Spenden für Pakistan: «Je näher ein Land ist, desto eher spenden wir»

Die Spendensammlung für Pakistan verlief harzig. Immerhin 1,4 Millionen sind nun zusammen gekommen. Priska Spörri, Sprecherin der Glückskette, über den Stand der Sammlung für Pakistan und wofür das Geld eingesetzt wird.

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«Je näher ein Land ist, desto eher spenden wir»

«Je näher ein Land ist, desto eher spenden wir»

Roman Schenkel

Wie viel Geld hat die Glückskette schon für die Opfer der Hochwasser in Pakistan gesammelt?

Priska Spörri: Aktuell liegt der Stand bei rund 1,4 Millionen Schweizer Franken.

Die Sammlung lief sehr zögerlich an. Was sind die Gründe für die Zurückhaltung bei den Spenderinnen und Spendern?

Spörri: Der zögerliche Start ist eine Interpretation der Medien. Seit wir den Spendenaufruf intensiviert haben, ziehen die Spenden an.

Am Mittwoch findet der nationale Sammeltag statt – über zehn Tage nach Beginn der Hochwasserkatastrophe in Pakistan. Weshalb haben Sie so lange mit dem Sammeltag gewartet?

Spörri: Die Glückskette arbeitet mit Schweizer Hilfswerken zusammen, die zuerst ihr lokales Netzwerk aktivieren mussten. Erst wenn wir wissen, dass unsere Partner effektiv vor Ort aktiv werden können, intensivieren wir den Spendenaufruf; zum Beispiel mit Fernsehspots. Was die Hilfswerke zu Beginn für die Nothilfe ausgeben, können sie teilweise via Glückskette rückfinanzieren.

Beim Erdbeben in Haiti zu Beginn dieses Jahres oder dem Tsunami 2004 schnellten die Beträge schon zu Beginn in die Höhe...

Spörri: Je näher uns in Land ist – geografisch wie auch emotional – desto eher spenden wir. Beim Tsunami und Haiti waren viele Schweizer betroffen oder man kennt die Länder von den Ferien. Zudem gab es auf einen Schlag sehr viele Tote. Das ist bei Pakistan nicht der Fall; es ist kein Touristenland, es liegt weit weg und ist mit Terrorismus und Krieg negativ besetzt.

Es braucht also viele Tote, bis der Schweizer spendet?

Spörri: Nein, wie der Fall Pakistan – mit wenig Toten und
20 Millionen Betroffenen – einmal mehr zeigt, genügt es auch Bilder vom Leiden der Bevölkerung zu sehen. Um die Toten können wir uns nicht kümmern, sondern um die Überlebenden.

Bei der Erdbebenkatastrophe in Pakistan 2005 wurden Hilfsgelder zweckentfremdet. Wie sorgen Sie dafür, dass die gesammelten Schweizer Franken den Opfern zukommen?

Spörri: Wir arbeiten stets mit den gleichen Hilfswerken zusammen. Zurzeit sind das für Pakistan acht Schweizer Hilfswerke, die schon beim Erdbeben 2005 vor Ort waren. Sie kennen das Land und die Gefahren sehr gut. Zudem werden die Projekte von uns geprüft und genau kontrolliert. Zahlungen erfolgen phasenweise; wir vereinbaren mit den einzelnen Hilfswerken, wann für was gezahlt wird.

Wozu wird das Geld verwendet?

Spörri: In der ersten Phase konzentrieren sich die Hilfswerke auf die Nothilfe: Trinkwasser, Medikamente, Lebensmittel, Zelte. Das sind 15 Prozent des Geldes. Der Rest wird später in Projekte für den Wiederaufbau investiert.