URI GELLER: Mit fünf Jahren verbog er den ersten Löffel

Hat Uri Geller wirklich aussergewöhnliche Fähigkeiten, oder ist er ein raffinierter Trickser? Der Israeli selber meint, die Antwort sei gar nicht so wichtig. Am Dienstag wird er 70 Jahre alt.

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Typischer Auftritt von Uri Geller mit seinem berühmtesten Trick.

Typischer Auftritt von Uri Geller mit seinem berühmtesten Trick.

Sein wohl berühmtester Trick: Er nimmt den Teelöffel in die Hand und reibt langsam den Stiel. «Hier, es passiert!», ruft er nach ein paar Momenten mit dramatischem Unterton. Und zeigt dann mit einem breiten Lächeln den Löffel aus rostfreiem Stahl vor. Und in der Tat: Er ist am Stiel fast rechtwinklig verbogen.

Ein Einzelkind nach acht Abtreibungen

Ob himmlische Begabung oder Trick: Geller, der in Tel Aviv unter ärmlichen Bedingungen aufgewachsen ist, ist ein reicher und weltberühmter Mann geworden. «Der erste Löffel verbog sich in meiner Hand, als ich fünf Jahre alt war», behauptet er. «Völlig spontan, ohne dass ich irgendetwas getan hätte.»

Gellers Kindheit ist schwierig. Seine Mutter lernt seinen Vater auf der Flucht vor den Nazis in Budapest kennen, später kommen beide ins damalige Palästina. Die Ehe steht unter keinem guten Stern. «Mein Vater wollte keine Kinder, und er zwang Mutter acht Mal zu Abtreibungen», sagt Geller. Er war das neunte Kind. Die Eltern lassen sich scheiden, als Uri zehn ist.

Ein Jahr später folgt seine Mutter ihrem Geliebten, einem ungarischen Juden, der auf Zypern ein Hotel betreibt. «Viele israelische Spione wohnten dort, wenn sie Einsätze in arabischen Ländern planten», erinnert sich Geller, der damals erste Verbindungen zu Israels Auslandsgeheimdienst Mossad knüpft. Man habe ihn später rekrutiert, um seine «telepathischen Fähigkeiten zu nutzen», sagt Geller.

Als Fallschirmjäger in der israelischen Armee erleidet er im Sechstagekrieg 1967 eine Schussverletzung. Kämpfe um Jerusalem lösen bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung aus, weil er einen jordanischen Soldaten erschiesst. Später entwickelt er sich zum Waffennarr. «Als ich nach New York kam, kaufte ich acht Pistolen.» Sein grösster Antrieb für den Erfolg: «Dass meine Mutter nicht mehr als arme Kellnerin oder Schneiderin arbeiten muss.»

Bulimie und Spiritualität

Geller wird zum Superstar, der mit Besteckverbiegen und dem Anhalten oder Reparieren von Uhren international Aufsehen erregt. 1972 geht er nach München. «Die Deutschen waren verrückt nach mir.» Unter dem Karrieredruck entwickelt Geller eine Bulimie. Ex-Beatle John Lennon rettet ihn, als er ihn Ende der Siebziger nach Japan schickt, um «seine Spiritualität zu suchen».

Im deutschen Fernsehen ist er bei der Uri-Geller-Show und «The next Uri Geller» (2008) zu sehen, doch die Reaktionen sind eher negativ. Geller dazu: «Hauptsache, man redet über mich. Gerade die Skeptiker haben mich zu einer Legende gemacht.»

Sara Lemel, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch