Die Internetschwindler und ihre lukrativen Machenschaften

Sie leben von der Angst der User und drohen mit Betreibung und Strafanzeige - die Internetabzocker. Täglich locken sie viele Leute auf dubiose Webseiten und wollen abkassieren.

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Printscreen AGB Streamarchiv.com
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Sandra Kohler

Ein unscheinbares Kuvert flattert ins Haus. Vermutlich eine dieser ominösen Gewinnbenachrichtigungen, schiesst Louis Hug (Name geändert) der Gedanke durch den Kopf. Doch nichts dergleichen: Es handelt sich um eine Rechnung der Firma Net 24 Limited & Co. KG aus Leipzig. Louis Hug soll sich auf der Webseite «streamarchiv.com» angemeldet haben und damit einen bindenen Zwei-Jahres-Vertrag eingegangen sein. Als Referenz wird eine seit langer Zeit ungenutzte E-Mail-Adresse von Hug angegeben.

96 Euro (ca. 135 Franken) soll er bezahlen. Der Brief wandert umgehend in den Abfall. Einige Tage später trudelt bereits die Mahnung ins Haus. Der Wortlaut wird drohender: «Wir geben die offene Zahlung in den nächsten Tagen an ein Inkassounternehmen ab. Wir stellen Strafanzeige wegen Eingehungsbetrug gegen Ihre Person. Um diese Vorgänge und erhebliche Mehrkosten noch abzuwenden, geben wir Ihnen letztmalig die Gelegenheit, den offenen Betrag zu begleichen. Bitte überweisen Sie folgenden Betrag: 96,- Euro + 14 Euro Mahngebühr.» Auch diesen Brief übergibt Hug dem Abfall.

Was verbirgt sich eigentlich hinter «streamarchiv.com»?

Was tun, wenn Sie in die Falle getappt sind?

Schreiben Sie einen eingeschriebenen Brief und fechten Sie darin den Vertrag an. Argumentieren Sie, dass Sie durch das Angebot getäuscht wurden und deshalb wegen Irrtums und absichtlicher Täuschung zurücktreten. «Damit wird der Vertrag unverbindlich», so Josianne Walpen, Leiterin Konsum und Gesundheit von der Stiftung für Konsumentenschutz.

Immer wieder taucht ein Name auf: Daniel Rosenke. Zahlreiche Berichte auf «Antiabzockenet» belegen die umtriebige Geschäftstätigkeit von Rosenke. Er steckt hinter weiteren Webseiten wie beispielsweise ink-tattoos.de, kochen-tipp.de oder comic-tipp.de.

Der Anbieter legt es darauf an, dass Leute in die Falle tappen und unwissentlich den Vertrag eingehen. Im Fall von Louis Hug ist die Situation aber gar so, dass keine Registrierung stattgefunden hat. Wie bereits erwähnt, wurde die als Referenz angegebene E-Mail-Adresse seit Jahren nicht mehr genutzt.

Die Rechnung bezahlen, ist der zweite Fehler

Im Internet finden sich zahlreiche Forumseinträge und auf der Seite der österreichischen Beratungs- und Schlichtungsstelle für Online-Konsumentinnen ist «streamarchiv.com» auf der «Watchliste» aufgeführt. Dies, weil sie «Massenbeschwerden verursachte». Bei der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz ist die Webseite noch unbekannt, allerdings erhält die Stiftung regelmässig Meldungen und Reaktionen wegen solchen Internetfallen.

In einigen Forumseinträgen ist grosse Verunsicherung spürbar. Und genau hier geschieht dann der zweite Fehler: Einige der Bedrängten bezahlen die Mahnungen aus Angst vor weiteren Konsequenzen. Die Stiftung für Konsumentenschutz rät den Betroffenen: «die Rechnung auf keinen Fall zu bezahlen.» Von tatsächlich eingeleiteten Betreibungen hat die Leiterin für Konsum und Gesundheit, Josianne Walpen, denn auch keine Kenntnis.

Zuerst Einschüchterung per Brief, dann per Telefon

Die Firma lässt nicht locker und geht noch einen Schritt weiter: Einschüchterung am Telefon. Hug wehrt sich und droht ebenfalls mit rechtlichen Schritten. Die Sache scheint sich erledigt zu haben.

Mehrere Wochen später dann wieder ein Brief. Die Firma versucht es noch einmal: «Leider waren Sie nicht bereit, unsere Forderungen zu begleichen», steht im äusserst billig anmutenden Schreiben. Nicht mal eine Unterschrift ist zu finden. Die Tonalität ist freundlicher, die Firma will Hand bieten: «Wir bieten Ihnen jetzt die Möglichkeit, bei Übernahme einer Kostenpauschale in Höhe von 50.00 Euro Ihren 2-Jahres Vertrag zu stornieren und von weiteren gerichtlichen Massnahmen abzusehen.»

Zwei Zeilen weiter unten dann aber doch wieder eine Drohung: «Andernfalls behalten wir uns vor, Strafanzeige wegen Eingehungsbetruges zu erstatten und weitere gerichtliche Massnahmen einzuleiten.»

Gemäss «Antiabzockenet» wurde die Leipziger Firma 2009 zu einem Schadenersatz verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Kläger wehrte sich gegen die unberechtigte Mahntätigkeit der Firma Net 24 Ltd. & Co. AG und bekam Recht.