VERABSCHIEDUNG: Köbi Kuhn: Er bleibt wie er ist – und macht Mut

Dort, wo für ihn alles begonnen hatte, wurde Köbi Kuhn gestern nach 73 Spielen (32 Siege, 18 Unentschieden und 23 Niederlagen) als Coach der Schweizer Nationalmannschaft feierlich verabschiedet: Auf der Fritschi-Wiese in Zürich.

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Köbi Kuhn (Mitte) freut sich über die Ehrentafel, dem Geschenk von Verbandspräsident Ralph Zloczower (rechts) und dem Nati-Delegierten Ernst Lämmli (links).

Köbi Kuhn (Mitte) freut sich über die Ehrentafel, dem Geschenk von Verbandspräsident Ralph Zloczower (rechts) und dem Nati-Delegierten Ernst Lämmli (links).

Da, wo man heute keine Tore, keine Bälle und auch keine spielenden Jungs mehr sieht, wusste Jakob Kuhn nach einem lauten Pfiff seines Vaters vom Wohnungsfenster aus ganz genau: «Aha, ich muss leider rein jetzt!» Und vorbei war es dann jeweils wieder mit seiner grossen Ehre, mit den «älteren Jungs auf der Wiese» zu spielen. Aber zum Glück war es nur bis zum nächsten Tag aus mit der grossen Leidenschaft des Jakob Kuhn: Dem König Fussball.

Mit diesen und vielen anderen Erinnerungen nahm Köbi Kuhn, der «Schweizer des Jahres 2007» gerührt die Honorationen von Verbandspräsident Ralph Zloczower und dem Nati-Delegierten Ernst Lämmli entgegen. Als Geschenk brachten sie eine Ehrentafel mit allen Nati-Resultaten der Coach-Ära Kuhn mit. Wie aber geht Kuhn mit der neuen Ära Hitzfeld um, die in der WM-Qualifikation so brutal schlecht mit einem Unentschieden gegen Israel und einer bösen Schlappe gegen Luxemburg begonnen hat? Genauso, wie er eben ist, der «Köbi-National»: Ruhig und gelassen. «Ich wäre nicht mich selbst, wenn ich jetzt nicht mehr an eine WM-Qualifikation der Schweiz glauben würde», sagte er in seiner vertraut-väterlichen Art. «Wir reisen nach Südafrika, fertig Schluss.»

Väterlicher Zuspruch
«S' esch jo nor es chliises Träumli gsi», spielte da gerade die «Matt's Musik» im Hintergrund beim Bratwurststand. Aber Kuhn blieb unbeirrt: «Es gibt nur eines», machte er Mut. «Hundertprozent Gas geben und versuchen die beiden nächsten Qualifikationsspiele gegen Lettland und Griechenland zu gewinnen. Das ist ja das schöne am Sport, am Fussball: Du kannst alles wieder drehen.» Auch im Privatleben ist das bei Kuhn zum Glück wieder der Fall: «Meiner Ehefrau Alice geht es jeden Tag besser. Es braucht noch viel Geduld, aber wir sind alle sehr zuversichtlich, dass sie wieder ganz gesund wird», erzählte Kuhn.

Barrage gegen Liechtenstein?
Unter den vielen Gästen, die Köbi Kuhn verabschiedeten, waren zahlreiche Nati-Legenden wie etwa Rolf Blättler, Marco Zwyssig, Roger Hegi, Jörg Stiel, Ciriaco Sforza und Fritz Künzli. Dieser liebäugelt in der WM-Qualifikation jetzt noch mit einem «moderaten, realistischen» Gruppen-Platz 2 der Schweiz. «Und dann mit einer Barrage gegen Liechtenstein», schmunzelte neben ihm FC Zürich-Präsident Ancillo Canepa. Zum Scherz, aber wirklich nur zum Scherz und mit viel Galgenhumor sagte dazu Verbands-Generalsekretär Peter Gilliéron: «Ui, nein, dann verlieren wir gegen Lichtenstein?»

Goldmedaille für Kuhn
Dann ging's hoch hinauf auf den schönen Sonnenberg. Dort, wo zufällig auch Ex-UBS-Chef Marcel Ospel (mit Udo-Jürgens-Manager Freddy Burger) und Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer auch gerade das Mittagessen genossen, kochte Kellenkönig Jacky Donats auf. Und Fifa-Präsident Sepp Blatterüberreichte Köbi Kuhn die goldene Fifa-Medaille. Eine Auszeichnung, die sonst nur Weltmeister bekommen. Danke und willkommen im Klub der Weltmeister, Köbi Kuhn!

André Häfliger, Zürich