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URTEIL: Suizidversuch mit Auto: fünfeinhalb Jahre für Unfallfahrer

Ein Mann aus dem Wallis starb bei einem Suizidversuch eines Franzosen. Ein Gericht hat letzteren jetzt verurteilt.
Kari Kälin
Dieser verhängnisvolle Unfall im Wallis war ein Suizidversuch. (Bild: PD (Münster, 9. August 2015))

Dieser verhängnisvolle Unfall im Wallis war ein Suizidversuch. (Bild: PD (Münster, 9. August 2015))

Kari Kälin

Der zweifache Familienvater aus dem Kanton Wallis, unterwegs in einem Opel Antara, hatte keine Chance. Auf einer langen Gerade in Münster prallte am Abend des 9. Augusts 2015 ein Auto frontal in ihn. Der Insasse lenkte seinen Renault Clio mit 80 bis 90 Stundenkilometern absichtlich in den Opel – weil er sich umbringen wollte. Während der Walliser starb, überlebte der suizidwillige Franzose schwer verletzt.

Gestern hat das Kreisgericht Brig den 33-jährigen Unfallverursacher wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Strafe von fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Zudem muss sich der Mann, der beim Tatzeitpunkt unter einer schweren Depression litt, einer ambulanten Therapie unterziehen. Das Gericht folgte nur in Teilen dem Antrag der Staatsanwältin. Diese hatte beim Prozess am vergangenen Mittwoch zwar ebenfalls eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung gefordert, verlangte aber, wegen Schuldunfähigkeit eine stationäre Massnahme anzuordnen. Das hätte bedeutet, dass der Franzose die ganze oder einen Teil seiner Strafe in einer Therapieanstalt hätte verbüssen müssen. Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten hatte dem Unfallverursacher, gezeichnet von jahrelangem übermässigem Alkoholkonsum und Cannabismissbrauch, volle Schuldunfähigkeit attestiert. Das Kreisgericht Brig kam aber zum Schluss, dass der Franzose nur vermindert schuldfähig war, dass er also noch teilweise fähig war, die Folgen seines Handelns abzuschätzen. So fuhr der Unfallverursacher etwa absichtlich in ein grosses Fahrzeug.

Ausserdem war er am Tag des Unfalls noch im Stande, Hunderte von Kilometern im Auto zurückzulegen. Und schliesslich hegte er bereits am Tag zuvor, als er in Genf die Schweizer Grenze überquerte, Suizidgedanken.

Der Franzose muss den Angehörigen des Opfers eine Genugtuungssumme von insgesamt 120 000 Franken entrichten. Die grösste Summe, je 25 000 Franken, sprach das Gericht den beiden Kindern zu. Der Anwalt der Opferfamilie zeigte sich zufrieden mit dem Urteil.

Anwalt forderte Freispruch

Das Leben des Franzosen war in den Monaten vor dem Suizidversuch aus den Fugen geraten. Nach der Trennung von seiner Freundin gab er seinen Job bei der französischen Post auf. Die psychischen Probleme akzentuierten sich. Der Anwalt des Franzosen, der vor Gericht Reue zeigte und sich bei den Angehörigen entschuldigte, plädierte für einen Freispruch. Ob der Verurteilte das Urteil des Kreisgerichtes Brig anfechten wird, ist noch offen.

Seit dem 11. August 2015 befand sich der Franzose in Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Diese Zeit wird ihm angerechnet, sodass von den fünfeinhalb Jahren Haft noch gut drei Jahre abzusitzen bleiben. Gegen die Verlängerung der Untersuchungshaft hatte sich der Mann bis vor Bundesgericht gewehrt.

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