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VERSCIO: Machtkampf im Theater Dimitri

Zwei Wochen nach dem Tod von Clown Dimitri ist es in dem von ihm gegründeten Theater zum Eklat gekommen. Die Theaterdirektorin wurde abgesetzt.
Masha Dimitri an der Trauerfeier ihres Vaters. (Bild: PD)

Masha Dimitri an der Trauerfeier ihres Vaters. (Bild: PD)

Gerhard Lob, Verscio

Der am 19. Juli im Alter von 80 Jahren verstorbene Clown Dimitri steht im öffentlichen Bewusstsein für Fröhlichkeit, Frieden und Harmonie. Doch ausgerechnet in dem von ihm und seiner Frau Gunda gegründeten Theater in Verscio ist es damit nicht weit her. Ganz im Gegenteil: Der Haussegen hängt dort seit einiger Zeit schief. Hintergrund ist – beziehungsweise war – ein Machtkampf zwischen der Familie Dimitri und der auf Anfang Jahr eingestellten Theaterdirektorin Kami Wilhelmina Manns. Nun kam es zum Eklat: Die 39-Jährige mit deutsch-chinesischen Wurzeln wurde de facto dieser Tage entmachtet und ihres Amtes enthoben.

Masha Dimitri, Tochter des verstorbenen Clowns, erklärte am Samstag in der Tessiner Tageszeitung «La Regione», dass die Beziehungen zur neuen Theaterdirektorin schwierig gewesen seien: «Ihre programmatische Zielsetzung hat nicht berücksichtigt, was mein Vater in 40 Jahren geschaffen hat.» Sie habe sich von der Tradition des Theaters verabschiedet und alles revolutioniert, was viele Anhänger des Theaters vor den Kopf ­gestossen habe. Schliesslich lag Dimitri selbst im Clinch mit der neuen Theaterdirektorin. Er hatte das Gefühl, dass sein Lebenswerk zerstört werde. Dabei ging es ihm auch um Details wie Logo, Grafik und Farbwahl.

Neue Kunstform

Allerdings muss betont werden, dass Kami Manns explizit vom Stiftungsrat bei ihrer Anstellung den Auftrag erhalten hatte, das Theater in eine neue Zukunft zu führen. Dafür hatte sie ein Konzept und ein Programm erarbeitet. Ihr Plan war es, in Verscio ein Kulturzentrum zu schaffen, das auf mehrere Disziplinen setzt, neue Kunstformen ausprobiert und sich vom Schwerpunkt der Clownerie und Akrobatik emanzipiert. «Das neue kulturelle Zentrum fernab der Metropolen» hiess ihr Motto. Anfang Juni stellte Manns dieses Programm der Öffentlichkeit in einer Medienkonferenz vor – im Beisein einiger Stiftungsratsmitglieder.

Dialog unmöglich

Doch schon bald liess der Stiftungsrat die neue Direktorin mit ihrem Projekt im Regen stehen. Bei einer Sitzung Ende Juni demissionierten sieben von neun Stiftungsräten, darunter der Zürcher Anwalt Adrian Klemm als Präsident. Nur Dimi­tris Ehefrau Gunda und Sohn David verblieben. Stiftungsratsmitglieder, die nicht namentlich genannt werden wollen, berichten, dass kein Dialog mit der Familie Dimitri mehr möglich gewesen wäre. Nicht einmal über den Wortlaut des Protokolls der letzten Sitzung habe man sich einigen können.

Polizei versiegelt Büro

Nach dem Tod von Clown Dimitri war erwartet worden, dass sich die Situation entspannt. Das Gegenteil ist eingetreten. Gemäss gut unterrichteten Kreisen ist sogar die Polizei in Verscio am Sitz des Theaters aufgekreuzt, um das Büro der Direktorin zu versiegeln. Die Situation ist unübersichtlich, zumal vollkommen unklar ist, wer auf welcher Grundlage den bestehenden Arbeitsvertrag mit der Theaterdirektorin aufkündigen konnte. Kami Manns, die für die neue Aufgabe eigens von München nach Verscio gezogen war, will sich auf Anfrage (noch) nicht äussern. Sie hat sich einen Anwalt genommen.

Sicher ist, dass es in dieser turbulenten Angelegenheit vor allem um die Frage geht, ob der Stifterwillen respektiert wird. Gemäss Statuten «bezweckt die Stiftung die Förderung und Unterstützung des im Sinne seines Begründers Dimitri geführten Betriebes des Teatro Dimitri, der Compagnia Teatro Dimitri und des Museo Comico». Angeblich hat dies Dimitri in seinem Testament auch nochmals betont. Affaire a suivre.

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