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VERGÄNGLICHKEIT: Der schiefe Turm zu Babel

Es ist ein Bauprojekt, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist: Einen Turm, zu bauen, der bis in den Himmel reicht – welch eine Anmassung! Das hat Pieter Bruegel der Ältere, der flämische Renaissance-Maler, meisterhaft dargestellt.
Christina Genova
Pieter Bruegel der Ältere hat den Turmbau zu Babel von Mesopotamien in die Landschaft seiner Heimat Flandern verlegt. (Bild: Getty)

Pieter Bruegel der Ältere hat den Turmbau zu Babel von Mesopotamien in die Landschaft seiner Heimat Flandern verlegt. (Bild: Getty)

Christina Genova

Einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht, wollen König Nimrod und sein Volk bauen. Sieben Stockwerke stehen schon, das achte ist im Bau. So hat es Pieter Bruegel der Ältere 1563 in Öl auf Holz gemalt. Seine Darstellung des Turmbaus zu Babel ist die berühmteste und hat unsere Vorstellung der biblischen Erzählung geprägt. Der sogenannte «Grosse Turmbau zu Babel» ist heute im Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien. Das Thema hat Bruegel offenbar gefesselt. Es gibt eine zweite Version, den «Kleinen Turmbau zu Babel», die sich in Rotterdam befindet und wohl im selben Jahr entstand.

Der Turm wird direkt am Meer gebaut, der Hafen ist voller Schiffe. Während das oberste Geschoss des Turms bereits in die Wolken ragt, beginnt er am Sockel zu bröckeln: Damit versinnbildlicht Bruegel die Vergänglichkeit alles menschlichen Tuns. Das Bauwerk schraubt sich spiralförmig hoch in den Himmel und ist nach links geneigt. Es wird je höher, desto schräger werden. Das Scheitern ist schon in dessen Grundkonstruktion angelegt. Denn wie wir aus der Bibel wissen, wird es nicht gut enden mit dem ehrgeizigen Bauvorhaben: Gott fährt zur Erde nieder und bestraft den Hochmut der Menschen, indem er sie in allen Sprachen der Erde sprechen lässt, so dass keiner mehr den andern versteht – ein wahrhaft babylonisches Sprachengewirr. Der Turmbau muss abgebrochen werden und die Menschen zerstreuen sich in alle Welt.

1. König Nimrod

Es ist wohl der Bauherr König Nimrod, der hier die Baustelle besichtigt. Man nimmt an, er sei der Auftraggeber, obwohl in der Bibel nichts davon steht. Der Architekt rechts neben ihm erläutert das Bauwerk. Die Steinmetze werfen sich vor dem Herrscher in orientalischer Manier nieder. Ein Hinweis auf den mesopotamischen Schauplatz des Geschehens.

2. Die Stadt

Bruegel hat Babel in seine flämische Heimat verlegt. Sie erinnert an Antwerpen. Das Grössenverhältnis des Turms zur Stadt macht deutlich, wie gigantisch das Bauwerk ist. Bedrohlich wirft der Turm seinen Schatten auf einen Teil der Stadt und den Hafen. Aussen ist er mit Sandstein verkleidet, der Kern besteht aus Ziegelsteinen. So steht es auch in der Bibel. An zwei Stellen ragt der Felsen heraus, auf welchem das Bauwerk errichtet wurde.

3. Vorbild Kolosseum

1553 besucht Bruegel Rom. Seine Darstellung des Turms von Babel ist offensichtlich vom Kolosseum beeinflusst, erkennbar an den Arkaden, welche die Fassade strukturieren. Die damaligen Zeitgenossen sahen Parallelen zwischen Rom und Babel. Rom, die ewige Stadt, sollte in der Vorstellung der römischen Kaiser nie untergehen. Sowohl der Niedergang Roms als auch das Scheitern des Turmbaus zu Babel sind Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen und die menschliche Überheblichkeit.
Quellen: Christian Vöhringer: Pieter Bruegel der Ältere. Eine Biographie, Reclam 2013; www.khanacademy.org; Roger H. Marijnissen: Bruegel, das vollständige Werk, Mercatorfonds 2003; www.braeuningcontemporary.com/blog

4. Die Arbeiter

Überall sind Menschen fleissig an der Arbeit, klein und unbedeutend wie Ameisen, es müssen Hunderte sein. Um Zeit zu sparen, wohnen sie auf der Baustelle: Überall sind behelfsmässige Behausungen erkennbar.

5. Die Baustelle

Bruegel hat die Bautechniken des 16. Jahrhunderts detailreich und sehr genau dargestellt. Beobachten konnte er diese in Brüssel und Antwerpen, wo er lange Jahre wohnte: In den florierenden Städten entfaltete sich eine rege Bautätigkeit. Der Turm ist von einer Rampe umgeben. Darauf sieht man Leitern, Gerüste und spezielle Kräne, die durch Treten betätigt wurden.

Im Juli werden wir das Bild «Die grossen Badenden» von Paul Cézanne unter die Lupe nehmen.

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