Lokomotivführer tätigte kurz vor Unfall die Notbremse

Kurz vor dem Zugunglück nahe der US-Millionenstadt Philadelphia hat der Lokomotivführer die Notbremse betätigt. Dies sagte ein Sprecher der US-Verkehrssicherheitsbehörde.

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Bei dem schweren Zugunglück in Philadelphia starben sieben Menschen, über 200 wurden verletzt.
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Ein im Nordwesten der USA verbreitetes Zugleitsystem, das Entgleisungen wegen zu hoher Geschwindigkeiten verhindern soll, war an der Unfallstelle nicht installiert.
Die Lokomotive samt sieben Waggons war vor der Entgleisung in der Nacht zum Mittwoch mit 170 Stundenkilometern unterwegs...
...und laut der Behörde für Transportsicherheit damit mehr als doppelt so schnell wie in der scharfen Kurve zulässig.
Amtrak - Schweres Zugunglück mit sieben Toten und mehr als 200 Verletzten in Philadelphia USA (13. Mai 2015)_1

Bei dem schweren Zugunglück in Philadelphia starben sieben Menschen, über 200 wurden verletzt.

Keystone

Als der Zug viel zu schnell unterwegs gewesen sei, habe es eine "volle Anwendung der Notbremse" durch den Fahrer gegeben, sagte Robert Sumwalt von der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB am Mittwoch vor Journalisten.

Dadurch sei die Geschwindigkeit des Zuges aber nur um ein paar Meilen pro Stunde reduziert worden. Der NTSB-Ermittler stützte sich bei seinen Angaben auf den Datenschreiber des Zuges, der am Dienstagabend auf dem Weg von Washington nach New York entgleist war.

Von den schätzungsweise 243 Menschen in dem Amtrak-Zug 188 wurden mehr als 200 verletzt, sieben Menschen starben. Ersten Ermittlungen zufolge war der Regionalzug mit mehr als 100 Meilen pro Stunde (mehr als 160 Stundenkilometer) in eine Kurve gerast und damit doppelt so schnell wie erlaubt.

Notbremsung verlangsamte den Zug kaum

Die Notbremsung verlangsamte den Zug laut Sumwalt nur von 106 auf 102 Meilen pro Stunde. "Es dauert eine lange Zeit und Strecke, einen Zug abzubremsen", sagte der NTSB-Ermittler.

Sumwalt hob hervor, dass ein System zur Geschwindigkeitskontrolle der Amtrak-Züge auf dem Streckenabschnitt des Unglücks noch nicht in Betrieb sei.

"Wir denken, dass wenn solch ein System in dem Abschnitt installiert gewesen wäre, der Unfall nicht geschehen wäre", fügte der Experte hinzu. Sumwalt und seine Kollegen wollen für die Untersuchung des Unglücks noch etwa eine Woche vor Ort bleiben.