London Fashion Week
London Fashion Week: Kurven auf dem Laufsteg sorgten für Ärger

Die Londoner Modewoche will mit einer Kampagne gegen Magermodels wieder mehr Weiblichkeit auf dem Laufsteg zeigen. Doch beim 25-jährigen Jubiläum der Fashion Week war davon noch nicht viel zu sehen. Im Gegenteil: Drei normalgewichtige Models reichten, um für einen Eklat hinter der Bühne zu sorgen.

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Keystone

Wo wird Schönheit lebensgefährlich? Über diese Frage diskutiert die Modewelt seit Jahren. Auf der London Fashion Week, die noch bis Mittwoch andauert, ist diese Debatte nun neu entbrannt.

Der Anlass war die ungewöhnliche Entscheidung des Designers Mark Fast, drei Models der Konfektionsgrössen 40 bis 42 in Minikleidern auf den Laufsteg zu schicken. Das sind vier Kleidergrössen grösser als üblich bei Modenschauen. Aber repräsentativ für das Publikum: Konfektionsgrösse 42 ist Durchschnitt in britischen Geschäften. Fasts mutiger Akt hatte laut britischen Medien zur Folge, dass Fasts Stylist wutentbrannt die Szene verliess. Eine Ersatz-Stylistin half aus, sodass die Show trotzdem stattfinden konnte.

Vielen Modemachern fehlt demnach aber noch das Bewusstsein, welche Folgen die Präsentation ihrer Kollektionen durch Magermodels für die Frauen haben, die ihre Mode tragen sollen. Der gefeierte Jungdesigner Ashish schickte etwa spindeldürre Models auf den Laufsteg, an denen seine Ideen für die Mode im Frühjahr und Sommer 2010 verblassten: Palmen und Papageien auf Paillettenkleidern oder Röcke im Fussballmuster.

In der kommenden Frühjahrs- und Sommersaison sieht man zwar wieder viele weibliche Formen. Auswirkungen auf die Figuren der nach wie vor äusserst schlanken Models sind jedoch nicht erkennbar. Vielmehr fingieren Designer wie Jason Wu und Alexander Wang üppige Hüften, in dem sie mit Raffungen und Polsterungen spielen.

Nachdem vor drei Jahren ein bekanntes brasilianisches Model an den Folgen ihrer Magersucht gestorben war, erteilten zumindest einige Modeveranstalter in Italien und Spanien extrem untergewichtigen Mädchen ein Laufstegverbot. Doch Branchenkenner sehen das Problem zunehmend bei den Designern selbst.

So wandte sich die Chefredakteurin der britischen Vogue, Alexandra Shulman, im Juni diesen Jahres mit einem offenem Brief an Designer und führende Modehäuser und forderte sie zu einem Umdenken auf. Sie schrieb, Modezeitschriften seien mittlerweile gezwungen, Models mit «hervorstehenden Knochen und ohne Busen oder Hüfte» zu engagieren, weil die Kleidungsstücke , die die Designer den Hochglanzmagazinen für Fotoshootings zuschickten, so winzig seien. Die Vogue retuschiere nach den Fotoaufnahmen am Computer inzwischen regelmäßig die Körperfülle der Mädchen, damit sie fülliger und somit gesünder aussähen.

Auf der London Fashion Week versucht die Initiative «All Walks Beyond the Catwalk» ebenfalls, junge Designer zu ermutigen, ihre Kollektionen von Models verschiedener Konfektionsgrössen, Figuren und Altersgruppen zu vorführen zu lassen. «Jede Grösse, jede Hautfarbe - genau darum dreht es sich bei der Mode«, sagte die britische First Lady, Sarah Brown, die das Projekt unterstützt.

All dies sind ehrenwerte Versuche, doch zeigt der Vorfall auf der Fashion Week, dass es die Branche selbst ist, die normalgewichtige Models boykottiert. Im übrigen war das Gesprächsthema Nummer Eins das Gewicht von Victoria Beckham - das offensichtlich einen neuen Tiefstand erreicht hat. (cls)

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