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VALENTINSTAG: «Wir wollen Rambazamba»

Rahel Käslin verkauft mit Herzblut Blumen besonders viele am nächsten Samstag. Ein Gespräch über ein florierendes Metier, «Heuchlerbesen»-Käufer und Valentins-Verweigerer.
Am Valentinstag wird es in ihrem Geschäft «wie im Bienenhaus» zu- und hergehen: Rahel Käslin in der Bluemelaube in Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Am Valentinstag wird es in ihrem Geschäft «wie im Bienenhaus» zu- und hergehen: Rahel Käslin in der Bluemelaube in Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Interview Annette Wirthlin

Ich habe mal gelesen, dass Floristen die zufriedensten Berufsleute seien.

Rahel Käslin: Jawohl, das ist so!

Das kam jetzt mit voller Überzeugung!

Käslin: Ja, wir haben täglich mit so schönen Materialien zu tun und machen ständig Kunden glücklich. Wieso sollten wir da nicht zufrieden sein?

Wie viele Sträusse haben Sie heute schon gebunden?

Käslin: Schwer zu sagen. Ich zähle nicht mit. Heute werden es an die zehn gewesen sein.

Ihr Geschäft liegt gleich am Bahnhof Zug. Das ist sicher ideal punkto Laufkundschaft. Andererseits sind doch sicher viele gehetzt, weil gleich der Zug fährt ...

Käslin: Es kommt schon vor, dass ein Kunde ganz schnell auswählt, bezahlt und auf den Zug rennen muss. Das nehmen wir jeweils als sportliche Herausforderung: So packt die eine Mitarbeiterin ein, während die andere schon einkassiert. Aber es gibt auch hier viele Kunden, die sich gerne ausgiebig umsehen und explizit den Kontakt zum Fachpersonal suchen und alles sehr genau wissen wollen.

Wie steht es um die Blumenkenntnisse der heutigen Kundschaft? Kann das Gros Ihrer Kunden eine Gerbera von einer Gladiole unterscheiden?

Käslin: Manche, die zu Hause vielleicht einen Garten haben, kennen sich erstaunlich gut aus. Aber die meisten zeigen einfach auf etwas und wollen von uns wissen, was es ist.

Blumenläden haben für mich etwas Urtümliches, Bodenständiges. Da spürt man doch sicher kaum was von der stressigen, hoch technologischen Welt rundherum, oder?

Käslin: (lacht) Da muss ich widersprechen. Klar ist die Floristik nach wie vor eine handwerkliche Tätigkeit, aber auch wir gehen mit der Zeit. Wir müssen uns an Messen laufend über die aktuellen Trends informieren, um zu wissen, was der Kunde von uns wünscht. Heute sind viel mehr verschiedene Materialien auf dem Markt. Das können Gefässe sein, Dekomaterial, aber auch neue Schnittblumen. Die Leute richten sich heute ganz anders ein, und dass bald auf jedem Bürotisch ein Blumenstrauss steht, war längt nicht immer so. Unser Beruf hat also auch einen Wandel durchgemacht.

Stress kennen Sie auch?

Käslin: Ich würde sagen: wenn, dann einen schönen. Wir haben lange Präsenzzeiten, und gerade zu den «Blütezeiten» kann es schon mal hoch zu- und hergehen. Wie in einem Bienenhaus.

Am Valentinstag haben Sie es sicher am allerstrengsten.

Käslin: Nein, fast noch hektischer ist es eigentlich an Weihnachten, und der Muttertag ist vergleichbar mit dem Valentinstag.

Wie viel mehr läuft denn am Valentinstag, verglichen mit einem durchschnittlichen Tag?

Kälin: Wir schauen immer, dass am Valentinstag das ganze Team anwesend ist, denn wir wollen ja von morgens bis abends Rambazamba im Geschäft. Und die Blumenmenge ist schon bedeutend grösser. Vor allem die roten Rosen gehen an diesem Tag weg wie warme Weggli. Davon verkaufen wir garantiert die zehnfache Menge gegenüber einem durchschnittlichen Tag.

War der Valentins-Rummel auch schon so gross, als Sie noch in der Lehre waren?

Kälin: In Blumenläden war es schon ein Thema, aber es gab damals noch nicht annähernd so viele Mitanbieter. Heute müssen wir uns gegenüber den Bäcke­reien, Confiserien, Papeterien, Buchhandlungen und Accessoires-Läden so richtig behaupten. Und den Leuten sagen, dass Blumen eben nach wie vor die schönsten Liebesbeweise sind (lacht).

Als Floristin sind Sie sicher ein grosser Valentins-Fan.

Käslin: Doch, doch, das kann man so sagen.

Sind Sie ein bisschen eine Romantikerin?

Käslin: Es geht so. Eher nicht.

Also Ihr Partner muss nicht auf einem weissen Pferd und mit einer Rose im Mund angeritten kommen?

Käslin: Nein, das können wir auch bei einem guten Glas Wein regeln (lacht).

Aber ein Blümchen darf er Ihnen schon noch mitbringen?

Käslin: Auf jeden Fall. Ich wäre im falschen Beruf, wenn ich mich darüber nicht mehr freuen könnte.

Einer Floristin Blumen schenken: Ist das nicht ein heikles Unterfangen?

Käslin: Manche Leute haben schon Hemmungen, mir Blumen aus anderen Geschäften zu schenken. Aber ich habe immer Freude an Blumen.

Haben Sie eine Lieblingsblume?

Käslin: Eigentlich nicht. Jede Saison gefällt mir wieder etwas anderes am besten. Und es kommen auch immer wieder neue Züchtungen heraus, wo man einfach sagen muss: «Wow, Hammer!»

Das Repertoire an Blumen wächst also ständig an?

Käslin: Ja, und nicht nur in der Schweiz. Auch aus Australien, Neuseeland, Asien oder beispielsweise Ecuador kommen immer wieder neue Züchtungen mit ganz neuen Farben, Formen und besserer Qualität. Die haben dann auch immer wieder neue Namen, die man sich merken muss. So wird es auch unseren Lernenden nie langweilig. In der Lehre gilt es, an die 400 lateinische Blumennamen auswendig zu lernen.

Erleben Sie auch, dass sich Leute dem Valentinstag total verweigern? Dass sie also sagen: «Am Valentinstag bringe ich meiner Liebsten erst recht keine Blumen, weil es ein Zwang ist»?

Käslin: Im privaten Umfeld höre ich oft, dass jemand sagt: «Ich schenke sicher nicht genau am Valentinstag etwas.» Aber ich finde, es soll doch kein Müssen sein, sondern einfach eine Gelegenheit, dem Partner wieder mal Danke zu sagen.

Ist es im Grunde nicht unpassend, dass ausgerechnet Blumen als Symbol für die Liebe verwendet werden, wenn Sie doch so kurzlebig sind? Müsste man sich als Beweis der gegenseitigen Liebe nicht besser schöne Steine schenken?

Käslin: Das hat was. Aber das Symbol der Blüte hat ja schon eine jahrtausendealte Tradition. Wenn man sieht, wie eine Knospe aufgeht und erblüht, ist das doch, als ob man die Liebe wachsen sähe ...

Da haben Sie sich aber wunderschön «herausgeredet»!

Käslin: (lacht)

Wie lang sollte ein Strauss eigentlich halten?

Käslin: Eine Woche schon, wenn man ihn bei der derzeitigen Kälte auch gut einpackt für den Heimweg und unsere Pflegetipps befolgt werden. Und wenn die Blumen von guter Qualität sind.

Gibt es Leute, die einen zu früh verwelkten Strauss kurzerhand in den Laden zurückbringen?

Käslin: Das gibt es. Diese Fälle versuchen wir kulant zu behandeln.

Sehen Sie den Leuten an, welche Blumen sie gleich kaufen werden? Gibt es so etwas wie eine Blumenkäufer-Typologie?

Käslin: Ja, tatsächlich. Mit einer gewissen Berufserfahrung bekommt man ein geschultes Auge dafür. Mimik, Gestik, Haltung und Kleidung verraten schon vieles. Überhaupt orientiert sich die Floristik immer auch an den Farbentrends der aktuellen Mode.

«Sag mir, was du trägst, und ich sag dir, welche Blumen du kaufst»?

Käslin: Ja, so in etwa. Oder wenn etwa jemand total aufgestellt reinkommt und quer durch den Laden hindurch die ganze Belegschaft grüsst, kann man davon ausgehen, dass es was Pfiffiges, Farbiges sein darf.

Wissen Sie, was ein «Heuchlerbesen» ist?

Käslin: Klar, das hören wir hin und wieder. Der altbekannte Begriff für einen Entschuldigungsstrauss.

Spüren Sie das, wenn einer einen Strauss aus schlechtem Gewissen wegen des Streits vom Vorabend kauft?

Käslin: Das muss man nicht spüren es wird oft ganz direkt kommuniziert, so a la: «Jetzt muss ich wieder mal ein Blümchen heimbringen, sonst gibts eins aufs Dach.» Wir versuchen das dann mit Humor zu nehmen und dem Herrn einen extraschönen Strauss zusammenzustellen. Manchmal kann das auch ganz lustige Gespräche ergeben.

Haben Sie sonst noch irgendwelche lustigen Anekdoten über schräge Kundenwünsche?

Käslin: Wir hatten auch schon Männer, die am Valentinstag je einen Strauss an zwei Frauen an verschiedene Adressen liefern liessen. Da schmunzeln wir jeweils ein bisschen, aber Schweigen ist schliesslich Gold.

Unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrem Kaufverhalten?

Käslin: Ja. Bei den Herren muss es meistens schnell gehen, darum wählen sie meistens einen fertigen Blumenstrauss aus. Die Frauen lassen sich eher beraten und bringen individuelle Wünsche an.

Haben Sie auch Stammkunden, wie der Coiffeur, wo manche Frauen fast täglich ein- und ausgehen?

Käslin: Ja, das gibt es bei uns auch. Es gibt Kunden, die täglich vorbeikommen, vielleicht nur was ganz Kleines kaufen, aber noch ein bisschen Hallo sagen und übers Wetter diskutieren. Das finde ich herzig.

Wo kommen eigentlich jetzt mitten im Winter all die vielen Blumen her?

Käslin: Aus Gewächshäusern. Das schöne Frühlingsbouquet dort drüben, mit Narzissen und Margeriten, kommt beispielsweise alles per Camion aus Italien. Auch Holland ist ein sehr grosser Lieferant. Rosen bekommen wir vor allem aus Ecuador, per Flugzeug. Tulpen stammen auch aus Schweizer Gewächshäusern.

Schweizer Blumengeschäfte kaufen ihre Ware frühmorgens um 4 Uhr ein. Sind Sie Frühaufsteherin?

Käslin: Auch wir gehen dreimal die Woche an die Blumenbörse in Zürich, da findet man ein riesiges Angebot, alles unter einem Dach. Wir wechseln uns zum Glück ab, dann muss man nicht immer so früh aufstehen. Manchmal gehen wir auch zusammen, um uns etwas zu beraten. Wäre ja nicht gut, wenn man einfach das einkaufte, was einem selber gefällt. Es soll vor allem dem Kunden gefallen.

Und wenn Sie mal zu viel eingekauft haben? Können Sie am Abend die restlichen Blumen mit nach Hause nehmen?

Käslin: Wir versuchen, Blumenabfälle so gut als möglich zu vermeiden und das Maximum aus unseren Blumen herauszuholen, sie also noch irgendwie zu verarbeiten. Oder, ja, auch mal den Mitarbeitern mit nach Hause geben, das macht auch Freude.

Stehen in Ihrer Wohnung auch Blumen, oder möchten Sie zu Hause einmal Ruhe davon haben?

Käslin: Nein, nein. Eine schöne saisonale Blüte auf dem Esstisch darf eigentlich nie fehlen.

Was machen Sie neben der Arbeit noch gerne? Irgendwelche Hobbys?

Käslin: Da muss ich studieren. Eigentlich ziehen sich die Blumen durch mein ganzes Leben. Im Floristenverein, wo ich sehr aktiv bin, haben sich viele Freundschaften ergeben, sodass wir auch oft in der Freizeit noch über Blumen reden. Ich bin schon mit Herzblut dabei. Auch mein Lebenspartner ist mittlerweile ein halber Florist geworden, weil er immer von dem Thema umgeben ist. Ach, etwas kommt mir noch in den Sinn: Ich bin immer an der Luzerner Fasnacht anzutreffen. Ich spielte auch mal in einer Guuggenmusig.

Darf ich raten, als was Sie sich verkleiden?

Käslin: Nein, als Blume dann auch wieder nicht. Irgendwo muss man einen Punkt machen.

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