Australier im Freiämter Mais

Australier im Freiämter Mais

Die Hagelschauer im Juli zerstörten im Freiamt mehrere Maisfelder teilweise stark. In einem Seminar prüften Experten die Pflanzen gründlich auf Schäden und Ertragsverlust.

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Australier im Freiämter Mais

Australier im Freiämter Mais

Andrea Weibel

Ein Getrampel und Geraschel im Maisfeld, begleitet von unzähligen Stimmen – wer nicht wusste, worum es ging, hätte sich leicht in einem schlechten Horrorfilm wähnen können. Denn gestern spazierten 120 Leute – in den verschiedensten Sprachen fachsimpelnd – durch ein Maisfeld in Anglikon in der Nähe der Bahnlinie. Es handelte sich jedoch weder um Schauspieler noch um Ausserirdische: Die Fachexperten für Hagelschäden haben sich zum Expertenseminar der Internationalen Vereinigung der Versicherer der Landwirtschaftlichen Produktion
(AIAG) getroffen.

Perfektes Schadensobjekt

Der Mais in Wohlen habe stark unter dem lokalen Hagelschauer vom 27. Juli gelitten, daher sei er ein perfektes Objekt für die Fachdiskussionen. «Mais sieht sehr schnell schlimm aus, weil die Blätter einreissen. Solange die Stücke aber nicht abreissen, macht das nichts», erklärt Hansueli Lusti, Vizedirektor der Schweizerischen Hagelversicherung.

Aufschluss über das Schadensmass geben neben den Blättern die Kolben sowie die Pflanzen als Ganzes. «In der Schweiz gibt es etwa 400 Schadenexperten, die Sturm- und Hagelschäden beurteilen», sagt Lusti. «Es ist wichtig, dass sie alle nach denselben Kriterien beurteilen und das auch international in etwa gleich gemacht wird. Zu diesem Zweck werden die Seminare durchgeführt.»

Experte aus Australien

Spass und Geselligkeit kam bei den Anwesenden aber trotz der vielen Fachgespräche nicht zu kurz. «Wir treffen uns jährlich, um uns untereinander auszutauschen», sagt Lusti. «Dieses Jahr ist die Schweiz Gastgeberin.» Das Thema Mais wurde zuletzt vor rund zwanzig Jahren behandelt, erklärt er weiter. «Dazwischen haben wir von Trauben über Gemüse und Getreide bis hin zu Blumen immer wieder Neues angeschaut.»

Der Grossteil der Experten, die am zweitägigen Seminar teilgenommen haben, stammt aus Europa. «Einer ist aber sogar aus Australien angereist», verkündet Lusti. Die meisten der Anwesenden waren Experten, daneben waren aber auch Rückversicherer dabei, die sehen wollten, wie die Experten arbeiten. «Die restlichen Leute sind Dolmetscher», erzählte der Organisator schmunzelnd. Nach den Hagelschäden in Wohlen fuhr die Gruppe nach Lengnau in Bern weiter, um sich dort Sturmschäden genauer anzusehen.