Johannes B. Kerner

Sven - der meistgesuchte Mann Deutschlands

Gesucht wird Sven Jachmann (42). Wer ihn findet, dem winken 10 000 Euro. Jachmann hat aber keine Bank überfallen, er versucht nur, drei Wochen unterzutauchen.

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Wird gesucht: Sven Jachmann

Wird gesucht: Sven Jachmann

Sat. 1

Dino Nodari

Der Fernsehmoderator Johannes B. Kerner (45) kämpft bei seinem neuen Sender Sat. 1 mit schwachen Einschaltquoten. Da kommt ein spektakuläres TV-Experiment nach der Sommerpause gerade recht. Gestern Abend lancierte Kerner in seiner Sendung die Aktion «wer findet Sven». Dieser wird in den kommenden drei Wochen untertauchen, dabei aber digitale Spuren hinterlassen. Die Zuschauer sollen ihm nachspüren. Weder seine Familie, noch Kerner wissen, wo er sich aufhält. Wer den TV-Journalisten Sven Jachmann findet, erhält 10 000 Euro.

Überwachungskameras an jeder Ecke, Kreditkarten, Facebook und Handys - überall überlassen wir digitale Spuren. Wie steht es da mit dem Datenschutz? Dieser an und für sich wichtigen Frage will Moderator Kerner nachgehen, so das hehre Ziel. Fraglich ist indes, wie der Erkenntnisgewinn der Sendung ausfallen wird. Denn jemand der wirklich abtauchen will, würde weder im Fernsehen noch im Internet willentlich Hinweise auf seinen Aufenthaltsort angeben.

Multimediale Schnitzeljagd

Wer sich auf die Suche nach Sven begibt, braucht somit keine polizeilichen Fähigkeiten. Denn Sven hinterlässt bereitwillig Spuren, die seine Häscher einfach finden können. Das Experiment ist somit mehr Schnitzeljagd, bei der ein Preisgeld winkt. Damit die Sendung nicht zur gewohnten Reality-Show verkommt - und daran schlittert sie haarscharf vorbei -, wird sie mit Hintergrundberichten zum Datenschutz angereichert.

Die Idee ist gut aber nicht neu. Bereits im Film «Das Millionenspiel» aus dem Jahr 1970 geht es um eine Fernsehshow, in der ein Kandidat eine Woche lang vor Auftragskillern flüchten muss. Und auch das Wired Magazin hat eine ähnliche Aktion vor einem Jahr durchgeführt. Der Untergetauchte blieb jedoch nicht lange unentdeckt und wurde gefunden.

Sat 1 nennt die Aktion das TV-Experiment des Jahres und berichtet in mehreren Formaten über die Suche nach Sven. Zudem wurde eine Homepage geschaltet, auf der sich die Zuschauer informieren können.

Die multimediale Hatz nach Sven Jachmann soll nach der Sommerpause die erhoffte Quotensteigerung für Johannes B. Kerner herbeiführen. Sollte dies funktionieren, wären die für den Finder von Sven in Aussicht gestellten 10 000 Euro kein grosser Preis.