«Wir müssen weitergraben»

«Das Forum Vindonissa gibt weiterhin Rätsel auf», stellt die Kantonsarchäologie fest. An einer öffentlichen Führung haben jetzt die Archäologen Gelegenheit zu einem Einblick in ihre Arbeit gegeben.

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«Wir müssen weitergraben»

«Wir müssen weitergraben»

Louis Probst

«Nein, das Zahnbürsteli brauchen wir hier nicht», entgegnet Beat Wigger, Leiter der Ausgrabung des Forums Vindonissa in Windisch, auf die wohl nicht ganz ernst gemeinte Frage eines Teilnehmers an der öffentlichen Führung.

«Diese Schlitze werden mit dem Bagger ausgehoben.» Rund zwei Dutzend Interessierte sind der Einladung der Kantonsarchäologie gefolgt und nehmen die Gelegenheit wahr, Einblick in die Grossgrabung auf der Fehlmann-Matte zu nehmen.

Ein Riesengebäude mit Innenhof

Dass sich auch unter den einstigen Schrebergärten der so genannten Millionen-Matte in Windisch römische Bauten befinden, weiss man zwar seit gut 100 Jahren. Schon 1902 war man bei Bauarbeiten auf Mauerreste aus der Römerzeit gestossen.

Spätestens die bevorstehende Überbauung des Areals – das Baugesuch soll noch in diesem Herbst eingereicht werden – hat jetzt die Archäologen auf den Plan gerufen. «2002 hat man Sondierungen vorgenommen», sagt Beat Wigger.

«Gesehen hat man dabei aber nicht viel. Inzwischen ist das jedoch ganz anders geworden. Man weiss jetzt, dass auf dem Areal ein Riesengebäude gestanden haben muss, das einen Innenhof mit einem Kiesboden aufwies. Und unter diesem Kiesboden sind überall ältere Holzstrukturen zum Vorschein gekommen.»

Nach einer kurzen Einführung des Grabungsleiters geht es ins Gelände. Sind die freigelegten Mauerreste noch relativ eindeutig als Fundamente einzuordnen, wird es in den Grabungszelten etwas schwieriger.

Beat Wigger erklärt aber, dass es sich bei den kreisrunden Vertiefungen in den Gräben um Pfostenlöcher handelt, die auf das Vorhandensein von Holzwänden hinweisen.

Zwei Fundschichten übereinander

«Das sieht ja aus wie ein Soldatenfriedhof», meint ein Teilnehmer der Führung angesichts der unzähligen roten Holzpfosten, die in Reih und Glied im südlichen Bereich des Grabungsareals stehen.

Es sind aber, wie der Grabungsleiter sagt, Markierungen, die auf Pfostenlöcher noch älterer Bauten hinweisen. Aufgrund des Rasters der Löcher könnte es sich bei diesen Bauten um Getreidespeicher gehandelt haben, stellt er fest.

Millionenmatte und keine Münzen

Damit erfährt der römische Riesenbau auf der Millionenmatte eine neue Deutung. «Man ist einmal davon ausgegangen, dass es sich um eine Gladiatorenkaserne gehandelt haben könnte», sagt Beat Wigger.

«Dann ist das Gebäude als Forum bezeichnet worden. Dagegen sprechen jedoch das Fehlen von Spuren einer Versammlungshalle und auch die mageren Münzfunde. Wir haben auf der Millionenmatte bisher lediglich rund 50 römische Münzen gefunden. Auf der nur halb so grossen Spielmannwiese dagegen sind rund 1000 Münzen zum Vorschein gekommen. Wir sind aber auf der Millionenmatte immer wieder auf Scherben von Amphoren gestossen. Das und die Spuren möglicher Getreidespeicher deuten darauf hin, dass es sich bei den Bauten um Vorratslager gehandelt haben könnte. Die 5500 Legionäre und die Bevölkerung der Zivilsiedlung mussten schliesslich ernährt werden. Das erforderte Vorräte.»

Für Beat Wigger steht aber fest: «Wir müssen weiter graben.»