USA: Museum zur Entstehung der Welt – Ein Disneyland für Darwin-Gegner

Die Evolutionstheoretiker haben Unrecht, demonstriert das Creation Museum in den USA. Für 100 Millionen Dollar hat das Museum gar die Arche Noah nachbauen lassen.

Sabine Mezler/Petersburg (usa)
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Die Figuren von Adam und Eva im Kreationisten-Museum. (Bild: Jim Lo Scalzo/Keystone (Petersburg, 3. Juli 2016))

Die Figuren von Adam und Eva im Kreationisten-Museum. (Bild: Jim Lo Scalzo/Keystone (Petersburg, 3. Juli 2016))

Sabine Mezler/Petersburg (USA)

Der Garten Eden liegt in Kentucky, die Arche Noah auch. Und beide haben dieses Jahr etwas zu feiern: das Paradies im Kreationisten-Museum sein zehnjähriges Bestehen und das biblische Schiff – ein über 155 Meter langer, 100 Millionen Dollar teurer Nachbau der Arche – sein erstes richtiges Geschäftsjahr. Geschaffen wurden beide Attraktionen, gern auch als Disneyland für Darwin-Gegner bezeichnet, von der AIG, der «Answers in Genesis», einer Evangelisten-Gemeinschaft unter der Führung von Ken Ham, die alle Antworten in der Schöpfungsgeschichte sieht und die Bibel wörtlich nimmt. Kreationisten haben in den USA viele Anhänger. Nach einer aktuellen Umfrage glauben mehr als 40 Prozent der Amerikaner nicht an den Urknall, sondern daran, dass Gott vor 6000 bis 10 000 Jahren die Erde und den Menschen erschaffen hat.

Um ihre Ansichten zu zementieren, schafft die AIG mit grossem Aufwand Orte, die ihre Sicht der Welt vermitteln und die Menschen vor den vermeintlichen Irrlehren der Evolutionstheorie bewahren sollen. 2007 eröffnete die Organisation ihr Kreationisten-Museum in Petersburg, um einen «Gegenpol zu den evolutionsgeschichtlichen Ausstellungen zu bilden, die den Geist gegen die Heilige Schrift und Jesus Christus, den Erschaffer des Universums, verdrehen», so der Originalton. 27 Millionen US-Dollar liess es sich die Gemeinde kosten.

Als Ausstellungsdesigner konnte Patrick Marsh gewonnen werden, der auch schon die «King Kong»- und «Weisse Hai»- Ausstellungen in den Universal-Studios inszeniert hat. Bereits in der Eingangshalle beeindruckt das riesige Mammutskelett, das die Besucher begrüsst. In der Ausstellung nehmen einen die Bilder der grossen amerikanischen Canyons mit in die Welt der Kreationisten. Die Informationstafeln beginnen mit dem Satz «Häufig wird gelehrt, dass ...», um den Besucher dann über die Fehlerhaftigkeit solcher Lehren zu informieren. Dazu gehört zum Beispiel die Theorie, dass die Canyons durch Jahrmillionen an Erosion entstanden seien. Was nicht sein kann: Da Gott die Erde erst vor 6000 Jahren erschuf, dürfen die Canyons nicht so lange gebraucht haben. Aber das mussten sie auch gar nicht: Denn statt durch eine Unzahl kleinerer, lokaler Fluten entstanden sie alle durch die grosse Sintflut, mit der Gott in einem Abwasch die Menschheit strafte, die Canyons formte und auch gleich die Kontinente neu ordnete.

Auf dem weiteren Weg erfährt der Besucher höchst plakativ, wohin es führt, wenn man vom rechten Pfad abweicht – in urbane Vorhöllen mit Graffiti, Flackerlicht und schrillen Polizeisirenen – und worin der Grund allen Übels zu finden ist – im blumig inszenierten Sündenfall mit roter Plastikschlange, Adam und Eva. Und eben jenem Apfel, der die Welt von einem vegetarischen Paradies zu einer räuberischen Umgebung gemacht hat, wie der animierte Dinosaurier mit dem blutverschmierten Maul und das arme tote Tier zu seinen Füssen schaurig verdeutlichen.

Wissenschaftlern graust vor Museum

Das Museum lässt Wissenschaftler erschauern. Einer davon ist Glenn Branch, stellvertretender Direktor des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Erziehung, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Integrität der wissenschaftlichen Lehre gegen ideologische Einflüsse zu verteidigen. «Aus unserer Sicht ist das genauso falsch, wie Schulkinder verpflichtend in den Gottesdienst einer bestimmten Konfession zu schicken», erklärt er, warum ein Besuch des Museums nicht nur keinen Beitrag zur Wissensvermittlung leiste, sondern durch das Schaffen von Zweifeln an der Wissenschaft auch echten Schaden anrichten könne.

1,2 Millionen Menschen haben das Museum seit der Eröffnung besucht. Mit dem gigantischen Schwesterunternehmen The Ark Encounter sollen nun eine neue Attraktion geschaffen und neue Besucherströme in das strukturschwache Kentucky gelockt werden – was zu funktionieren scheint: Auf über 40 000 werden die Besucher des neuen Megaprojekts in den ersten Monaten beziffert. Und der politische Wechsel in den USA könnte für neuen Zulauf sorgen. Kein Geringerer als der neue Vizepräsident Mike Pence hatte sich im Jahr 2002 im Kongress noch von der Evolutionslehre distanziert.