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USA: Neue Verwandte auf der ganzen Welt

Millionen Amerikaner machen sich per DNA-Tests auf die Suche nach ihren Vorfahren. Sie entdecken dabei ihre Wurzeln rund um den Globus – und erleben manche Überraschung.
Sabine Mezler, Atlanta
DNA-Analyse: Ein Mann bei einem Wangenabstrich. (Symbolbild: LZ)

DNA-Analyse: Ein Mann bei einem Wangenabstrich. (Symbolbild: LZ)

Sabine Mezler, Atlanta

Sie waren der Renner des amerikanischen Weihnachtsgeschäfts: Sogenannte DNA-Kits konnten teils bis zu 800-prozentige Verkaufssteigerungen erzielen. Sie verheissen per DNA-Analyse Antwort auf die grosse Frage «Wo komme ich her?» und können dieses Versprechen auch durchaus halten. Denn die Technologie macht es heute nicht nur unkompliziert mittels Wattestäbchen und Plastikröhrchen möglich, sondern auch leistbar. Die Datenbanken der verschiedenen Anbieter wie Marktführer Ancestry.com, 23andme oder African Ancestry sind wohlgefüllt und vermitteln jede Menge Kontakte irgendwie miteinander verwandter Menschen auf allen Kontinenten. «Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem nicht ein E-Mail kommt, das anzeigt, dass jemand Neues auf unserem Familienbaum aufgetaucht ist», freut sich Debora Toth aus New York State. Die Amerikanerin hatte schon seit Jahrzehnten begeistert Ahnenforschung betrieben, seit ein paar Jahren hat das Unterfangen aber durch die Möglichkeiten des Internets und jetzt der DNA-Tests rapide an Fahrt gewonnen.

Das bescherte Toth und ihrem Ehemann Donald schon vor vier Jahren ein E-Mail aus Hamburg, in dem sich Donalds Cousine Elke Werner aus dem deutschen Hoya meldete, die durch Ancestry auf den amerikanischen Zweig der Familie gestossen war. Mittlerweile hat man sich gegenseitig besucht, und ein fast 100 Jahre altes Familienfoto, das einst von den frisch angekommenen Auswanderern an die zurückgebliebenen Lieben in Hamburg geschickt worden war, steht jetzt wieder in einem amerikanischen Wohnzimmer. «Durch die neuen DNA-Tests hat noch einmal eine ganz neue Ära begonnen», schwärmt die Amerikanerin.

Datenschutz ist kaum ein Thema

Denn im Preis der Test-Kits – die grob zwischen 50 und 100 US-Dollar (49 bis 98 Franken) liegen – sind nicht nur Tortendiagramme enthalten, die aufzeigen, wie gross der Anteil schottischer, ghanaischer oder indigener amerikanischer Vorfahren laut der getesteten DNA ist. Sondern auch die Möglichkeit, sich online mit seinen Ergebnissen zu registrieren und – gegen jährliche Gebühren – potenzielle Verwandte einzuladen, Kontakt aufzunehmen. Eine Idee, die manchem Datenschützer den Schweiss auf die Stirn treibt, potenzielle Ahnenforscher aber nicht sehr beunruhigt, wie eine Umfrage von 23andme zeigt: So haben zwar 88 Prozent der Befragten Datenschutzbedenken, allerdings seien diese nur für 17 Prozent ein Grund, nicht mitzumachen – und inzwischen haben allein bei Ancestry.com über sechs Millionen Menschen ihre DNA abgegeben. Für passionierte Ahnenforscher wie Debora Toth ist das Ganze überhaupt kein Thema: «Wenn man Ahnenforschung betreibt, muss man einfach neugierig sein», wischt sie entsprechende Bedenken weg.

Neue Cousins, alte Traditionen

Die Motive, die dabei auch bisher an Ahnenforschung kaum Interessierte bewegen, sind so unterschiedlich wie die Ergebnisse. «Ich war einfach neugierig, und die Kits gab es zum halben Preis», erinnert sich Amy Ferman-Slakman lachend an ihre Beweggründe. Und ihre Neugier wurde nicht enttäuscht: «Dass ich zu 91 Prozent jüdisch-europäische Vorfahren aus Russland, Deutschland und Polen hatte, war mir klar», erzählt die Künstlerin und Stylistin. «Aber dass ich auch asiatische Wurzeln habe und auch ein kleiner Prozentsatz auf Aborigines unter meinen Vorfahren verweist, finde ich unglaublich spannend.»

Für einen Teil der US-amerikanischen Bevölkerung hat die Möglichkeit, sich auf die Suche nach den Vorfahren zu machen, Bedeutung weit über die Neugier hinaus: Für die afroamerikanische Community ergibt sich dadurch erstmals die Gelegenheit, etwas über die Herkunft ihrer Vorfahren vor der Zeit des Sklavenhandels zu erfahren. «Wie viele andere Afroamerikaner wusste ich natürlich, dass wir aus Westafrika stammen», berichtet Tashiba Scott. Jetzt hat sie herausgefunden, dass sie vom Volk der Mende abstammt. Und sie ist mächtig stolz darauf.

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