Das Bieler Pannenprotokoll

Die Fahndung nach Peter K. war gespickt von Pannen. Trotzdem findet der zuständige Kommandant, die Polizei-Strategie habe sich bewährt.

Drucken
Teilen
Das Bieler Pannenprotokoll

Das Bieler Pannenprotokoll

Benno Tuchschmid

Gestern Morgen um 6.09 Uhr beendete ein Polizeihund die achttägige Jagd nach Peter K. Acht Tage herrschte in Biel Ausnahmezustand. Acht Tage suchten Sondereinheiten aus der ganzen Schweiz nach dem Mann. Mit jedem Tag nahm die Kritik an der Berner Kantonspolizei zu. Mit jedem Tag wurde der Spott grösser. Seit gestern Morgen können die Bewohner des Bieler Lindequartiers wieder ruhig schlafen. Der Polizeihund Faro stellte Peter K. auf einem Acker im Gebiet Ried in Biel. Kurz zuvor hatte die Polizei einen Hinweis von einer Anwohnerin erhalten, die K. auf offenem Feld gesichtet hatte. Sofort rückte ein Kommando aus, Polizisten aus den Kantonen Luzern und Baselland identifizierten K. aus der Distanz. Polizeihund Faro erledigte den Rest.

Nun ist Peter K. in Haft, in welchem Gefängnis er sitzt, wollten die Untersuchungsbehörden nicht sagen. Ausser einer Bisswunde, die ihm Faro zugefügt hat, sei er aber in gutem Zustand.

Für die Polizei ist die Sache allerdings noch nicht ausgestanden. Der Kommandant der Berner Kantonspolizei, Stefan Blättler, sagte gestern vor den Medien im Bieler Volkshaus zwar: «Unsere Strategie hat sich bewährt». Jetzt müsse der Einsatz «sauber ausgewertet werden, so wie das nach jedem Einsatz passiert». Doch die Auswertung des Falls wird mehr Arbeit geben als ein normaler Fall. Dafür ist die Pannenliste der Polizei zu lang:

Donnerstag 9. September: Peter K. stürmt aus seinem Haus und schiesst einem Polizisten in den Kopf. Trotz Grossaufgebot gelingt K. die Flucht vom Tatort. Erst um 14 Uhr gibt die Polizei zu, dass K. unauffindbar ist.

Donnerstag, 9. September: Die Polizei verhaftet in Biel einen Mann, der dem ersten Fahndungsbild von Peter K. ähnlich sieht. Der Rentner wird bei der Verhaftung leicht verletzt.

Freitag, 10. September: Peter K. kehrt in das Lindequartier zurück und eröffnet aus der Distanz das Feuer auf Beamte. Noch immer befindet sich ein Grossaufgebot der Polizei im Quartier, doch der Täter entkommt wieder.

Mittwoch, 15. September: Die Polizei muss zugeben, dass sie während fünf Tagen ein falsches Fahndungsbild von Peter K. zirkulieren liess. Das zuerst veröffentlichte Bild zeigte K.s Vater, wie der «Blick» berichtete.

Freitag, 16. September: Polizei-Kommandant Stefan Blättler muss bestätigen, dass Peter K. seit 2007 im Fahndungssystem Ripol ausgeschrieben war. Und: Gemäss Recherchen des «Bunds» und des Westschweizer Fernsehens TSR hat K. nie ein Studium an der ETH abgeschlossen. Auch beim Alter irrte sich die Polizei. K. ist 63, nicht 67.

Klar ist: Es bleibt nicht bei der internen Untersuchung. Der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser kündigte am Donnertag eine Untersuchung durch externe Experten an.