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URHAI: Der Schrecken aus der Tiefe

Der Megalodon sei gar nicht ausgestorben, sondern nur in unentdeckte Tiefen der Ozeane geflüchtet. Das behaupten Kryptozoologen, und dies ist der Plot im neuen Film «The Meg». Im Sauriermuseum Aathal ist ein Fossil des Riesenhais zu sehen.
Bruno Knellwolf
Quelle: Sauriermuseum Aathal. (Bild: Grafik: jbr)

Quelle: Sauriermuseum Aathal. (Bild: Grafik: jbr)

Bruno Knellwolf

Dem Film «Jurassic Park» von Steven Spielberg geht eine hervorragende Idee voraus. Aus einer Mücke im Jahrmillionen alten Bernstein wird die DNA eines Dinosauriers entnommen, der von der Mücke gestochen worden ist. Aus der DNA werden neue Dinosaurier zum Leben erweckt und füllen vortan die Kinosäle. Da spielt keine Rolle, dass diese Methode im Labor nicht wissenschaftlich nachvollzogen werden konnte.

Nun taucht bald ein neuer furchterregender Zeitgenosse aus der Urzeit auf der Kinoleinwand auf: der Riesenhai Megalodon. Der seit zwei Millionen Jahre ausgestorbene Hai macht sich im Film «The Meg» über ein U-Boot her und bringt den Captain, gespielt von Action-Held Jason Statham, in Schwierigkeiten. Der Film nimmt eine Theorie auf, die Kryptozoologen immer wieder ins Spiel bringen, nämlich, dass sich der Riesenhai über die letzten zwei Millionen Jahre in den unentdeckten Tiefen der Meere versteckt habe. Der Haispezialist René Kindlimann schüttelt den Kopf.

Zehn Meter langer Megalodon

Sicher wissenschaftlich ist der reale Megalodon, der sei einigen Tagen im Sauriermuseum Aathal zu sehen ist. Natürlich nicht in Fleisch und Blut, sondern in Form eines Fossils. Dieser Riesenhai hat vor fünf bis zehn Millionen Jahren gelebt. Es ist weltweit der erste Fund eines Megalodon mit einer solch guten Erhaltung eines Skelett-Teils. «Dass man solche Teile findet, ist äusserst selten», sagt Kindlimann. Ein Haiskelett besteht aus elastischem Körpergewebe, welches nach dem Tod rasch zerfällt. Einzig die Haizähne überleben ansonsten die Jahrmillionen recht unbeschadet. Die Hai-Bezahnung und der schnelle Zahnwechsel mit dem Revolvergebiss sind einmalig im Tierreich und ermöglichen die Bestimmung der fossilen Funde. Bei diesem Megalodon aus dem Libanon sind die 37 grossen Haizähne denn auch besonders eindrücklich. Wegen der Seltenheit ist aber vor allem der Schädel aussergewöhnlich, der bei Haien aus Knorpel besteht. Zwar gehören zu diesem fossilen Megalodon-Fund auch Wirbel, doch sind das nach Kindlimann nicht jene des Riesenhais, sondern stammen wohl von der Wirbelsäule eines Beutetiers, welche das von Sand und Schlamm zugedeckte Tier im Magen mittrug.

Vom Ur-Hai weiss man gemäss dem Direktor des Sauriermuseums, Köbi Siber, erst ungefähr seit 1980. Damals stellte ein Forscher aufgrund des Funds riesiger Haifischzähne ein erstes Gebiss eines Megalodon zusammen, worauf die Existenz des Riesenhais um die Welt ging. Der in Aathal ausgestellte Fund stammt von einem deutschen Privatsammler und wird im Sauriermuseum erstmals für ein paar Monate gezeigt. Danach geht der rund zehn Meter lange Megalodon auf Welttournee in die USA und nach Japan.

Zu Lebezeiten war der Megalodon auf grosse Beute aus, auf junge Wale und Riesenschildkröten. «Er war ein effizienter Verdauer, der seine Beute langsam verwerten konnte», sagt der Haispezialist. Haie und Rochen sowie die mit ihnen verwandten Chimären und Seekatzen werden als Knorpelfische bezeichnet. Sie gehören stammesgeschichtlich mit einem Alter von 450 Millionen Jahren zu den ältesten und erfolgreichsten aller Tiergruppen, wie Kindlimann erklärt. Die Fossilien der Knorpelfische finden sich nahezu weltweit in Meeressedimenten sowie in Fluss- und Seeablagerungen. Die Fossilien der Haie, Rochen und Chimären in der Ausstellung im Sauriermuseum stammen denn auch aus verschiedenen Regionen der Welt.

Der Megalodon war der Top-Räuber unter den Haien und ein Oberflächen­jäger. Im eher seichten Gewässer lauerte der Megalodon jungen Walen auf. Deshalb hält Kindlimann die Idee der Kryptowissenschafter, der Megalodon könnte sich in den Tiefen der Ozeane versteckt haben, für unsinnig. «Es gibt keine Tiefwasserhaie. Nur wenige Arten, etwa die Dornenhaie, tauchen bis auf höchstens 2000 Meter hinunter und fressen dort Aas», sagt Kindlimann.

Warum der Megalodon verschwunden ist, weiss man nicht. Bei Eiszeit-Bedingungen veränderten sich die Ozeane stark. Die Wale zogen nach Norden, weil sie nun dort ihre Nahrung fanden. Bei dieser Wanderung konnte der Megalodon vielleicht nicht mithalten, die Nahrungsquelle versiegte. Ein weiterer Grund für das Verschwinden könnte die immer stärker werdende Konkurrenz des Weissen Hais gewesen sein, der auch ungefähr vor zehn Millionen Jahren entstanden ist. Daran werde noch geforscht.

Tausende von fossilen Haizähnen zu Hause

Kindlimann hat Tausende von Haizähnen gefunden und sammelt diese zu Hause. Bald wird er dafür ein eigenes kleines Museum gleich neben dem Sauriermuseum eröffnen. Er kümmert sich allerdings nicht nur um fossile Knorpelfische. «Haie gehören zu den wichtigsten Faktoren im Ökosystem», sagt er. Heute sind ungefähr 460 Hai-, 630 Rochen- und 50 Chimären-Arten bekannt. Diese Zahlen sind nicht endgültig, da immer wieder neue Arten bekannt werden. Haie hält er für faszinierende Tiere, deren Sinneswahrnehmung hoch entwickelt ist. Ihr stromlinienförmiger Körper minimiert den Wasserwiderstand und ist optimal an das Leben im offenen Gewässer und in küstennahen Bereichen angepasst.

Doch Haie sind in Gefahr. Gerade der Weisse Hai wird immer seltener gesehen. Zu seinem ungerecht schlechten Image habe der Kultfilm «Der Weisse Hai» aus den 1970er-Jahren entscheidend beigetragen. Menschen hätten danach ihre Abflusslöcher im Lavabo zugestopft, aus Angst vor Haien. Statistiken von Hai-Angriffen zeigten vor allem eines. Die meisten sterben, weil sie wegen der Furcht vor dem Tier in Panik geraten und ertrinken, nicht weil sie gebissen werden, erzählt der Veranstalter zahlreicher Hai-Ausstellungen. Er hofft nun, dass der Film «The Meg» dem Hai nicht wieder dermassen schade.

Hinweis

Sonderausstellung: Haie der Urmeere – Megalodon und die grössten Haie aller Zeiten. Sauriermuseum Aathal bis Ende Januar 2019.

Gut zu sehen ist die riesige Schädeldecke (links) des Megalodon. (Bild: Kn.)

Gut zu sehen ist die riesige Schädeldecke (links) des Megalodon. (Bild: Kn.)

Megalodon-Gebiss in Aathal. (Bild: PD)

Megalodon-Gebiss in Aathal. (Bild: PD)

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