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WC-PAPIER: Wisch und weg

Ohne die weichen Blätter von der Rolle wäre das Leben keine saubere Sache und manche Geburtstagsparty nur halb so lustig. Es gibt sogar einen Extra-Feiertag dafür: den 26. August.
Bettina Kugler
Griffig und reissfest soll WC-Papier sein: nicht nur beim Mumienwickeln. (Bild: «Lumpi, Lampe, Luftballon», Gudrun Schury, Moni Port, Klett)

Griffig und reissfest soll WC-Papier sein: nicht nur beim Mumienwickeln. (Bild: «Lumpi, Lampe, Luftballon», Gudrun Schury, Moni Port, Klett)

Bettina Kugler

Bist Du ein Falter oder ein Wickler? Oder womöglich ein echter Knüller? Normalerweise reden wir nicht darüber. Schon gar nicht soll uns jemand dabei zuschauen. Wir schliessen lieber die Tür und sind allein – als Falter, Wickler oder Knüller auf dem stillen Örtchen. Die einen mögen ihre zwei bis vier Lagen schön ordentlich übereinander, entlang der vorgestanzten Löcher. Andere machen es mit ihrem WC-Papier wie mit «Uffzgi», in denen es von Fehlern wimmelt: einen lockeren Papierball, und weg damit. Stopp, vorher noch abwischen natürlich. Und dann spülen, mit genügend Wasser. Trotzdem nicht verschwenderisch.

Ob Falter, Wickler oder Knüller: Diese Frage beschäftigt tatsächlich mehrere Berufsgruppen. Da sind zum einen die Marktforscher. Ihnen darf es nicht stinken, die Leute auf der Strasse oder am Telefon nach solchen Heimlichkeiten zu fragen. Zum anderen tüfteln Wissenschafter im Auftrag grosser Firmen daran, das Ding mit der speziellen Rolle so gut wie nur möglich zu machen. Dafür wissen sie gerne, wie zufrieden die Verbraucher bisher sind. WC-Papier soll weich sein und trotzdem «reissfest». Also stark genug – und so gelocht, dass du nicht lauter einzelne Blätter abtrennst. Aber auch nicht mit etwas Schwung gleich ein paar Meter davon in der Hand und auf dem Boden hast.

Früher wischte man mit Moos – oder mit Tonscherben

Wichtig ist den Papierentwicklern ausserdem die «Durchstossfestigkeit». Da wären wir bei einem heikleren, weniger appetitlichen Punkt. Falter aber legen grossen Wert darauf. Deshalb ist die Frage oben auch kein Witz. Bei flach gefaltetem Papier ist die Durchreissgefahr viel grösser als bei einem Ball. Klar. Und weil es zum Beispiel in Frankreich und Amerika wesentlich mehr «Knüller» gibt als hierzulande, wird dort auch anderes WC-Papier hergestellt. Es ist viel flacher und glatter. Für Falter braucht es dagegen mehr Struktur und möglichst viele Schichten übereinander. Physiker erforschen, mit welchen Fasern das am besten geht und wie diese bei der Herstellung aufeinander gepresst werden müssen. Sie werden mit heisser Luft flauschig gepustet. Alles für unser Wohlgefühl. Damit auch immer etwas auf der Rolle ist (und genügend Rollen im Schrank sind), gibt es weltweit den Tag des Toilettenpapiers. Der ist am 26. August. Zur Feier des Tages könntest DU dann mal die Rolle auswechseln und Vorrat posten. Jeder von uns verbraucht im Durchschnitt 15 Kilo WC-Papier im Jahr.

Anders sah es bei unseren Vorfahren aus. Die konnten nicht einfach in Folie abgepackte, mit Blüemli bedruckte High-Tech-Rollen kaufen. In frühen Zeiten nahm man zum Putzen Tonscherben, Schwämme oder Stroh. Auf dem Land Blätter, Moos, Gras oder Wolle. Später Lumpen oder altes Papier, aus Zeitungen oder Katalogen zurechtgeschnitten. Vor etwa 150 Jahren gab es in Amerika das erste saugfähige Papier von der Rolle, extra für kleine und grosse Geschäfte. Die Chinesen waren für einmal früher dran. Sie verwendeten schon im 6. Jahrhundert Papier aus Reisstroh zum Po-Abwischen. Das für den Kaiser wurde später sogar mit Duft versehen.

Nach dem Spülen sollte es spurlos verschwinden

Heute ist WC-Papier ein Massenprodukt. Trotzdem sollte es möglichst spurlos verschwinden. Sonst kommt es zu Verstopfungen, im Klo und in der Kanalisation. Auch das müssen die Papierentwickler im Auge behalten. Gemahnt werden sie von Abwassertechnikern und den Betreibern von Kläranlagen. Besonders das Feuchtpapier macht oftmals Ärger, denn es braucht länger, bis es zerfällt. In manchen Ländern darf gar kein Papier in die Kanalisation gespült werden. Dort ist die Po-Dusche eine saubere Sache. Was auch bedeutet, dass unser Lieblingsspiel bei Geburtstagspartys höchstwahrscheinlich unbekannt ist: das Mumienwickeln. Gut, wenn dabei nichts reisst und rutscht. Ein Riesenspass, für den wir den Forschern aus dem Labor von Herzen danken. Dafür sparen wir den Rest des Jahres brav.

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