Autofreunde auf grosser Fahrt

Gestern startete das Deutschschweizer Rallye für aussergewöhnliche Autos. Dutzende Oldtimer präsentierten sich am Nachmittag mit zahlreichen aussergewöhnlichen Youngtimern in Erlinsbach AG.

Drucken
Teilen

Marco Wölfli

Als die Sonne hinter den Wolken hervorschaut, verwandelt sich der Parkplatz des Restaurants Waldhaus in eine Glitzerlandschaft. Wo man hinblickt, ist Chromstahl zu sehen.

Langsames Rallye

Grund für den Aufmarsch der Auto-Veteranen war der Start zum sechsten Deutschschweizer Rallye. Es ist wahrscheinlich das langsamste Rallye der Welt. Organisator Mark Gilgen sagt: «Uns geht es nicht um Geschwindigkeit. Wir nehmen es gerne gemütlich.» Unter den Autos hat es auffallend viele mit einem Nummernschild aus der Westschweiz. Das ist kein Zufall.

Das Deutschschweizer Rallye ist nämlich der Nachfolger von Chameau Tours. So hiess ein ähnliches Rallye in der Westschweiz. Markus Gilgen war dort mit seinem Alfa Romeo regelmässiger Teilnehmer. «Als die Organisatoren Chameau Tours auf einen Tag beschränkten, dachte ich, diese Tradition muss fortgesetzt werden», erzählt Gilgen.

Romands in Erlinsbach

Zusammen mit seiner Tochter Natascha Gilgen und deren Freund organisiert er seither das Deutschschweizer Rallye. Gilgen, der in der Romandie aufgewachsen ist, hat zu vielen welschen Autobegeisterten guten Kontakt. So kommt es, dass jedes Jahr viele Fahrer mit ihrem aussergewöhnlichen Auto in den Kanton Aargau kommen. «Wir haben aber auch jedes Jahr mehr Deutschschweizer», so Gilgen, der heute in Küttigen wohnt.

Das Restaurant Waldhaus war gestern der Ausgangspunkt für das Deutschschweizer Rallye. Am Morgen unternahmen die Teilnehmer, quasi zum Aufwärmen, eine Ausfahrt nach Villmergen. Dort besuchten sie das Lastwagen-Museum Setz und kehrten anschliessend nach Erlinsbach zurück.

Am Nachmittag folgte der Start zur dreitägigen Tour, die sie ins Drei-Seen-Land führte. «Uns ist wichtig, dass wir auf der Route viele schöne Strassen und Pässe befahren können», sagt Gilgen. Die erste Etappe war Studen, wo der Tross übernachtete.

Die zweite Leidenschaft

Heute geht es in verschlungenen Wegen durch die ganze Westschweiz. Dazwischen steht der Besuch eines Oldtimer-Museums auf dem Programm. Am Abend kehren alle wieder nach Studen zurück.

Die Teilnehmer haben neben ihrer Vorliebe zu alten und aussergewöhnlichen Autos noch eine andere Leidenschaft, erzählt Natascha Gilgen: «Wir machen oft Stopps in Feinschmeckerlokalen und die Hotels müssen komfortabel sein.»

Abgeschlossen wird das Rallye am Sonntagnachmittag in Neuenburg. In Zusammenarbeit mit einem Sponsor gibt es einen Autokorso durch die Stadt.

Hoffen auf trockenes Wetter

Unter den 40 Autos gibt es viele Schmuckstücke. Eines sticht aber besonders hervor: ein 45-jähriger MG. Er gehört Max Gilgen, dem Bruder des Organisators. «Dieses Auto habe ich gekauft, als ich 20 Jahre alt war. Ich habe ihn zurechtgemacht und immer sorgfältig behandelt.»

Vor allem aber hat Max Gilgen den MG nie verkauft. Heute hat er ein Vielfaches an Wert. Das Cabrio hat zwar ein Stoffdach, doch das bringe nicht viel, erzählt der Besitzer: «Wenn es ein bisschen regnet, läuft das Wasser überall rein. Wenn es richtig schüttet, sehe ich kaum mehr durch die Windschutzscheibe.»

Max Gilgen ist ein Liebhaber von alten englischen Autos. «Sie sind archaisch auf der Strasse. Man darf keine Fehler machen.» An diesem Wochenende hat Max Gilgen genug Zeit, seinen MG zu bändigen.

Noch bevor Mark Gilgen das diesjährige Deutschschweizer Rallye begonnen hat, freut er sich bereits auf das nächste. «Im nächsten Jahr wird der Ausgangspunkt unseres Rallyes das Lokal «Captain Joe» in Biberstein sein», sagt er.