Abfall bleibt bis zu 1000 Jahre liegen

Die Lenzburger Schuljugend lernt am Waldtag den Umgang mit Abfall. Eine Fotodokumentationen soll illustrieren, was passiert, wenn der Mensch der Natur nicht Sorge trägt.

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Littering bleibt bis 1000 Jahre liegen

Littering bleibt bis 1000 Jahre liegen

Heiner Halder

Wer diese Zeitung draussen wegwirft, hinterlässt für drei bis zwölf Monate eine Spur in der Natur; so lange braucht es, bis das Papier abgebaut und der Kreislauf von Werden und Vergehen wieder geschlossen ist.

Littering, das achtlose Wegwerfen und Liegenlassen von Bechern, Dosen, Flaschen, Pizzaschachteln und Zigarettenstummeln, verschandelt nicht nur die Gegend, sondern belastet die Umwelt nachhaltig.

Nachdem diese Untugend zunehmend vom Schulhof über die Gasse sowie via Wanderwege zu den Wiesen und in den Wald übergegriffen hat, wird das Thema Littering nun auch am traditionellen Waldtag der Lenzburger Schulen, der morgen stattfindet, aufgegriffen.

Druck auf Erholungslandschaft

Herbert Furter, Ressortchef Sicherheit, Prävention und Gewerbe bei der Regionalpolizei Lenzburg und damit auch zuständig für Umweltschutz, Tierschutz und Littering, begründet sein Engagement für einen sauberen Wald mit dem zunehmenden Druck auf die Erholungslandschaft.

Aufgrund der zahlreichen und immer mehr genutzten Möglichkeiten der Waldeslust mit Biken, Walken, Hundespaziergängen, Picknicken usw. in Kombination mit gedankenlosem Konsumverhalten und der von der Wirtschaft mit Wegwerfgebinden geförderten Wegwerfmentalität wird der Abfall auch im Wald zum Problem. Schuld sind nicht allein die Schulkinder, aber hier setzt zumindest die Prävention an.

Auf dem «Erlebnisparcours Littering» werden von Herbert Furter und Jugendpolizistin Tamara Keller Ursachen und Wirkungen in Wort und Bild eindrücklich dargestellt. Littering ist nicht nur optisch verwerflich, sondern lebensbedrohend für viele Wildtiere im Wald. Als Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Diana weiss Furter aus eigener Erfahrung, was wir dem Wild antun, dessen Hege und Pflege ins Pflichtenheft des Waidmanns gehört.

Gestresste Tiere

Drastische Fotodokumentationen zeigen: einen Rehbock, in dessen Gehörn lange Plastikbänder verheddert sind; einen Igel, der sich in ebensolche verwickelt hat; einen Vogel, der sich die Füsse fesselte. Diese Tiere sind beim vergeblichen Versuch, sich zu befreien, zumindest gestresst.

Wasservögel schlucken beim Gründeln Fremdkörper: bei einem Kormoran finden sich Dosendeckel und Fläschli aus Kunststoff, sogar ein Feuerzeug im Magen. Eine Ente hat sich an einer Angelschnur aufgehängt; Angeln und Köder verursachen tödliche Verletzungen.

Drahtgeflechte im Wald sind Fallen für Füchse und Rehe. Scherben bringen kein Glück, Reinecke mit dem Kopf im Glas ist kein Märchen. Jäger, bestätigt Furter, beobachten oft derart versehrte und verletzte Tiere; meistens müssen sie erschossen werden.

Müll bleibt lange liegen

Was aus Bequemlichkeit, Faulheit, Rücksichtslosigkeit, Rebellionsphase, dank Take-away, Give-away, Gratiszeitungen, Flyern allüberall weggeworfen wird, bleibt lange liegen. Der Müll bleibt eine halbe Ewigkeit erhalten. Kaum jemand ist sich bewusst, wie lange es wirklich dauert, bis ganz gewöhnliches Littering – nicht etwa Sondermüll – von der Natur vollkommen abgebaut, völlig verrottet ist.

Bei einem Papiernastuch dauert das 3 Monate, beim Zigarettenstummel 1–2 Jahre, beim Kaugummi 5 Jahre, Feuerzeug und Blechdose brauchen 100 Jahre, eine PET-Flasche 100 bis 1000 Jahre, Pastiksack oder Kreditkarte 1000 Jahre und Glas sogar 4000 Jahre. Wollen wir wirklich kommenden Archäologen Studienmaterial über die Zivilisation, die am eigenen Müll erstickt ist, hinterlassen?