Ein Freudentag für Bahnfans

Furka-Bergstrecke ist nach der Sanierung seit gestern wieder durchgehend in Betrieb. Pioniere, Amtsträger und Prominente testeten die Dampfzüge.

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Ein Freudentag für Bahnfans

Ein Freudentag für Bahnfans

Julian Witschi, SDA

Nach über einem Vierteljahrhundert Wiederaufbau haben es Bahnnostalgiker geschafft: Auf der Furka-Bergstrecke verkehren wieder durchgehend Dampfzüge von Realp im Kanton Uri bis Oberwald im Wallis.

Der Eröffnungszug ab Realp blieb gestern rund 160 Pionieren vorenthalten, welche die für unmöglich gehaltene Wiederbelebung der Bahnstrecke im Hochgebirge initiiert haben. Auf der Rückfahrt – nach einer Zeremonie in Oberwald – kamen Amtsträger und Prominente zum Zug.

Durchschnitten wurde das symbolische Band von alt Bundesrat Adolf Ogi und zwei langjährigen «Frondienstleistern» der Dampfbahn. Über 500 Personen wohnten der Feier in Oberwald bei.

Für Spinner gehalten

Anfänglich hatten sie sich als Spinner bezeichnen lassen müssen. Doch die Schar von Bahnfans, die sich mit der Stilllegung der Bergstrecke wegen der Inbetriebnahme des Furka-Basistunnels nicht abfinden wollten, wuchs schnell in die Tausende. Startschuss war eine Demonstration, bei welcher der damalige Aargauer Nationalrat Silvio Bircher an der Front mitwirkte.

Dem 1983 gegründeten Verein Furka-Bergstrecke gelang es, den Abbruchentscheid der Furka- Oberalp-Bahn (heute Matterhorn-Gotthard-Bahn) rückgängig zu machen. Um die Anforderung für eine Konzessionierung zu erfüllen, wurde eine Betriebsgesellschaft gegründet, welche die Strecke übernehmen konnte.

Die Unwetter von 1987 im Kanton Uri verursachten auch an der Furka schwere Schäden, sodass eine erste Teilstrecke der Bahn auf Urner Seite nicht vor 1992 in Betrieb gehen konnte. Zuvor hatten die Bahnfans in Vietnam ehemalige Furka-Dampflokomotiven gefunden, in einer spektakulären Aktion in die Schweiz zurückgeholt und revidieren lassen.

Die finanziellen Mittel steuerten Vereinsmitglieder, Spender und Aktionäre bei. Ohne den unentgeltlichen Einsatz – noch heute sind nur ein paar wenige angestellt – von Tausenden Freiwilligen aus der Schweiz und dem Ausland wäre das Projekt aber Utopie geblieben. Beispielsweise kommen jedes Jahr rund 40 Niederländer an die Furka, um am Wiederaufbau mitzuarbeiten, statt Ferien zu machen.

Im Jahr 2000 fuhr der erste Zug wieder bis nach Gletsch VS, an die Gabelung von Furka- und Grimselpass und damit vorbei am schrumpfenden Rhonegletscher, welcher dem weltberühmten Glacier-Express den Namen gab. Bis zur Eröffnung des letzten Stücks der rund 18 Kilometer langen Strecke dauerte es weitere zehn Jahre.