VERKEHRSHAUS: Piccard-Partner Brian Jones hebt ab

Mit gegen 10'000 Fans feierte das Verkehrshaus der Schweiz am Samstag sein 50-jähriges Bestehen. Auch neue Räumlichkeiten wurden eingeweiht.

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Joanna und Brian Jones. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Joanna und Brian Jones. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Nostalgische Flugzeuge im Tiefflug, kostbare Oldtimer-Autos am vorbeirattern, perfekte Punktlandungen von mutigen Fallschirmspringern, Heissluftballone auf zum Glück nur vermeintlichen Kollisionskurs mit einer ehemaligen Swissair-Coronado, Tausende mächtig staunende Gäste und mittendrin ein Mann, der Fluggeschichte schrieb.

Der 62-jährige Brian Jones war am Samstag, am Tag der offenen Tür, der Stargast am grossen 50-Jahr-Jubiläum im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.

Vor zehn Jahren hatte der Engländer zusammen mit Bertrand Piccard mit dem «Orbiter 3» im dritten Versuch erstmals die Welt in einem Ballon überrundet. Wie oft hatte er in den 20 historischen Tagen eigentlich Angst damals? «Oh, sehr oft», verriet Jones, der heute noch «gern und oft» Ballone und Flugzeuge pilotiert. «Mehrmals hatten Bertrand und ich Todesangst und dachten, dieser Ballon sei die Endstation unseres Lebens.»

Sagte es – und machte sich unverzüglich daran, den «Orbiter 3»-Heissluftballon von Breitling startklar zu machen. Seine Ehefrau Joanna, mit der er gut 200 Kilometer westlich von London lebt, half tatkräftig mit. Für einen guten Zweck: «Wir touren mit diesem Ballon durch die Welt und sammeln mit Taxiflügen Geld für unsere Stiftung, die Seuchen bei Kindern in Afrika bekämpft», erzählte Jones, der auch gestern einige Gäste zu einem Rundflug über Luzern einlud.

«Vor 10 Jahren waren wir erstmals in dieser herrlichen Stadt hier», erinnerte sich Joanna Jones. «Wir freuen uns riesig, wieder da zu sein.» 1999 war es denn auch, als Jones und Piccard die «Orbiter 2» dem Verkehrshaus übergaben. Mit diesem Ballon war der zweite Rekordversuch der beiden in Burma gescheitert. Im neuen Solarflugzeug-Projekt «Solarimpulse» ist Brian Jones als Chef-Controller mit Piccardübrigens immer noch eng verbunden.

Kindheitserinnerungen

So verbunden, wie so viele Gäste mit dem neu gestalteten und ausgebauten Verkehrshaus sind. Wann waren denn prominente Gäste erstmals in den Luzerner Museumshallen?

«Als Bub führte mich meine Tante hierhin», erinnerte sich der Urner Verkehrshaus-Präsident Franz Steinegger. «Ich war mächtig stolz und imponiert. Alleine mal nach Luzern fahren zu dürfen, war damals für mich ein grosses Ereignis.» Auch die Luzerner Ständerätin Helen Leumann-Würsch, die in Zürich-Höngg aufwuchs, kam schon als Kind erstmals ins Verkehrshaus: «An einem regnerischen Tag fuhren meine Eltern mich und meine beiden Brüder hierhin – und wir staunten den ganzen Tag.»

Bestaunt wurden gestern auch die neue Gestaltung und die neuen Räumlichkeiten. Feierlich hatten Steiner-Bauunternehmer Thomas Grossenbacher und Architektin Annette Gigon Verkehrshaus-Direktor Daniel Suter einen grossen, goldigen Schlüssel zur Eröffnung am Jubiläumstag übergeben. Verkehrshaus-Gründer Alfred Waldis verriet, wie alles anfing: «Das war am 15. Dezember 1956. An diesem Tag wurde ich vom damaligen Stadtpräsident Paul Kopp als Geschäftsführer angestellt - per Handschlag im Zug zwischen Bern und Luzern!»

Freude herrscht!

Dem Publikum gefiel es, streng nach dem hier geborenen Ogi-Leitsatz 'Freude herrscht!', im neuen Verkehrshaus. «Wir mögen vor allem die Dinge, bei denen man sich selber betätigen kann, wo man selber für Aktion sorgen kann», waren sich etwa Michelle Schnyder (21) und ihre 10-jährigen Zwilligsschwestern Sheila und Sina aus Vorderthal SZ einig. «Ich mag alles, wo man untendurch kriechen oder laufen kann», erzählte die 8-jährige Janina Schäffer aus Hochfelden.

Der 2-jährige Noam Süess aus Zürich nahm sichtlich stolz erstmals Platz auf einem Helikopter-Sitz, schnallte sich ganz korrekt an und lachte: «Ich will fliegen!» Ist da etwa ein neuer Piccard geboren worden? 

André Häfliger