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Nanotechnik für die Brunnenreinigung

«Eine hauchdünne Schicht Titandioxid genügt und die Brunnen bleiben sauber», verspricht Unternehmer Paul Brugger. Fantastische Aussichten gibt es auch für die Reinigung von Räumen, Tunnels und Sonnenkollektoren.

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Sprühschicht reinigt das Wasser

Sprühschicht reinigt das Wasser

Hans Lüthi

Darauf haben die Brunnenmeister in den Dörfern und Städten wohl seit Jahrzehnten gewartet: auf ein Mittel, das ohne Chemie oder andere Schadstoffe das Wasser in den öffentlichen Brunnen sauber hält. Immer wieder bilden sich in der warmen Sommerzeit Algen, das Wasser färbt sich grünlich und sieht unappetitlich aus.

«Auf der Basis der Nanotechnologie können wir das Problem jetzt lösen», sagt Paul Brugger aus Staufen. Zu diesem Zweck hat er die Firma Naprosys gegründet, die das revolutionäre Verfahren in der Praxis anwenden will.

«Die Erfindung geht auf Japan zurück, vom deutschen Unternehmen Nadico Technologie in Langenfeld habe ich die Lizenz für die Schweiz», betont der von der Wirkung felsenfest überzeugte Paul Brugger.

Mit Sauerstoff gegen Nährstoffe

Vereinfacht ist das Verfahren in einem Satz zu erklären: Durch die Umwandlung von Licht entsteht zusätzlicher Sauerstoff, der die überflüssigen Nährstoffe abbaut (sieht Kontext).

Weil es dabei keinerlei Rückstände gibt, ist die Anwendung in Dorfbrunnen speziell geeignet. Das Beispiel von Seon zeigt die Problematik: «Wir mussten die Brunnen immer wieder mit viel Aufwand reinigen», sagt Strassenmeister Heinz Deubelbeiss.

Mit Chemie darf nur der Dorfbrunnen behandelt werden, weil er auch einen Abfluss in die ARA hat. Die anderen acht Brunnen von Seon fliessen direkt in den Aabach, Chemikalien sind deshalb tabu und nur Hochdruckwasser oder biologische Mittel erlaubt.

Deshalb kam die neue Methode wie gerufen, die Gemeinde liess letzte Woche zwei Brunnen als Versuch beschichten, darunter jenen an der Unterdorfstrasse mit Jahrzahl 1809. «Wenn es funktioniert, kommen die anderen dazu», versichert Deubelbeiss nach der Reinigung.

Gute Erfahrungen in Brugg

Viele Referenzen kann Brugger noch nicht vorweisen, zu jung ist seine Einmannfirma, an der nur Frau Beatrice im Teilzeitpensum noch mitwirkt. Zufall oder nicht, ausgerechnet in Brunnen hat er schon neun Brunnen behandelt, in Brugg nur zwei und ganz frisch jene in Staufen.

«Das Wasser ist tatsächlich sauber geblieben, seit Frühjahr mussten wir die Brunnen nicht reinigen», heisst es beim Stadtbauamt Brugg. In allen anderen Brunnen gebe es blühende Algen, Fäden davon und grüne Wände. Dunkle Ablagerungen seien noch vorhanden, aber die könne man von Zeit zu Zeit einfach wegspülen.

Weil die Gemeinden mit der Selbstreinigung viel Aufwand und Kosten sparen könnten, rechnet Brugger mit zahllosen Folge-Aufträgen. «Allein die Stadt Bern hat ja 200 bis 300 Brunnen, Solothurn auch sehr viele», meint er.

Für Tunnels und Solarzellen

Saubere Brunnen sind nur ein Teil in der Firma des eidgenössisch diplomierten Fachmannes für Gebäudereinigungen. Die Beschichtung von Solarzellen in Deutschland habe ausgezeichnete Resultate gebracht. «Mit der Zeit verschmutzen die Zellen und verlieren bis zu 15 Prozent ihrer Wirkung.

Eine hauchdünne Schicht Titandioxid sorgt für Sauberkeit und damit auch für mehr Energie», erklärt der Schweizer Anwender der neuen Technologie. Immer wieder betont er, dass es keinerlei Rückstände gibt und die Kosten zu herkömmlichen Reinigungen viel tiefer seien.

«Den Kantonen Uri und Nidwalden habe ich Angebote für Lärmschutzwände unterbreitet, aber auch Tunnelwände sind für die Selbstreinigung gut geeignet», betont Brugger.

Saubere Luft in den Räumen

Mit der «Oberflächentechnologie des 21. Jahrhunderts» zeigt die deutsche Nadico noch weit fantastischere Möglichkeiten auf: Eine beschichtete Zimmerdecke könne pro Stunde bis zu 400000 Liter Luft von Schadstoffen befreien.

Das Atmen werde viel angenehmer, zusammen mit Licht zersetzt Titandioxid nicht nur organische Substanzen, Gasmoleküle und Schmutzpartikel, sondern auch Viren, Keime und Bakterien. Die Anwendung in Schulen, Arztpraxen, Spitälern, Hotels und Heimen verspreche Schutz vor gebäudebezogenen Krankheiten.