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VATIKAN: Traditionalisten werfen Papst Abkehr vom Glauben vor

In einer öffentlichen Zurechtweisung fordern ultrakonservative Kritiker Papst Franziskus auf, sich von insgesamt sieben «Irrlehren» zu distanzieren, die er selber verbreitet habe.
Dominik Straub, Rom
Papst Franziskus I. (Bild: EPA (Archiv))

Papst Franziskus I. (Bild: EPA (Archiv))

Dominik Straub, Rom

Das Schreiben trägt den Titel «Kindliche Zurechtweisung über die Verbreitung von Häresien» («Correctio filialis de haeresibus propagatis») und ist am Sonntag auf der Website «correctiofilialis.org» im ultratraditionellen US-Blog «Rorate caeli» veröffentlicht worden. Unterzeichnet ist das 27 Seiten lange Pamphlet von 62 Laien, Priestern, Ordensleuten und Theologen. Kardinäle oder prominente Theologen befinden sich nicht unter den Autoren; der bekannteste Mitunterzeichner ist Bernard Fellay, der Generalobere der fundamentalistischen Piusbruderschaft. Er ist der einzige Bischof auf der ­Liste der 62 Papstkritiker.

Die Unterzeichner der «Zurechtweisung» werfen Papst Franziskus insgesamt sieben ­Häresien (Irrlehren, Ketzereien) zu Ehe, Moral und den Sakramenten vor, deren Verbreitung er direkt oder indirekt gefördert habe. «Die Unterzeichner bestehen respektvoll darauf, dass Papst Franziskus zugibt, dass er im Irrtum war (und) dass er diese Häresien verurteilt», heisst es in dem Schreiben.

Weiter bemängeln die Kritiker die «beispiellose Sympathie» des Papstes für den «Erzhäretiker» Martin Luther. Dies und ein «Modernismus», der die Kerninhalte des katholischen Glaubens relativiere, habe zu der gegenwärtigen «einzigartigen Krise» geführt, in die Franziskus die Kirche geführt habe.

In erster Linie bezieht sich die Kritik auf das postsynodale Schreiben «Amoris laetitia», in welchem Papst Franziskus seine Schlüsse aus den Familiensynoden von 2014 und 2015 gezogen hatte. Grösster Streitpunkt an diesen Weltbischofstreffen war der Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen gewesen, die nach katholischer Lehre in schwerer Sünde leben und deshalb von der Kommunion ausgeschlossen sind.

Nicht das erste Manöver von Konservativen

Franziskus sprach sich in diesem Dokument dafür aus, nicht alle gescheiterten ehelichen Verbindungen über einen Kamm zu scheren; er schloss auch nicht aus, dass die Betroffenen unter bestimmten Bedingungen vom Ortsbischof wieder zur Eucharistie zugelassen werden könnten. Obwohl der Papst in «Amoris laetitia» die bisherige Lehre nicht in Frage gestellt hat, löste das Dokument in der katholischen Welt eine Kontroverse aus, die bis heute nicht ausgestanden ist.

Bereits im November 2016 hatten die vier konservativen Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke, Carlo Caffarra und der inzwischen verstorbene Joachim Meisner ihre «Dubia» («Zweifel») angemeldet und Franziskus erst persönlich und dann öffentlich zu «Klärungen» hinsichtlich der Auslegung und Einordnung von «Amoris laetitia» aufgefordert, da das Dokument unter vielen Gläubigen eine «ernste Verunsicherung und eine grosse Verwirrung» ausgelöst habe. Der Papst hat auf die «Dubia» nie geantwortet. Die neue Kampfschrift der 62 Kritiker ist bloss das bisher letzte in einer Reihe von Manövern, mit denen konservative Kreise den Reformkurs des Papstes behindern oder den Pontifex persönlich verunglimpfen wollen.

Erst vor wenigen Tagen hatten bisher unbekannte Mitglieder der Kurie italienischen Medien ein wahrscheinlich gefälschtes Dokument zugespielt, in welchem dem Vatikan eine Mittäterschaft bei der Ermordung einer Römer Schülerin im Jahr 1983 unterstellt wurde – ein Dokument, von dem Papst Franziskus gesagt hatte, dass es nicht existiere. Für Unruhe sorgte kürzlich auch Libero Milone, der frühere Wirtschaftsprüfer im Vatikan. In Interviews sprach Milone von Intrigenspielen und Machtkämpfen, die dem Papst zu schaffen machten und seine Reformvorhaben ins Stocken brächten.

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