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TROPHÄENJAGD: Jagd auf Elefanten und Löwen kann zum Naturschutz beitragen

Die Empörung über Trophäenjäger, die Löwen und Elefanten schiessen, ist gross – ein grausames Relikt aus der Kolonialzeit. Forscher schlagen nun ein Zertifizierungssystem für eine nachhaltige Trophäenjagd vor.
Juliette Irmer
***EXCLUSIVE*** ZIMBABWE - 2009: David Barrett with an elephant he shot dead in 2009 in Zimbabwe. It is one of the most controversial sports on the planet, but now a British big game hunter has broken out from the closed community to defend the trade. Meet David Barrett, a 55-year-old former civil servant, who has spent the past 14 years travelling the world hunting big game animals. With a trophy room full of prized kills, his intense passion for hunting is plain to see. David has killed over 300 animals including three elephants in Zimbabwe, one hippo in Mozambique and 14 buffalo. Next year he will travel to Africa to hunt his FOURTH elephant. But unlike most hunters who do not discriminate between their prey, David lives by a strict moral hunting code. Hunting only animals that he eats, he argues those who eat meat but profess anti-hunting views are hypocritical. Hunting only Problem Animal Control (PAC) elephants that destroy crops and kill villagers, David says western hunters are vital to the villagers and local communities in countries like Zimbabwe. Paying up to $10,000 DOLLARS for an elephant kill, he argues there are financial benefits for the local population - and in some cases much needed food. PHOTOGRAPH BY Barcroft Media /Barcoft Media via Getty Images (Bild: Getty)

***EXCLUSIVE*** ZIMBABWE - 2009: David Barrett with an elephant he shot dead in 2009 in Zimbabwe. It is one of the most controversial sports on the planet, but now a British big game hunter has broken out from the closed community to defend the trade. Meet David Barrett, a 55-year-old former civil servant, who has spent the past 14 years travelling the world hunting big game animals. With a trophy room full of prized kills, his intense passion for hunting is plain to see. David has killed over 300 animals including three elephants in Zimbabwe, one hippo in Mozambique and 14 buffalo. Next year he will travel to Africa to hunt his FOURTH elephant. But unlike most hunters who do not discriminate between their prey, David lives by a strict moral hunting code. Hunting only animals that he eats, he argues those who eat meat but profess anti-hunting views are hypocritical. Hunting only Problem Animal Control (PAC) elephants that destroy crops and kill villagers, David says western hunters are vital to the villagers and local communities in countries like Zimbabwe. Paying up to $10,000 DOLLARS for an elephant kill, he argues there are financial benefits for the local population - and in some cases much needed food. PHOTOGRAPH BY Barcroft Media /Barcoft Media via Getty Images (Bild: Getty)

Juliette Irmer

Der Löwe Cecil erlangte traurige Berühmtheit: Er wurde 2015 von einem amerikanischen Zahnarzt erschossen – obwohl er von Forschern mit einem Sendehalsband ausgestattet war und im Hwange-Nationalpark in Simbabwe lebte. Sein Tod löste weltweit massive Proteste über die unethischen Praktiken der Trophäenjagd aus. Als Folge verboten einige Länder, etwa Australien und Holland, die Einfuhr von Trophäen wie Stosszähnen, Haut und Kopf. Eine Massnahme, welche die Jagdindustrie empfindlich trifft.

Etliche Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten, Pro Wildlife und auch der Nabu fordern auch für Deutschland und Österreich ein pauschales Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, denn Cecil sei kein Einzelfall und die Trophäenjagd ein grausames Relikt aus der Kolonialzeit. Doch die Weltnaturschutzunion IUCN und zahlreiche Wissenschafter warnen davor, die Trophäenjagd grundsätzlich zu verdammen und empfehlen, Einfuhrverbote gut abzuwägen: «Unter bestimmten Bedingungen kann die Trophäenjagd zum Naturschutz beitragen», sagt auch Thomas Wanger, Wissenschafter an der Universität Göttingen.

Wanger und seine Kollegen haben ein Zertifizierungssystem für eine nachhaltige und ethisch vertretbare Trophäenjagd vorgeschlagen. Die Forscher plädieren für einen Standard wie zum Beispiel das MSC-Siegel für die nachhaltige Nutzung von Fisch: «So könnten sich Jäger zunehmend für zertifizierte Jagdpakete entscheiden und diese mit einem höheren Preis honorieren. Dadurch zwingen sie andere Jagdanbieter, ebenfalls gute Jagdpraktiken anzuwenden, um im Geschäft zu bleiben», sagt Wanger.

Eine der wenigen Erhebungen zum grünen Gewissen der Jägerschaft zeigt: 86 Prozent der Jäger waren eher bereit ein Jagdpaket zu kaufen, das der lokalen Bevölkerung zugutekommt und bis zu 99 Prozent der Jäger wollen Jagdanbieter unterstützen, die ökologisch wirtschaften. Die vorgeschlagenen Zertifizierungskriterien von Wanger sind streng: Eine Quotenregelung sichert den Bestand der Art, die lokale Bevölkerung muss eingebunden sein, die Tiere dürfen nicht angefüttert werden. Weiter dürfen keine dominanten Tiere erschossen werden – Cecil etwa war ein Rudelführer – stattdessen sollen Jäger ältere Tiere schiessen und Jagdmethoden wie das «canned hunting» werden strikt abgelehnt: Dabei lässt man Zuchtlöwen in eingezäunten Gehegen frei, um sie bequem zu erschiessen.

Der Wildschutz kostet viel Geld

Doch wie trägt Trophäenjagd nun zum Naturschutz bei? Was viele Menschen nicht ahnen: Wildschutz und Wildkontrolle in so weiten Räumen sind nicht nur mühsam, sondern auch teuer. Ein Extrembeispiel sind Nashörner, die im südlichen Afrika durch illegale Wilderei mittlerweile so bedroht sind, dass sie in manchen Ländern durchgehend bewacht werden müssen. Womit wir beim Hauptargument für die Trophäenjagd sind: Geld.

Naturschutz hat fast nirgendwo auf der Welt eine hohe Priorität und ist entsprechend chronisch unterfinanziert. Und Jäger sind nun einmal bereit, hohe Summen für ihr Hobby zu bezahlen. So kostet der Abschuss grosser Antilopenarten wie Kudu oder Oryx zwischen 1000 und 2000 Euro, ein Büffel bis zu 20'000, und für ikonische Arten wie Löwen und Elefanten bezahlen Jäger bis zu 50'000 Euro.

Das Vorzeigebeispiel ist Namibia: Einheimische verwalten die Schutzgebiete, achten darauf, dass die Quoten eingehalten werden, und erhalten einen Grossteil der Einnahmen, womit wiederum Wildhüter bezahlt werden. «Die Ressource Wild hat durch die Bejagung einen Wert und das schafft Anreize, das Wild zu schützen», sagt Klaus Hackländer vom Institut für Wildtiermanagement der Universität Wien. Und wer mit Wildtieren Geld verdient, bewahrt auch ihren Lebensraum, statt das Land als Weidefläche für Rinder oder als Acker zu nutzen. Auf diese Weise wird das gesamte Ökosystem mit Insekten, Vögeln und Pflanzen geschützt. So führten mehrere Jahre währende Jagdverbote in Kenia, Tansania und Sambia zu einem Rückgang der Artenvielfalt, weil das Land aufgrund fehlender Einnahmen landwirtschaftlich genutzt wurde.

Geld kommt oft nicht bei der lokalen Bevölkerung an

Damit Trophäenjagd nachhaltig ist, muss sie allerdings kontrolliert stattfinden, und das Geld muss bei der lokalen Bevölkerung ankommen. Das ist allzu oft nicht der Fall, denn Missstände wie Korruption, überhöhte Abschussquoten und fehlende Transparenz und Kontrollen sind keine Seltenheit. «Werden gefährdete Arten gejagt, sendet das ein falsches Signal an die lokale Bevölkerung, was Massnahmen zur Erhaltung und Förderung solcher Arten behindern kann», sagt Roland Graf, Leiter der Forschungsgruppe Wildtiermanagement an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

«Es gibt Beispiele, wo Trophäenjagd Vorteile für die lokale Bevölkerung und die Wildtierpopulationen bringt. Und es gibt Gegenbeispiele. Zertifizierung könnte eine Lösung sein», so Wanger. Auch Hackländer sieht Schwierigkeiten: «Die lokale Bevölkerung muss an der Entwicklung des Verfahrens beteiligt sein. Eine Art Neokolonialismus, bei dem die westliche Welt afrikanischen Nationen vorschreibt, wie sie ihre Ressourcen nutzen sollen, ist nicht zielführend.»

Eine Alternative zur Jagd ist der Fototourismus. «Fotosafaris sind aber nur dort eine Alternative, wo Kunden leicht hinkommen etwa in Südafrika oder Botswana», so Hackländer. Vielen afrikanischen Staaten fehle aber eine gute touristische Infrastruktur und dann bleibe nur die Jagd.

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