Kino

Neues Leben für alten Kinosaal

Seit acht Jahren steht das Kino Linde leer. Nun soll ein Bühnenbetrieb entstehen. Doch vom Hotel Linde kommt Widerstand.

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Neues Leben für alten Kinosaal

Neues Leben für alten Kinosaal

Corinne Rufli

«Wir wollen die Infrastruktur zur Verfügung stellen, damit Leute hier ihre Veranstaltung durchführen können», sagt Marco Keller von der Cityland AG. Die Immobilienfirma hat 2008 das Kino Linde von der Sterk Cine AG gekauft. Der noch immer gut erhaltene grosse Kinosaal aus den 1960er-Jahren mit den blauen Sesseln steht seit der Eröffnung des Trafo-Kinos vor acht Jahren leer. Doch das soll sich bald ändern.

Multifunktionales Lokal

«Wir wollen eine Umnutzung des Kinos zu einem Bühnenbetrieb», sagt Keller. Die vordersten drei Sitzreihen werden demontiert, die Bühne wird vergrössert. Daneben sollen auch eine Beschallungsanlage und eine Show-Beleuchtung eingebaut werden. Die Idee ist, dass in diesem multifunktionalen Event-Lokal ganz unterschiedliche Kultur ihren Platz finden kann: Theater, Comedy, Jazz- und Klassik-Konzerte, aber auch Modeschauen, Konferenzen oder Vorträge.

Hinter dem Projekt stehen neben Keller auch Marco Gilardoni und Roli Isler. Sie seien keine Fans von stadtgeförderter Kultur und wollen unabhängig bleiben. Die drei sind motiviert: «Wir stecken gerne unsere Energie und Zeit hinein», sagt Gilardoni. «Wir wollen ein breites Publikum ansprechen. Der Saal soll gefüllt werden.»

Bereits im letzten März wurde eine Baubewilligung beantragt. Die Stadt hat trotz Einsprachen die Bewilligung erteilt – mit gewissen Auflagen. Im August sollte mit einem Theater die erste Saison eröffnet werden. Doch das wurde verunmöglicht: Beim Kanton ist eine Beschwerde hängig. Und die Stadt Baden hat ein Fristverlängerungsgesuch für die Beschwerdeantwort eingereicht, was zu einer erneuten Verzögerung führt.

Steine im Weg

Hinter dem Widerstand steht die Besitzerfamilie Wanner des Hotels Linde, das gleich neben dem Kino steht. «Wir wollen kein Lärmlokal nebendran», sagt Carmen Wanner vom Hotel Linde. «Mit den Clubs Ventil und Moonlight haben wir schon genug Lärm und Littering. Im Quartier gibt es viele betrunkene Jugendliche.» Sie sei nicht grundsätzlich gegen die Wiederbelebung des Kinos, es brauche aber strengere Auflagen. «Wir müssen die Interessen unserer Hotelgäste wahren.»

Die Betreiber wehren sich gegen die Vorurteile: «Bei uns wird es weder Goa-Partys noch Rockkonzerte geben. Wir haben ein anderes Zielpublikum», sagt Gilardoni. «Die Stadt macht uns schon Auflagen, weitere Einschränkungen können wir nicht akzeptieren.»

Verlorenes Geschäftsjahr

«Jetzt sind wir blockiert», sagt Isler. «Wir haben viele Interessenten, wissen aber nicht, wann wir das Lokal eröffnen können. Ein ganzes Geschäftsjahr ging uns mit dieser Verzögerung verloren.» Dennoch sind sie zuversichtlich: «Wir haben ein Ziel, und das wollen wir erreichen.»