Fledermäuse

Die Fledermäuse sind im Freiamt herzlich willkommen

In Auw, Merenschwand und Mühlau wohnen sie in den Kirchtürmen – in Bremgarten und Rottenschwil hängen sogar Kästen für die winzigen Tiere.

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Die Fledermäuse sind im Freiamt herzlich willkommen

Die Fledermäuse sind im Freiamt herzlich willkommen

In Bremgarten hängt eine Pioniertat im Fledermausschutz: An einer Häuserwand im Au-Quartier befindet sich ein zwei Meter breiter und ein Meter hoher Kasten, der in seinem vier Zentimeter tiefen Zwischenraum Platz für 200 bis 300 Grosse Abendsegler bietet. «Früher haben die Tiere in Rollladenkästen oder Fenstersimsen überwintert. Das hat die Leute gestört, also habe ich den Versuch mit dem selbst gebauten Kasten gestartet, und es hat funktioniert», ist Fledermaus-Experte Andres Beck stolz.

Seltene Art in Rottenschwil und Auw

Dies ist nicht das einzige Fledermaushotel im Freiamt. «Mein Vorgänger hat den kleinen Kasten an die Hauswand des Zieglerhauses gehängt, und als wir die Wand gestrichen haben, habe ich ihn hinterher wieder angeschraubt, obwohl ich nie Spuren von Fledermäusen entdeckt habe», berichtet Josef Fischer, Geschäftsführer der Stiftung Reusstal in Rottenschwil. Doch es hat sich ausgezahlt: «Vor drei Jahren fanden wir erstmals kleine Kotkügelchen unter dem Kasten, seit damals kommen die Fledermäuse jedes Jahr.»

Dabei handelt es sich bei den Tieren, wie Andres Beck herausgefunden hat, nicht um die zuerst vermuteten Zwergfledermäuse. «Es sind etwa zehn Fransenfledermäuse, das ist eine der seltensten Arten in der Schweiz», freut sich Fischer. Die zweite kantonal bekannte Wochenstube dieser Art – also der Ort, wo Fledermäuse ihre Jungen gemeinsam aufziehen – befindet sich in der Kirche in Auw, ebenfalls im Freiamt.

Im Kirchturm und im Schulhaus

«Es gibt viele Fledermauskolonien, die wir nicht kennen», weiss Beck. Die grösste bekannte Kolonie im Freiamt ist in der Kirche Mühlau zu finden. Dort leben bis zu 500 Grosse Mausohren. Weitere Standorte dieser Art sind die Kirche Merenschwand (30 Tiere) und das Schulhaus Tägerig (10 Tiere).

«Auch im Estrich oder an Hauswänden, zwischen Wand und Täfer, wohnen einige Fledermausarten gern», beschreibt Beck. «Das Problem ist, dass heutzutage sämtliche Spalten am Haus hermetisch abgedichtet sind als Schutz gegen Vögel wie Spatzen und Tauben.» Dies sei der Grund, weshalb in der Bremgarter Altstadt, wo man eigentlich viele Fledermäuse erwarten würde, kaum eine einzige lebe.

Bis 1982 sind im Jonental auch Grosse Hufeisennasen dokumentiert, eine der seltensten Tierarten des Kantons. Durch die moderne Landwirtschaft sind jedoch die Maikäfer, ihre bevorzugten Beutetiere, verschwunden, und die Hufeisennasen mussten entweder sterben oder auswandern. (aw)