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Pratteln misstraut der GGG

Die Prattler wollen ihre Gemeindebibliothek nicht einfach auslagern. Jetzt muss der Gemeinderat eine neue Lösung suchen.

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Pratteln misstraut der GGG

Pratteln misstraut der GGG

Patrick Rudin

«Das ist eine schlechte Vorlage: Wir verscherbeln hier unser Vermögen an die ABG», donnerte Einwohnerrat Erich Weisskopf (SVP) in Pratteln. Von rechts und links kam scharfe Kritik, und die Gemeinderäte rieben sich die Augen.

Konkret wollte Pratteln ab nächstem Jahr die Gemeindebibliothek von der Basler GGG betreiben lassen. Mit der Einbindung in das GGG-System hätten die Benutzer nicht nur Zugriff auf eine riesige Anzahl an Medien, sondern könnten beispielsweise auch Rückgabekästen in Basel so wie die inzwischen üblichen Funktionen wie etwa Verlängerungen oder Reservationen via Webseite benützen. Die Übergabe der Bibliothek an die GGG hatte man detailliert ausgehandelt, entsprechend lagen nun ein Übergabevertrag sowie eine Leistungsvereinbarung vor.

Die Investitionen vor allem für den EDV-Umstieg (sowie das Umlabeln sämtlicher Medien) und die nötigen Schulungen würden einmalig rund 50000 Franken betragen, die Gemeinde Pratteln müsste davon 33000 Franken übernehmen.

Doch vor allem der SVP stösste sauer auf, dass bei der Führung als künftig siebte GGG-Zweigstelle die Gemeinde Pratteln jährlich 50000 Franken mehr als heute aufwenden müsste: Heute übernimmt sie die Raummiete und leistet einen Betrag von jährlich 85000 Franken, künftig würde sie der GGG 135000 Franken bezahlen und die Raummiete weiterhin übernehmen.

CVP-Einwohnerrat Emanuel Trueb versuchte vergeblich, die Emotionen etwas zu beruhigen. «Die Zeiten, in denen jede Gemeinde ihre eigene Bibliothek hatte, die gehen so langsam dem Ende entgegen». Er ortete im Rat einen «Heimatschutzreflex».

Gemeinderat Felix Knöpfel erklärte, es gäbe lediglich die teure Variante, die Bibliothek vollständig in die Gemeindeverwaltung zu integrieren, einen Verein als Betriebsgesellschaft zu gründen oder die Bibliothek auszulagern. «Vielleicht gibt es ja noch andere Varianten, und vielleicht kann man auch noch einen besseren Vertrag aushandeln», argumentierte daraufhin Urs Hess (SVP).

Auch von der Ratslinke gab es Kritik, zumal die Mitgliederpreise für Familien leicht steigen würden. «Viele Kosten sind in der Vorlage nicht genannt und offenbar auch nicht genau abgeklärt», meinte etwa Dominik Holenstein (Grüne und Unabhängige). Einzig die FDP stand geschlossen hinter der Vorlage, hatte damit aber keine Chance: Mit 25 gegen 9 Stimmen sendete der Rat das Paket an den Gemeinderat zurück. Was dieser nun damit anfängt, blieb offen.