WAHLKAMPF IM TESSIN: Politischer Sommerwirbel um Christa Rigozzi

Ein Professor wirft der Tessiner CVP Stimmenfang vor. Teil der Kontroverse sind: eine Ex-Miss-Schweiz und Schiedsrichter Massimo Busacca.

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Ex-Miss Schweiz Christa Rigozzi. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ex-Miss Schweiz Christa Rigozzi. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Jvana Caccia, Präsidentin der CVP Bellinzona, hat eine Lanze für Christa Rigozzi gebrochen. «Ich möchte festhalten, dass man schön sein und fünf Sprachen sprechen und ein Studium absolvieren kann», schrieb sie diese Woche in den Leserbriefspalten des «Corriere del Ticino». In der Tat: Nebst ihrer Muttersprache beherrscht Rigozzi fliessend Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch; ihre Diplomarbeit in Medienwissenschaften an der Universität Fribourg hat die ehemalige Schönheitskönigin mit der Note 5,5 abgeschlossen.

CVP liebäugelt mit Busacca
Bloss: Über diese Qualitäten verliert Renato Martinoni, Professor für italienische Sprache, Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität St. Gallen, in einem Meinungsbeitrag im «Corriere del Ticino» kein Wort.
Eine Regierungsrätin im Minirock (oder noch besser im Bikini) sei zwar eine durchaus verlockende Vorstellung. Das werde niemand verneinen, meint er ironisch – um ernsthaft zu folgern, Volksvertreter müssten über jene Kompetenzen verfügen müssten, die ein solches Amt erfordere.

«Politische Improvisation bloss zum eigenen Vorteil ist nicht nur gefährlich, sondern auch unverantwortlich», kritisiert Martinoni die CVP – ein Vorwurf, den Caccia weit von sich weist. Am Ursprung der Kontroverse steht ein Artikel des «Corriere del Ticino» vom 22. Juni. Die Tessiner Tageszeitung berichtete, die CVP plane den kantonalen Wahlkampf 2011 prominentem Personal zu bestreiten. Für den Regierungsrat, aber auch den Grossen Rat, also die Legislative, habe sie etwa Massimo Busacca, einer der besten Fussballschiedsrichter der Welt, im Visier. Fürs Kantonsparlament – und nicht für den Regierungsrat, wie Professor Martinoni schrieb – wolle sie Christa Rigozzi ins Rennen schicken. Der Schiedsrichter und die Schöne also: «Man könnte an einen Aprilscherz denken», ärgert sich Martinoni.

Dabei ist Busacca kein politisches Greenhorn. In der 2566-Seelengemeinde Monte Carasso sitzt er für die CVP im Gemeinderat. Dass ihn die CVP für einen Regierungsratssitz nominiert, scheint indes etwa gleich wahrscheinlich wie eine Ernennung zum Ehrenbürger von Südafrika. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass sie ihn als Grossratskandidat aufstellt.

Rigozzi erstaunt über Professor
Bei Christa Rigozzi, die aus einem christdemokratischen Milieu stammt, hingegen hat die CVP umsonst angeklopft. «Ich bin zu 150 Prozent im Showbusiness beschäftigt», sagte sie am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Sie interessiere sich für die Politik und könne sich später durchaus ein Engagement vorstellen, habe momentan aber schlicht keine Zeit. Über die professoralen Worte zeigte sie sich erstaunt. Martinoni habe ein Urteil gefällt, ohne je mit ihr gesprochen zu haben. Dafür dankt sie Jvana Caccia, die sich Leserbrief schreibend für das blonde Model in die Bresche geworfen hat.

Kari Kälin und André Häfliger