Schuld am Tod soll der Polier sein

Baustellenunfall: Polier soll schuld am Tod sein

Wegen einem tödlichen Unfall auf einer Baustelle in Niederlenz stehen ein Maurer und ein Bauführer wegen verunfallter Hilfskraft vor Bezirksgericht Lenzburg. Die Verteidiger fordern Freisprüche.

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Nezirksgericht Lenzburg

Nezirksgericht Lenzburg

AZ

Michael Spillmann

Sechs Meter war der 34-jährige Schweizer damals rückwärts in die Tiefe gestürzt. Auf dem Kellerboden des Neubaus in Niederlenz blieb er schwer verletzt liegen. Zwei Wochen später starb er im Spital an den Kopfverletzungen.

Zwei Männer mussten sich gestern vor dem Bezirksgericht Lenzburg im Zusammenhang mit dem tödlichen Arbeitsunfall im Sommer 2004 verantworten: ein 47-jähriger Maurer aus Deutschland und der Bauführer, ein 64-jähriger Schweizer.

Angeklagt ist auch ein 59-jähriger Deutscher, der damals als Polier auf der Baustelle geamtet hatte. Er liess sich jedoch mit ärztlichem Attest von der Verhandlung dispensieren.

Der Staatsanwalt fordert für die drei Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung jeweils bedingte Geldstrafen und Bussen von bis zu 2000 Franken. Die Verteidiger des Bauführers und des Maurers fordern Freisprüche.

Zum folgenschweren Sturz auf der Baustelle war es am Morgen des 11. August gekommen. Die 34-jährige Hilfskraft war im Obergeschoss beschäftigt – zusammen mit dem Vorgesetzten.

Auf der Baustelle sei es hektisch zu- und hergegangen, die Organisation sei mangelhaft gewesen, blickte der ehemalige Chef des Verunglückten gestern als Zeuge zurück.

Die beiden Arbeiter im Obergeschoss hatten schliesslich die Gerüstläden, die über das Loch eines künftigen Treppenaufgangs gelegt waren, entfernt. Nur kurze Zeit später trat der 34-jährige Arbeiter auf eine beim Loch hervorstehende Schalung, die sofort nachgab.

Maurer gibt Polier die Schuld

Die Schalung war ursprünglich mit Stützen gesichert gewesen. Der 47-jährige Maurer montierte diese aber ab. «Ich habe die Stützen auf Anweisung des Poliers demontiert», verteidigte sich der Maurer, der von einer Firma aus dem Fürstentum Liechtenstein vermittelt worden war.

Und er kritisierte: «Schon am ersten Tag habe ich den Polier auf fehlende Sicherheitsvorkehrungen hingewiesen.» Vor dem Abmontieren habe er zudem zwei Warnrufe gemacht. Der Polier selber hatte in einer früheren Befragung ausgesagt, den Maurer beauftragt zu haben, die Stützen bei der Treppe nicht zu demontieren.

Bauführer weiss von nichts

Er sei zwar ursprünglich als Verantwortlicher für die Sicherheit bezeichnet gewesen, so der Bauführer, dann sei aber sein Arbeitspensum gekürzt worden. «In diesem Vertrag steht nichts darüber, dass ich für die Sicherheit verantwortlich war», sagte der 64-jährige Schweizer.

Der Polier habe ihm einmal gesagt, dass Absperrmaterial bestellt worden sei. «Mit meinem Pensum war ich für administrative Belange zuständig», betonte der angeklagte Bauführer. Da er die betroffene Baustelle während dieser Zeit nicht betreten habe, könne er auch nichts zu den ungesicherten Löchern sagen.

Die Einzelrichterin hat nun zu entscheiden, ob der Maurer oder der Bauführer seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. Falls ja, wird die Einzelrichterin das Urteil fällen, wenn der dritte Angeklagte – der Polier – vor Gericht erschienen ist.