«Man liess mich einfach machen»

Heute Freitag öffnet der Oltner Kunstmarkt seine Tore zum 40. Mal. Eine der prägenden Figuren des Anlasses: Rosemarie Küchler. Ein Vierteljahrhundert wirkte sie als Organisatorin.

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«Man liess mich einfach machen»

«Man liess mich einfach machen»

Solothurner Zeitung

Urs Huber

«Klar bin ich auch dieses Jahr dabei», sagt Rosemarie Küchler. Die Rede ist hierbei natürlich vom hiesigen Kunstmarkt, der ein kleines Jubiläum feiert und heuer zum 40. Mal über die Bühne geht. Ein Vierteljahrhundert hat Rosemarie Küchler den Anlass organisiert, nahm die Veranstaltung 1975 unter ihre Fittiche. Wer sie dafür als «grosse Dame des Oltner Kunstmarktes» bezeichnet, erntet zunächst erns-te, dann schräge Blicke und die schon fast profane Bemerkung: «Man liess mich machen.»

Ildefonsplatz und nicht Brücke

Die Tatsache, dass der Kunstmarkt eigentlich auf dem Ildefonsplatz und nicht unter dem Dach der Holzbrücke hätte stattfinden sollen, steht in ihrer Erinnerung ganz zuvorderst. Über die Gründe des Gesinnungswechsels unter den seinerzeitigen Initianten rund um Martin Disler und Agnes Barmettler mag man heute spekulieren. «Da dürften sicher Wetterüberlegungen eine Rolle gespielt haben», mutmasst Rosemarie Küchler. «Die Brücke als verbindendes Element war in der Stadt zu jener Zeit wohl der grösste Freiluftbereich mit schützendem Dach. Auch wenn Klagen über Zugluft zum Geschäft der Organisation gehören», fügt sie lachend hinzu.

Die Brücke als Kunstbühne ist geblieben, das Fixdatum des Marktes, jenes des zweiten Septemberwochenendes, dagegen stammt aus ihrer Feder. «Ich ging davon aus, dass Regelmässigkeit sich besser einprägt.» Die Tatsache, dass die Veranstaltung dieser Maxime gefolgt und für viele in der Agenda quasi in Stein gemeisselt ist, gibt ihr bis heute recht.

Zu den besten Zeiten liessen sich zwischen 90 und 100 Aussteller am Kunstmarkt blicken. «Es war einfach wahnsinnig schön», sagt die einstige Organisatorin. Das Schönste? Sie überlegt lange. «Wenn alle zufrieden waren und die Brücke vor An-drang kaum mehr zu passieren war», lächelt sie.

Werke landeten in der Aare

Dann folgt eine Reminiszenz aus dem Nähkistchen: «Wissen Sie: Erfolge oder Misserfolge mussten damals begossen werden. So kams eben, dass nach Marktschluss schon mal Werke in der Aare landeten.» Aus Frustration? Sie nickt, heiter, nach all den Jahren. Trotzdem: Wer am Kunstmarkt teilnehme, der finde für seine Werke einen Liebhaber, ist Rosemarie Küchler überzeugt. Nicht zuletzt deshalb hat sie in all den Jahren dem externen Drängen nach Jurierung der Werke widerstanden. «Es ist doch ein Markt», sagt sie, «und der hat bunt zu sein.» Zudem: Wo wären die Grenzen zu ziehen? Dass sie damit richtig lag, liess sich daran erkennen, dass reklamierende Ausstellende im folgenden Jahr wieder mitmachten. «Das war doch auch ein gutes Zeichen», blickt Rosemarie Küchler zurück.

Kunstmarkt Olten, Alte Holzbrücke, Fr 16 bis 22 Uhr; Sa 10 bis 22 Uhr.