Pschschscht – ein Urknall an der Street Parade

Die Street Parade wird akademischer: Urknall-Forscher und Hobby-Musiker Ben Moore von der Universität Zürich stellte gestern seinen Big-Bang-Truck für die Techno-Parade fertig.

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Pschschscht – ein Urknall an der Street Parade

Pschschscht – ein Urknall an der Street Parade

Limmattaler Zeitung

Matthias Scharrer

«Fantastisches Soundsystem», schwärmt Ben Moore und wirft sich vor der Lautsprecher-Wand seines «Big-Bang-Trucks» in Pose. Der Professor wirkt aufgekratzt. Der Tag, auf den er seit Wochen hinarbeitet, steht bevor: Moore – als Kosmologe an der Universität Zürich Nachfolger von Albert Einstein – nimmt heute an der Street Parade teil. Gestern wurde das fahrbare Soundsystem namens Big-Bang-Truck in Gebenstorf AG unter seiner Leitung fertiggestellt.

Fusion von Physik und Musik

Mit Moore besteigt ein Vertreter einer Zunft ein Love-Mobile, von der man dies bisher eher nicht erwartete: Der 44-Jährige aus Newcastle (GB) ist Professor am Institut für Theoretische Physik der Universität Zürich. Die Street Parade komme eben langsam in ein Alter, in dem sich auch Universitätsprofessoren zu ihr hingezogen fühlten, meinte dazu lakonisch Street-Parade-Sprecher Stefan Epli.

An der Uni modelliert Moore am selbstgebastelten Supercomputer die Entwicklung des Universums vom Urknall bis zum Ende in einigen Milliarden Jahren. Entsprechende Simulationen werden heute an der Street Parade über die Screens seines Big-Bang-Trucks flimmern. Auch ein akustisch aufbereitetes Echo des Urknalls darf dort nicht fehlen. «Ein Echo, wie man es hören würde, wenn man es hören könnte», erklärt Moore. Er beginnt, über die Schallwellen zu referieren, die das Universum durchströmen und von denen auf dem Big-Bang-Truck die hörbaren Frequenzen herausgefiltert werden. Echtes Echo oder Simulation? Die Laienfrage würde wohl zu weit führen, um sie kurz zu beantworten. «Es klingt etwa so: pschschscht», sagt Moore stattdessen und zeigt, was auf dem Truck ansonsten noch installiert wird: eine Weiterentwicklung der Laserharfe, die der französische Pionier Jean-Michel Jarre schon vor Jahrzehnten in die elektronische Musik einführte. Eine Teslaspule, die Blitze und Töne erzeugt und sich via Keyboard ansteuern lässt. «Es ist eine Fusion von Physik und Musik», fasst Moore sein Projekt zusammen.

«Wissenschaft ist cool»

Wie er darauf kam? «Ich dachte, es wäre einfach cool, Elektro-Rock zur Street Parade zu bringen», sagt Moore. Er ist am Big-Bang-Truck nämlich nicht nur als Physiker, sondern auch als Gitarrist beteiligt: Mit seiner Crossover-Band Milk67 wird er auf dem Sattelschlepper einen Live-Gig spielen, voraussichtlich zwischen 18 und 19.30 Uhr irgendwo zwischen Opernhaus und Bürkliplatz.

Die Kollegen an der Universität hätten vorwiegend positiv auf sein Engagement reagiert, erzählt der Professor. Er sieht es auch als Werbung für die Uni, will zeigen: «Wissenschaft ist cool». Und: Speziell das Fach Physik werde meistens eher mit der ETH assoziiert. Dem wolle er entgegenwirken.

Doch letztlich sieht er seinen Auftritt an der Street Parade primär als Privatangelegenheit. «Auch Professoren haben ein Leben», sagt Moore und lacht. Die Kosten für das Love-Mobile in Höhe von rund 25000 Franken bringe er teilweise selber auf, den Rest bezahlten Sponsoren und seine Plattenfirma.

Moore denkt bereits an die nächste Street Parade. «Dann werden wir eine Nachtshow auf einer Bühne bieten, mit grösseren Lasern und so», sagt er mit funkelnden Augen. Doch zuvor wolle er sich erst einmal wieder primär seinem geplanten populärwissenschaftlichen Buch über das Universum widmen.