Margrit Huber
Margit Hubers Engagement für Umweltprojekte ist geblieben

Für Margit Huber, in den 1980er-Jahren prominente Vertreterin eines kleinen, ökologisch-liberal ausgerichteten FDP-Flügels, setzt sich heute unter anderem für ein Waldschutzprojekt in Argentinien ein. Die Auseinandersetzungen um die N4 sind für sie längst Geschichte – sie richtet den Blick lieber nach vorne als Vergangenem nachzutrauern.

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Margrit Huber

Margrit Huber

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Hat der Kampf gegen die N4 trotz der Niederlage in der Volksabstimmung über die Kleeblattinitiative etwas gebracht? „Ja", sagt Margit Huber, „wir konnten das Bewusstsein für die Schönheit der noch immer stark landwirtschaftlich geprägten Landschaft Knonauer Amt schärfen. Wir konnten die Autobahn zwar nicht verhindern, aber die Linienführung wurde mit viel mehr Rücksicht auf die Landschaft gewählt." Allerdings sei es für ein abschliessendes Urteil noch zu früh, zu vieles sei - beispielsweise bezüglich des Zubringerverkehrs - noch offen.
Raum der Natur - Raum der Menschen
Margit Huber lebt heute mehrheitlich im Val Müstair, dem die Unesco in Kürze das Label „Biosphären-Reservat" verleiht: „Ich bin damals ins Knonauer Amt gezogen, weil es hier Platz hatte und grün war - aus demselben Grund lebe ich heute mehrheitlich im Val Müstair." In Zusammenarbeit mit der lokalen Pro Natura Sektion hat sie für die Biosfera Val Müstair eine Broschüre verfasst: „An den Ufern des Roms - Ein Fluss schreibt Geschichte". Der Rom ist der einzige Haupttalfluss der Schweiz, der nicht zur Stromerzeugung genutzt wird: „Jahrzehntelang wurde sein Lauf streckenweise in ein enges Korsett von Kanälen gezwungen. Dies ist vorbei. Revitalisiert fliesst er heute durch die Ebene von Fuldera und die grosszügigen Flussaufweitungen in Müstair haben ihm seine Schönheit zurückgegeben."
Die Auseinandersetzung mit dem Raum, den die Natur vor menschlichen Eingriffen braucht, Mit den menschlichen Eingriffen in die Natur, die Balance zwischen Schützen und Nutzen prägt die Aktivitäten von Margit Huber noch immer. Nicht immer wird der Mensch eingeschränkt, wenn er der Natur ihren Lauf gewährt: Im Val Müstair diente die Renaturierung des Rom auch dem Hochwasserschutz.
Vielfältige politische Tätigkeiten
Margit Huber hat das Knonauer Amt von 1983 bis 1991 im Kantonsrat vertreten, in der Zeit, als die Frage der N4 die bürgerlichen Parteien der Region spaltete. Mit ihr und Rolf Hegetschweiler waren beide Positionen prominent besetzt, was zur Folge hatte, dass die FDP 1983 und 1987 dank der Fremdstimmen, welche Margit Huber auf der einen, Rolf Hegetschweiler auf der anderen Seite gewannen, zwei Sitze halten konnte. 1991, nach Margit Hubers Rücktritt, musste die Partei einen Sitzerverlust hinnehmen.
Nach ihrem Rücktritt aus dem Kantonsrat übernahm Margit Huber das Präsidium der Schweizerischen Gesellschaft für Umweltschutz. Später arbeitete die Rechtsanwältin mit beim Aufbau der SIGA, der Schweizerischen Interessengesellschaft für Abfallvermeidung, Welche später mit der Vereinigung für Gewässerschutz und Lufthygiene zur heute sehr aktiven Stiftung Pusch Praktischer Umweltschutz Schweiz fusionierte: „In all diesen Gremien hatte ich die Möglichkeit, an vorderster Front direkt mit der Bundesverwaltung zusammenzuarbeiten, in einem frühen Stadium der Gesetzgebung und mehr als Fachfrau denn als Politikerin."
Regenwald als Lebensraum
Nach ihren fachlichen und politischen Aktivitäten in Verbänden geniesst Margit Huber heute ihre Enkel, mit welche sie im Val Müstair viel Zeit verbringt. Zwei Monate im Jahr müssen sie allerdings auf die Grossmutter verzichten: „Seit einigen Jahren arbeite ich in Argentinien, wo ich aufgewachsen bin, mit jungen Agronomen und Forstwirtschaftern an einem Waldschutzprojekt der Stiftung Banco de Bosques. Es geht darum, die verbliebenen autochthonen Wälder im Norden des Landes vor der Rodung zum Zweck des Sojaanbaus zu bewahren und mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu erhalten. Die Rendite dieser Bewirtschaftung ist sehr gering, reicht aber aus, um den dort siedelnden Menschen indianischen Ursprungs das Überleben zu sichern und ihnen eine eigene Bleibe zu garantieren. Das Projekt wird in der Aufbauphase von zahlreichen Gönnern unterstützt, die mit ihrem Beitrag den Kauf einzelner Hektaren finanzieren. Eine meiner Aufgaben ist es, auch in der Schweiz solche rettenden Gönner zu finden." (bs)