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WALLIS: Suizidversuch mit Auto: Anwalt pocht auf Schuldunfähigkeit

Ein Walliser Familienvater starb, als ein Franzose bei einem Suizidversuch mit dem Auto absichtlich in ihn prallte. Bei der Gerichtsverhandlung am Mittwoch in Brig forderte der Anwalt des Unfallverursachers einen Freispruch.
Kari Kälin, Brig
Dieser verhängnisvolle Unfall im Wallis war ein Suizidversuch. (Bild: PD (Münster, 9. August 2015))

Dieser verhängnisvolle Unfall im Wallis war ein Suizidversuch. (Bild: PD (Münster, 9. August 2015))

Kari Kälin, Brig

Er sei total neben den Schuhen gewesen, irgendwie vernebelt: So beschrieb am Mittwoch der heute 33-jährige Franzose vor dem Kreisgericht Oberwallis in Brig seinen Zustand, als er abends am 9. August 2015 seinen Renault Clio durch das Goms steuerte. Auf einer Geraden in Münster nahm dann das Drama seinen Lauf. Mit der Absicht, seinem Leben ein Ende zu setzen, kollidierte der Franzose am Ende einer langen Geraden in hohem Tempo frontal mit einem entgegenkommenden Opel. Der Insasse, ein 36-jähriger, zweifacher Familienvater aus dem Kanton Wallis, ­verstarb. Der Unfallverursacher überlebte schwer verletzt (wir berichteten).

Sein Verschulden sei als schwer einzustufen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. «Der Familienvater hatte keine Chance, auszuweichen. Der Angeklagte wollte auf jeden Fall eine tödliche Kollision.» Die Staatsanwältin forderte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Folgt das Gericht diesem Antrag, droht dem Franzosen eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren. Gleichzeitig verlangte die Staatsanwältin, wegen Schuldunfähigkeit eine stationäre Massnahme anzuordnen. Das heisst: Der Franzose verbüsst die ganze oder einen Teil seiner Strafe zum Beispiel in Form einer Psychotherapie in einer Anstalt.

Schwere psychische Störung attestiert

Die Staatsanwältin stützt sich bei ihrem Antrag auf ein ärztliches Gutachten, das dem Franzosen eine schwere psychische Störung attestiert. Tatsächlich litt der Mann, gezeichnet durch Alkohol- und Cannabismissbrauch, im Sommer 2015 an einer schweren Depression. Zum Tatzeitpunkt selber stand er gemäss einer toxikologischen Untersuchung nicht unter direktem Einfluss von Cannabis oder Alkohol. In den Monaten vor der Tat geriet das Leben des Franzosen regelrecht aus den Fugen. Im Frühling 2015 ging die siebenjährige Beziehung mit seiner Freundin in die Brüche. Im Juni schmiss er seinen Job als Chauffeur bei der französischen Post hin – wegen Streitereien mit dem Chef über den Lohn.

Als er zu seinen Eltern nach Spanien fuhr, schickte ihn sein Vater wegen psychischer Probleme in ein Spital. Es folgte ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Nachdem er diese verlassen hatte, konsumierte der gelernte Grafiker wieder Drogen. Die Einreise in die Schweiz am 8. August 2015 begründete er mit dem Wunsch, «zur Ruhe zu kommen». Stattdessen provozierte er den verhängnisvollen Unfall. Es tue ihm von Herzen leid, er bereue seine Tat, sagte der Franzose gegenüber den Angehörigen, die dem Prozess beiwohnten und als Privatkläger auftraten.

Der Anwalt der Opferfamilie warf dem Franzosen «skrupelloses Verhalten» vor. Er verlangte, dass er den beiden Kindern und Eltern des Verstorbenen je 33 000 Franken Genugtuung zahlen müsse. Für die getrennt von ihm lebende Ehefrau forderte er 40 000 Franken, für die damalige Lebenspartnerin 40 250 Franken.

Der Anwalt des Unfallverursachers stellte den Antrag, sämtliche Zivilforderungen abzuweisen. Er plädiert auf Freispruch. Der Anwalt pocht auf die Schuldunfähigkeit, die ein Gutachter zum Tatzeitpunkt festgestellt hat. In seinem Zustand sei der Unfallverursacher nicht mehr in der Lage gewesen, die potenzielle Gefährdung für den Mitmenschen zu erkennen. Zudem verlangte er für den Franzosen eine Entschädigungs- und Genugtuungssumme von knapp 94 000 Franken für die Zeit in Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Das Urteil wird in der nächsten Woche eröffnet.

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