WEF: Hektik in der heimeligen Davos-Welt

Lachs, Meerrettich, Toast und Mineralwasser: So lässt es sich für Michael Haefliger auf der kleinen Terrasse beim Eingang seines elterlichen Ferienhauses in Davos-Glaris gut ausspannen.

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Michael Haefliger

Michael Haefliger

Die Agenda des ehemaligen Konzertgeigers, der seit zehn Jahren als Intendant am Lucerne Festival die erste Geige spielt, ist in diesen Tagen voller Termine: Haefliger ist als «Cultural Leader» am World Economic Forum WEF in Davos eingeladen. An jenem Ort, wo er vor acht Jahren zum «Global Leader of Tomorrow» ernannt wurde und 1986 als Intendant das internationale Davos Music Festival «Young Artists in Concerts» mitgründete und übernahm.

Das heimelige, schon bald 500 Jahre alte Walserhaus steht in der zweiten Heimat von Michael Haefliger, der 1961 in Berlin geboren wurde. «Seit ich zwei Jahre alt bin, weile ich regelmässig in den Ferien hier», erzählt der ehemalige HSG-Student in St. Gallen mit MBA-Abschluss in Unternehmensführung. In dieser Eigenschaft hält Haefliger fest: «Ich bin dagegen, dass man das Versagen der Wirtschaftsbosse pauschalisiert. Nicht jeder Wirtschaftsführer hat versagt, es gibt sehr viele, die ihre Unternehmen mit Sorgfalt und Erfolg durch die Krise lenken.»

Kultur-Krise?
Hat diese Krise denn auch die Kultur in Luzern erreicht? «Bisher sind wir zum Glück noch nicht stark betroffen, haben aber Sparmassnahmen doch schon reagiert», sagt Haefliger, der etwas über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt und auch einen Abschluss an der renommierten Juilliard-School of Music in New York gemacht hat. «Bei kleineren Unterstützungsbeiträgen gab es schon immer Schwankungen, die grossen Sponsoren und Mäzene aber blieben uns treu.» 

In Kulturkreisen in Davos sei man sich einig: Bisher sein man noch mit einem Blauen Auge davongekommen, richtig spüren würde man die Krise, wenn sie länger, also zumindest noch das ganze Jahr, anhalten würde. «Wenn es schlecht bleibt, wird das nächste Jahr für uns Kulturschaffende noch schlimmer», prophezeit Haefliger.

Forster-Nachbar
Die vielen, meistens bilateralen Gespräche zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur am WEF bezeichnet der Luzerner Intendant als «nach wie vor» wichtig. Seit der Globalisierung nämlich bestehe die «latente Gefahr», dass das Kulturschaffen «verwässert und zu einem weltweiten Einheitsbrei» wird. Dagegen seien Treffen mit Meinungsaustausch, Koordination und Absprachen hilfreich. Das wichtigste Kulturmeeting fand am Freitagabend statt. 

Unter den vielen Gästen waren der brasilianische Schriftsteller Paolo Coelho, Südafrikas Filmproduzent Anant Singh sowie Boston-Philharmonie-Dirigent Benjamin Zander. Und der hier aufgewachsene Davos-Ehrenbürger und Starregisseur Marc Forster, dessen Bruder Peter Forster übrigens ganz in der Nähe von Michael Haefliger ein ebenso heimeliges Holzhaus gekauft hat. Auch die Marketing-Fachfrau Gabriele Baer-Richner («Leider hat es vermutlich Bush einfach gebraucht, damit Amerika Obama bekommen hat.») weilte unter den Gästen. Wie sagte der Intendant doch bei der kleinen Lachspause vor seinem Walserhaus: «Zu seinen Wurzeln zurückzukehren ist halt doch etwas vom schönsten. Hoffentlich treffe ich Marc, dessen Arbeit ich sehr bewundere, jetzt dann öfters mal.»

Luzerner spielten auf
Ein weiteres Luzerner Highlight am WEF gab es am Samstag Abend: Das Luzerner Sinfonieorchester durfte unter der Leitung von Alexander Liebreich und mit Pianist Fazil Say am Forum-Galaabend in Davos aufspielen. Punkt Mitternacht wurden Ludwig van Beethoven («Egmont» sowie die 2. Sinfonie) und Camille Saint-Saëns (2. Klavierkonzert) gegeben. 

André Häfliger, Davos