, der Schweizer Hersteller von Trinkflaschen, stellt eine Aluminiumvariante mit Silikoneinlage her, die besonders stabil, aber nicht für die Mikrowelle geeignet ist. Auch auslaufsicher sind Behälter aus Alu oder Edelstahl nicht, wenn ein Abdichtungsring fehlt. Es gibt verschiedene Varianten aus Plastik, die für Mikrowelle und Spülmaschine geeignet sind. Wer auf Nachhaltigkeit bedacht ist, entscheidet sich deshalb besser für Behälter aus Glas. Eine im Onlinehandel erhältliche Kuriosität sind die elektrischen Modelle. Sie sind grösser und schwerer als die gewöhnlichen Boxen und lassen sich mittels einer Steckdose erwärmen. Für Eilige ist das jedoch nichts – es dauert zwischen 45 Minuten und einer Stunde, bis das Essen heiss ist.

Beim Bento müsse man sich nicht auf japanische Speisen ­beschränken, auch international gefüllte Boxen können überzeugen. «Man kann eine Bentobox mit verschiedensten Speisen aus allen Ländern füllen. Es geht dabei vor allem um das Bentoprinzip», sagt Cam Tu Nguyen. Man reduziert beispielsweise die Portion Risotto vom Vortag und fügt Beilagen wie kleine Hackbällchen, Würstchen, Cherrytomaten und geschnittene Früchte hinzu. Was zählt, ist einzig und allein die Abwechslung.

Bentoboxen machen sich auch auf Fotos richtig gut. (Bild: Cam Tu Nguyen)

Bentoboxen machen sich auch auf Fotos richtig gut. (Bild: Cam Tu Nguyen)

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