Schule

Polizei führte mehrere unschuldige Schüler ab

Droh-Mail in Bözen: Die Kantonspolizei Aargau hat den Täter gefasst. Damit ist die Affäre aber nicht vom Tisch. Denn die Schulleitung liess gleich mehrere Schüler abführen. Eltern wollen jetzt klagen.

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Keystone

Vasilije Mustur

Ein Schüler versetzt mit seinem Drohmail die Gemeinde Bözen und dessen Schule in Aufruhr. Die Kantonspolizei Aargau konnte den mutmasslichen Täter inzwischen identifizieren.

Dieser legte denn auch laut der Kantonspolizei Aargau ein Geständnis ab. Sein Motiv: «Der 14-jährige hat ausgesagt, dass er dieses Email nicht ernst gemeint hat», sagt Kapo-Sprecher Roland Pfister.

Dennoch kehrt in dieser Sache keine Ruhe ein - im Gegenteil: Recherchen von «a-z.ch» zeigen, dass die Schulleitung den Untersuchungsbehörden mehrere Verdächtige Jugendliche genannt hat, welche für die Tat in Frage kommen.

Schule schwärzte unschuldige Schüler an

Daraufhin hat die Kantonspolizei laut Pfister diese Jugendlichen befragt. Sie wurden von den Behörden befragt, bevor die Herkunft des Emails zweifelsfrei geklärt war. 24 Stunden nach dem Email konnte die Kantonspolizei Aargau dank technischen Ermittlungen die Herkunft des Emails eruieren und so auch den Täter überführen.

Vater musste Beamte auf das Revier begleiten

Einvernommen wurde auch der 14-jährige R*. «Es waren etwa 15 Polizisten. Sie wollten wissen, wo mein Sohn ist, » erzählt sein Vater gegenüber «a-z.ch». Wenig später wurde der Sohn dann am Bahnhof Aarau aufgegriffen.

Der Vater selbst weigerte sich die Beamten auf das Polizeirevier zu begleiten - musste sich aber dem Willen der Beamten beugen. «Bei einer Einvernahme von Minderjährigen muss der gesetzliche Vertreter anwesend sein», sagt Roland Pfister von der Kantonspolizei dazu. Ob der Vater freiwillig mit auf die Polizeiwache gekommen sei, lässt Pfister indes offen. Der Vater bestreitet das.

Zudem legt Pfister Wert darauf, dass R* bei der Einvernahme nicht unter Druck gesetzt wurde. Der Vater von R* behauptet auch hier das Gegenteil. «Die Beamten machen die Verdächtigen lediglich darauf aufmerksam, eine wahrheitsgetreue Aussage zu machen», sagt Pfister.

Wieso gleiche mehrere Polizisten - laut «Blick» waren es 15 - die Familie von R* heimsuchten, will die Polizei nicht erklären. «Es waren weniger als 15 Beamte, die der Familie den Besuch abgestattet haben», sagt Pfister.

Hat die Schule R* bewusst verdächtigt?

In den Augen des Vaters kann die Befragung von R* derweil kein Zufall sein. «Einen Tag vor den Vorkommnissen führten wir ein Gespräch mit der Schulleitung.» Der Grund: Die Schulleitung wollte R* laut Aussage des Vaters wegen ungenügender Leistung und seinem Verhalten aus dem Englisch-Unterricht ausschliessen.

Vater will gegen Schule rechtlich vorgehen

«Als wir von den Plänen der Schule erfuhren, haben wir mit dem Gemeindeschreiber von Densbüren das Gespräch gesucht.» Dieser begleitete die Eltern zum Gespräch nach Bözen.

Das Gespräch führte zu einem Kompromiss. Der Sohn wird im Englisch-Unterricht in eine schlechtere Klasse zurückgestuft. Die Eltern und Schulleitung akzeptieren den Vorschlag des Gemeindeschreibers. Nur R* selbst war damit nicht glücklich und droht damit, die Englisch-Klasse ganz zu verlassen.

Offen bleibt, weshalb R* überhaupt in Bözen zur Schule ging. Dafür war nämlich eine Ausnahmebewilligung nötig, die von der Gemeinde auch erteilt wurde.

Untersuchung kostet mehrere Tausend Franken

Nun prüft die Familie des unschuldigen Knaben rechtlich gegen die Schule vorzugehen. Die Schulleitung - allen voran Leiterin Stephanie Haberthür - verweigerte trotz mehrfacher telefonischer und schriftlicher Anfrage jeden Kommentar zu den neuen Erkenntnissen in diesem Fall. «Heute kann ich nicht arbeiten und werde auch keine Stellung zu Ihren Fragen nehmen».

Für den Täter selbst wird der «Streich» ebenfalls Folgen haben. Es wird eine strafrechtliche Anzeige bei der Jugendstaatsanwaltschaft geben. Zudem prüft die Polizei, ob die Kosten für die Untersuchungen auf den Täter abgewälzt werden. Die Ermittlungen können laut Kantonspolizei Aargau gut mehrere Tausend Franken betragen.