UNESCO WELTERBE: Prominenz eröffnet Info-Portalsystem

Freude herrschte gestern in Kandersteg: Feierlich und mit viel Prominenz wurde nämlich das Portalsystem des Unesco-Weltnaturerbes Jungfrau-Aletsch eröffnet.

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Heiner Geissler, Evelyne Binsack und Adolf Ogi (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Heiner Geissler, Evelyne Binsack und Adolf Ogi (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Vorerst stehen im acht Jahre alten, ersten Naturerbe der Schweiz vier von insgesamt 25 geplanten, voll digitalisierten Informationssystemen zur Verfügung.

«Dieses Infosystem eignet sich hervorragend dazu, das unschätzbar schöne Alpengebiet der Bevölkerung und natürlich auch den vielen Touristen näher zu bringen», erklärte Adolf Ogi, der Präsident des Patronatskomitees. «Dieses neue Angebot hilft uns enorm», freute sich Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel, der Präsident des Stiftungsrates ist. «Acht Jahre nach der Unseco-Anerkennung kann dieses Erbe jetzt endlich richtig wahrgenommen werden.» Das Projekt kostet insgesamt rund zwei Millionen Franken und hat jährliche Unterhaltskosten von rund 120 000 Franken zur Folge.


Geisslers Wahlbarometer

Grund genug zu feiern: Mit 150 Gästen, folkloristischen Einlagen, einem Apéro und anschliessender Wanderung ins Gebiet des rund 1500 Meter hohen Oeschinensee-Gebietes. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger liess den Apéro aus – und lief schnurstracks hinauf zum See. Die Gäste liessen sich dann mit der neuen Sesselbahn hoch führen, liefen dann aber gemeinsam wieder runter nach Kandersteg. «Hier und in den Dolomiten wandere ich am liebsten», erzählte Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geissler, dessen Sohn Heinrich hier vor sechs Jahren nach drei Tagen aus einer Gletscherspalte gerettet wurde. «Ich wollte eigentlich wie mein Vater Geologe werden», erinnerte sich der Spitzenpolitiker, der im Herbst einen CDU-Wahlsieg und eine Koalition «entweder mit der FDP oder mit den Grünen» voraussagt.

Lokführer Ogi?

«Ich wollte Lokführer werden», gab Adolf Ogi zu, der diese Woche in London für den verhinderten Kofi Annan im Beisein von Tony Blair einen Preis des Fördervereins «Beyond Sport» entgegennehmen durfte. «Und ich Agronom», erzählte Ex-Spitzendiplomat Peter Arbenz. «Das hat jetzt mein Sohn Markusübernommen, der am 1. August in Bonn Chef einer internationalen Ernährungsorganisation wird.» Extrem-Bergsteigerin Evelyne Binsack schmunzelte ganz glücklich: «Ich hatte in der Schule Horror vor einem Bürojob – und strebte eigentlich immer nur nach meinem jetzigen Traumberuf.» Auch Benedikt Weibel hat unter vielem das erreicht, wovon er in seiner Jugend träumte: «Bergführer sein!»

Das Wandern verbindet
Wie stark und wie schnell Bergwandern verbindet, zeigten die Gespräche in der herrlichen Natur. Aus erster Hand orientierte sich Heiner Geissler bei Adolf Ogiüber den Aktenfall Tinner und sagte, die Schweiz hätte nach der «Kavallerie-Attacke» des deutschen Ministers Peer Steinbrück«einfach etwas gelassener reagieren» sollen. Dann wollte Geissler wissen, ob das Seerestaurant «da oben eigentlich immer noch alkoholfrei» sei. Ogi nickte und zeigte schmunzelnd auf eine Berghütte. «Da, in der Fründenhütte, war mal - als ich noch im Amt war - der Gesamtbundesrat zu Gast. Genau dort habe ich ihm eine zweistündige Ruhepause verordnet – und sogar Pascal Couchepin hielt sich daran!» Da erinnerte sich Geissler an «gute alte CDU-Zeiten mit gegen 50-Prozent-Wähleranteil», gut 20 Prozent mehr als jetzt. Und wie sich Helmut Kohl, zu dem er heute allerdings «keinen Kontakt» mehr hat, «masslos enervierte», als der Anteil mal unter 45 Prozent sank.

André Häfliger, Kandersteg