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TREND: Liebe in den Arm graviert

Besondere Momente verarbeiten Menschen in Tattoos, und kaum etwas berührt wie eine Geburt. Namen und sogar Portraits von Kindern sind immer öfter auf den Armen ihrer Eltern zu sehen.
Sarah Coppola-Weber
Tätowierte Kindernamen: ein Versprechen, verlässlich zu sein. (Bild: Ian Forsyth/Getty)

Tätowierte Kindernamen: ein Versprechen, verlässlich zu sein. (Bild: Ian Forsyth/Getty)

Sarah Coppola-Weber

Neulich hat sich Christa Rigozzi die Namen ihrer Zwillingsmädchen Alissa und Zoe in den Unterarm stechen lassen, vor ihr haben es unzählige Stars ebenfalls getan. Wie David Beckham, der die Namen seiner Kinder auf dem Rücken trägt. Oder Schlagersänger Stixi, der sich das Gesicht seines Sohnes Roy auf die Schulter tätowieren liess. Immer mehr «normalsterbliche» Eltern tun es ihnen gleich. Diskrete lassen die Initialen stechen, andere den ganzen Namen, teilweise kombiniert mit einem Symbol, dem Sternzeichen, Geburtsdatum oder gar dem Porträt: «Ich möchte meine Kinder immer bei mir haben», sagt Zuzana Weber über ihr Porträt-Tattoo. Der dreifachen Mutter haben Tattoos schon immer gefallen, mit 18 hat sie sich das erste stechen lassen, ein Ornament. «Ich habe die Tattoos meiner Kinder für mich machen lassen und nicht, um sie anderen zu zeigen.» Sie seien daher an eher «unsichtbaren» Stellen. Trotzdem werde sie in der Badi manchmal darauf angesprochen. Ihre eigenen Kinder finden die Porträts lustig, ihre Verwandtschaft indes gar nicht.

In den Sommerferien auf Kuba hat sich Nicole Brägger-Tschofen die Namen ihrer beiden Buben in einer Spontanaktion auf den Arm tätowieren lassen: «Sie sind mein eigenes Blut.»

Schwangerschaftsstreifen sind Tattoo genug

Die Reaktionen fallen allerdings nicht nur positiv aus: Gegnerinnen von Namenstattoos behaupten, sie hätten die Namen ihrer Kinder bereits «im Herzen tätowiert», für andere sind Schwangerschaftsstreifen Tattoo genug und viele sehen den Sinn der Sache nicht.

«Es geht darum, etwas zu bezeichnen und damit festzuhalten», sagt Psychotherapeutin Verena Rutz. Für viele sei das Tattoo ein Versprechen, verlässlich zu sein. Oft seien damit Wünsche nach Halt, fixen Werten und Gewissheiten verbunden. Ein Phänomen, das zur heutigen Gesellschaft passt: Der Wunsch nach einer eigenen Identität und der Wunsch, das Glück möge nie zerschellen. Damit wird eine Selbstverpflichtung ausgedrückt, aber auch Stolz, für jemanden wichtig und zuständig zu sein. Verena Rutz spinnt den Faden weiter: «Der tiefere Sinn liegt darin, dass mit Hilfe des Tattoos die Sehnsucht nach Sinn und Kontinuität gestillt wird.» Eine Kontinuität, die angesichts der hohen Scheidungs- und Trennungsraten oft gefährdet ist oder verloren geht.

Suche nach Halt und Orientierung

Doch welche Art von Menschen entscheidet sich für ein Namenstattoo? «Menschen, denen Gespräche und innere Dialoge zu wenig Sinn und Halt geben, ergänzen diese durch die Körperzeichnung», sagt Verena Rutz. «Die Tätowierung hilft ihnen im Umgang mit der Komplexität des Lebens. Sie verweist darauf, dass das Kind Ziel ihres Strebens ist.» Tätowierungen sind mehr als ein modisches Accessoire: Es sind Wunschbilder, wie es für die Matrosen des 18. Jahrhunderts das freie Leben in der Südsee war.

Zusammengehörigkeit, Liebe und Zunei­gung: Das soll ein Namenstattoo laut Studio-Inhaberin Jennifer Gasser ausdrücken. Die betreffenden Mütter und Väter seien zwischen 23 und 55 Jahren alt. Der Name ihrer Kleinen soll dezent gestaltet sein, und oft wird er mit einem kleinen Stern, Vogel oder Schmetterling kombiniert. Eine Mutter liess sich ein Räupchen und einen Schmetterling stechen, für ihren Sohn, der sich durch die Geburt symbolisch von der Raupe zum Schmetterling gewandelt habe: «Den Namen würde ich nicht stechen lassen, ich weiss ja, wie mein Kind heisst.»

Eine andere Mutter hat die Initialen ihrer Kinder und ihres Mannes in Morseschrift auf den Finger stechen lassen und die Initialen ihrer Eltern und ihres Bruders über dem Knöchel: «Ich bin stolz auf Familie.» Manche lassen auch die Namen der Enkel auf ihrem Körper verewigen. Eine kritische Zeitgenossin denkt einen Schritt weiter und fragt sich: «Was, wenn meine Schwiegermutter den Namen meines Mannes tätowiert hätte? Mir würde ein Schauer den Rücken hinunterlaufen.»

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