UDO JÜRGENS: Mit 75 Jahren ist noch lange nicht Schluss

Drei Mal täglich eiskalt duschen, sagt Udo Jürgens schon seit Jahrzehnten, das halte ihn jung und fit. Und die Musik natürlich auch.

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Udo Jürgens begeisterte im Hallenstadion. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Udo Jürgens begeisterte im Hallenstadion. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Sie hält ihn bei bester Laune und erfüllt ihn immer wieder mit Tatendrang, verleiht ihm jene Ausstrahlung, die gestern Abend auch 10 000 Fans im ausverkauften Zürcher Hallenstadion geradezu fieberhaft ansteckte. Es war das Abschlusskonzert der jüngsten Tournee «Einfach ich» von Udo Jürgens. Rund 320 000 Fans in 63 Konzerten vermochte der 75-jährige Sänger, Komponist und Entertainer allein in seiner 22. Tournee zu mobilisieren, sechs Millionen Fans sahen ihn im deutschsprachigen Raum schon auf der Bühne - am Schluss wie immer im weissen Bademantel - triumphieren.

Applaus, Applaus!
Sein Triumphzug endete nun vorläufig in seiner Wahlheimat Zürich und wurde belohnt mit fröhlich mitsingenden Fans, Dutzenden von geschenkten Rosen auf der Bühne und minutenlangen, stehenden Ovationen. Soll es das von dem Mann, dessen Tonträger Weltweit schon weit über 100 Millionen Mal verkauft wurden, gewesen sein? «Nein, nein», erklärte Jürgens vor dem Konzert. «Ich schliesse es nicht aus, dass es weitere Alben oder Tourneen von mir geben wird. Das sind aber nicht meine nächsten Pläne.» Geht Udo («Mit 66 Jahren, da ist noch lange nicht Schluss») also doch langsam in den Ruhestand?
Von wegen! Der Mann, der seit 37 Jahren mit seinem Schweizer Starmanager Freddy Burger sowie mit seiner Schweizer Erfolgsband um Pepe Lienhard zusammen arbeitet, steckt nach wie vor voller Tatendrang. Drei Projekte, verriet Jürgens, stehen im neuen Jahr an:
o Der neue Fernsehfilm «Der Mann mit dem Fagott» soll gedreht werden. «Gerade in der heutigen Zeit muss man damit rechnen, dass am Schluss mit der Finanzierung alles in die Hose geht», sagt Jürgens. Und beruhigt: «Aber es sieht ganz so aus, dass alles funktioniert.» o Weiter plant Jürgens die musikalische Weltaufführung von «Die Krone der Schöpfung» mit einem grossen Sinfonieorchester. «Es ist ein dreisätziges Stück mit Rock und sinfonischer Musik, das ich in den letzten Jahren geschrieben habe», erklärt Jürgens. «Das ist ein wirklich grosses Projekt, an dem ich schon lange dran bin.» o Nach seinem Buch «Der Mann mit dem Fagott» stellt sich Jürgens nächstes Jahr schliesslich mit seiner österreichischen Co-Autorin Michaela Moritz einer weiteren Literatur-Aufgabe. «Ein Buch mit Kurzgeschichten wir erscheinen», erzählt Jürgens. «Schreiben hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Komponieren, ist aber trotzdem etwas anderes. Das macht grossen Spass!»

Süchte wecken - Sehnsüchte!
Udo Jürgens - kaum trat er gestern Abend in seinem Kult- Bademantel von der Bühne seiner letzten Tournee ab, stellt er sich schon wieder neuen Aufgaben. Platin in Österreich und Gold in Deutschland für sein «Best Of»-Album, sechs Millionen TV-Fans bei seiner 75-Jahr-Spezialsendung (ZDF, ORF und SF1) und über eine Million Zuschauer in seinem Musical «Ich war noch niemals in New York» in Hamburg (2010 auch in Stuttgart und Wien) - niemals könnte Jürgens auf den Erfolgen, die er allein in diesem Jahr erzielte, ausruhen. «Es geht immerfort weiter», sagt das Perpetuum Mobile der Musik. Er glaube, die Welt nicht verändern zu können. «Aber», so Jürgens, «ich kann Sehnsüchte erzeugen. Dafür sind Künstler zuständig. Und wenn die Sehnsucht stark genug ist, fällt jede Mauer.» Udo Jürgens - der bescheidene Visionär. Welch ein grossartiges Vorbild!

André Häfliger/Zürich