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VATIKAN: Papst Franziskus rechnet mit seinen Kritikern ab

In seiner Weihnachtsansprache hat sich Papst Franziskus in einer Wutrede gegen die Kritik durch Traditionalisten gewehrt.
Dominik Straub, Rom
"Wenn du anfängst, mit Satan zu reden, bist du verloren": Papst Franziskus. (Archivbild) (Bild: Eduardo Verdugo/AP)

"Wenn du anfängst, mit Satan zu reden, bist du verloren": Papst Franziskus. (Archivbild) (Bild: Eduardo Verdugo/AP)

Dominik Straub, Rom

«In Rom Reformen zu machen, ist, wie die Sphinx in Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen», erklärte Franziskus gestern in seiner Ansprache unter Verwendung eines Zitats des belgischen Erzbischofs Frédéric-François-Xavier De Mérode. Es brauche «viel Geduld, Hingabe und Taktgefühl», um dieses Ziel zu erreichen, legte der Papst nach. Aber: «Eine in sich selbst verschlossene Kurie würde das Ziel ihrer Existenz betrügen, in Selbstbezogenheit verfallen und sich damit zur Selbstzerstörung verurteilen.»

Der Reformkurs des Papstes ist im vergangenen Jahr auf immer offeneren Widerstand gestossen. Im September wurde er in einer «Zurechtweisung» von ultrakonservativen Kritikern aufgefordert, sich von insgesamt sieben «Irrlehren» zu distanzieren, die er verbreitet habe.

Nicht seine erste Wutrede

Die «Zurechtweisung» war zwar von ausserhalb der Kurie gekommen, aber bereits im November 2016 hatten auch vier konservative Kardinäle ihre «Dubia» («Zweifel») an der Glaubenstreue des Papstes angemeldet. Die Kritik bezog sich auf das postsynodale Schreiben «Amoris laetitia», in welchem Franziskus eine gewisse Kompromissbereitschaft bezüglich der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene hatte durchschimmern lassen. Dass eine päpstliche Weihnachtsansprache vor den höchsten Kurienmitarbeitern zu einer Wut­rede gerät, passierte gestern nicht zum ersten Mal. Bereits 2014 hatte Franziskus der Kurie insgesamt 15 «Krankheiten» attestiert.

Die erste dieser Pathologien, sagte der Papst damals, bestehe darin, sich für unsterblich, immun oder unersetzbar zu halten. «Eine Kurie, die sich selbst nicht kritisiert, die sich nicht erneuert, die nicht besser werden will, ist ein kranker Körper», donnerte Franziskus und empfahl den versammelten Kardinälen und Bischöfen einen Besuch auf dem Friedhof: «Das kann uns helfen, die Namen all der Personen zu sehen, die glaubten, unsterblich, immun und unersetzbar zu sein.» Diesmal ging Franziskus sogar noch weiter: Angesichts des passiven Widerstands der Kurie gegen seine Reformen erinnerte der Papst seine Mitarbeiter klipp und klar daran, wer im Vatikan das Sagen habe: Die Kurie stehe im Dienst des Papstes, und sie müsse das Wohl der Kirche und die Verkündigung der Frohen Botschaft im Blick haben. Das «diakonale Primat», den «Vorrang im Dienen», gelte es nach innen wie nach aussen zu verwirklichen, betonte der Papst. Vor allem aber sei es wichtig, die «unausgewogene und verwerfliche Logik der Komplotte und der kleinen Zirkel» zu überwinden, «die trotz aller Rechtfertigungen und guter Absichten in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen», sagte der Papst.

Mitarbeiter hätten Vertrauen missbraucht

Hart ins Gericht ging der Papst mit jenen Mitarbeitern, die im Zuge der Kurienreform das in sie gesetzte Vertrauen missbraucht und stattdessen eigene Interessen verfolgt hätten: Diese liessen sich von Ehrgeiz oder Eitelkeit korrumpieren. «Und wenn sie sanft aus ihrem Amt entfernt werden, erklären sie sich zu Märtyrern des Systems, des ‹schlecht informierten Papstes› und einer ‹alten Garde›, statt ‹mea culpa› zu sagen.» Im zweiten versöhnlicheren Teil seiner Ansprache bekräftigte Franziskus den Willen des Heiligen Stuhls, in der Welt weiterhin als «Brücken- und Friedensbauer» sowie als Förderer des Dialogs zwischen den Nationen aufzutreten.

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