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UNIVERSITÄT: Eine Schenkung, um mehr Frauen zum Stillen zu bringen

Weltweit stillen nur 30 Prozent, obwohl Muttermilch entscheidend zur gesunden Entwicklung des Kindes beiträgt. Um die Stillrate zu erhöhen, schenkt eine Stiftung der Universität Zürich zehn Millionen Franken für einen Lehrstuhl.
Stillen hilft dem Kind. Bild: Fotolia (Bild: Fotolia)

Stillen hilft dem Kind. Bild: Fotolia (Bild: Fotolia)

Muttermilch ist das Beste für das Neugeborene. Der Kopf eines ­Babys wächst schneller als andere Organe, und für die Gehirnentwicklung müssen die richtigen Nährstoffe vorhanden sein – viele Proteine, und die sind in der Muttermilch in grosser Vielfalt enthalten. 1,4 Millionen Kinder sterben weltweit pro Jahr, weil sie nicht optimal gestillt werden. Die Stillförderung ist somit die wichtigste Massnahme gegen die Kindersterblichkeit. Die Substanzen in der Muttermilch beugen zudem Infektionen vor, einer der Haupteffekte des Stillens. Vor einem Jahr wurde in einer Studie aus Dänemark sogar festgestellt, dass vollgestillte Kinder langfristig generell intelligenter werden.

Trotzdem ist die Zahl der Mütter, die stillen, recht gering. «Die Stillrate liegt bei knapp 30 Prozent», sagt Katharina Lichtner von der Stiftung der ­Zuger Familie Larsson-Rosenquist, welche der Universität ­Zürich eine Schenkung von zehn Millionen Franken macht für eine Professur, die sich mit der Langzeitwirkung des Stillens beschäftigt – auch, um herauszufinden, warum 70 Prozent der Mütter das nicht tun.

Aus Gründen des Lifestyles

«Es ist schwierig zu sagen, wie viele nicht wollen oder nicht ­können», sagt Lichtner. «Im Rahmen der Evolution betrachtet, muss die Rate jener Frauen, die nicht stillen konnten, extrem niedrig gewesen sein», sagt die Geschäftsführerin der Stiftung. Ansonsten das Überleben der Menschen nicht möglich gewesen wäre. «Jetzt gilt es herauszufinden, ob sich das in der Moderne verändert hat.» Also auch wie viele zwar könnten, aber aus Lifestyle-Gründen aufs Stillen verzichten. Vielleicht weil Frauen zurück zur Arbeit wollen und es dort keine oder schlechte Möglichkeiten gibt, um zu stillen. Oder weil man gerne nach der Geburt wieder ein Glas Wein tränke, was Stillende dem Kind zuliebe unterlassen sollten.

Gemäss den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte zumindest während der ersten sechs Monate voll gestillt werden. Und die WHO möchte eine Stillrate von rund 50 bis 60 Prozent erreichen. Die Einsicht, dass Muttermilch gesund ist, werde allerdings nicht überall so wie bei uns geteilt, sagt Lichtner. «Es gibt Länder, in denen die Meinung vorherrscht, dass eine von Menschen zusammengesetzte künstliche Milch ­gesünder sei als Muttermilch. Zum Beispiel in China. Da kämpfen wir dagegen», sagt Lichtner. Oder in Afrika sei es ein Statussymbol, wenn man zu jenen gehöre, die sich Pulvermilch leisten könnten.

Vor zwei Jahren hat die Larsson-Rosenquist-Stiftung bereits mit 20 Millionen Franken den weltweit ersten Lehrstuhl für Muttermilchforschung an der Uni Zürich unterstützt. Die Stiftung wurde 2013 gegründet, um die Anerkennung von Muttermilch als beste Ernährung von Neugeborenen zu fördern. Die Familie Larsson produziert seit Jahrzehnten übrigens Milchpumpen für Stillende.

Die nun finanzierte Professur wird in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich untergebracht. Wirtschaft und Stillen bringt man im ersten Moment nicht so leicht zusammen, «und so etwas wäre vor zehn Jahren noch nicht möglich gewesen», sagt Wirtschaftsprofessor Ernst Fehr. Doch die Ökonomie habe sich gewandelt. Heute gehöre zur Wirtschaftsforschung, was Menschen gesund und glücklich mache. Und somit auch die Forschung zur Kinder- und Jugendentwicklung, in deren Rahmen der Schwerpunkt aufs Stillen gelegt werde. Die Professur werde im Herbst eine junge Professorin übernehmen, die in allen Disziplinen nach Fachleuten suchen werde. Zum Beispiel bei den Neurobiologen, die vielleicht die Konsequenzen des Stillens mit dem Hirnscanning von Kindern sichtbar machen könnten. Es gehe um Fragen, die nur interdisziplinär angepackt werden können. Eine solche Professur sei weltweit einmalig, welche die Forschung in der Medizin und der Wirtschaft kombiniere, sagt Uni-Rektor Michael Hengartner.

Bruno Knellwolf

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